50 Jahre Ständiger Diakonat

Allen Grund, sich über das Jubiläum zu freuen

Die Präsentation der Jubiläums-Festschrift „Dienst in der Wahrheit Christi“ war das i-Tüpfelchen auf einer stimmungsvollen Feier. Bischof Konrad, Generalvikar Heinrich und Domvikar Miesen freuten sich über reichlich Lektüre. (Fotos: Nicolas Schnall / pba)
30.03.2019 21:12

Augsburg (pba). Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat heute beim Festgottesdienst zu „50 Jahre Ständiger Diakonat im Bistum Augsburg“ daran erinnert, dass Christus das Zentrum und die Mitte unseres Lebens ist. In der anschließenden Jubiläumsfeier wartete auf die 200 Gäste ein kurzweiliges Programm.

Es sei „ein Geschenk seiner Gnade, dass wir ihm dienen und ihm in den Geringsten unserer Brüder und Schwestern begegnen dürfen“, so Bischof Konrad in seiner Predigt. Gemeinsam mit dem Bischöflichen Beauftragten für den Ständigen Diakonat Domvikar Andreas Miesen, einem Dutzend Priestern sowie Diakonen und ihren Ehefrauen feierte der Bischof den Gottesdienst in Erinnerung an die Wiedereinführung dieses Dienstes im Bistum vor fünf Jahrzehnten. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Kirchenmusiker Peter Bader und den Ulrichsbläsern. „Ja, wir haben allen Grund, dieses Jubiläum freudig zu begehen“, betonte der Bischof. Er warnte aber zugleich davor, von einer „Erfolgsgeschichte“ zu sprechen. Vielmehr rief er zu einer ständigen Suchbewegung auf – „nicht als gehetzte Hasen, aber auch nicht in der vermeintlichen Annahme, immer schon da und am Ziel zu sein“. Dabei legte Bischof Konrad den anwesenden Gläubigen eines besonders ans Herz: „Mit Christus voranzuschreiten, sich an die Ränder zu begeben und uns immer mehr mit ihm zu verbinden und Menschen, wie nah oder fern sie auch sein mögen, für Christus zu gewinnen“.

Gleichzeitig gab der Bischof auch zu bedenken, dass die Aufforderung des Papstes, an die Ränder zu gehen, auch die Gefahr der Selbsttäuschung in sich berge, wenn wir fraglos und geradezu selbstverständlich davon ausgingen, selber bereits im Zentrum zu stehen. „Woher wissen wir denn, dass es nicht wir selber sind, die sich an den Rändern befinden, ohne es so recht zu ahnen?“ Wer dürfe denn als Christ so gänzlich unreflektiert und selbstgewiss von sich behaupten, unangefochten im Zentrum zu stehen, fragte Bischof Konrad. Daher forderte er seine Mitbrüder im geistlichen Dienst dazu auf, neben den großen Hilfsaktionen in Katastrophenfällen die – wie er es nennt – „nichtattraktive Not nicht zu übersehen“. Diese mag zwar oft weniger attraktiv und spektakulär erscheinen, aber es sei nicht zuletzt auch ein Ergebnis der Pastoralvisitationen, „dass sich Not und Armut in der Pfarreiengemeinschaft verstecken und gar nicht so leicht auszumachen sind“.

Bei aller Freude über das Jubiläum des Ständigen Diakonats in unserem Bistum und viele wertvolle, hochqualifizierte Dienste stellte der Bischof die Frage nach der eigenen Berufung besonders in den Mittelpunkt: „Liebe Mitbrüder, immer und immer wieder müsst Ihr Euch selbst fragen und fragen lassen: Seid Ihr Gewollte, möglicherweise nur Selbstgewollte oder seid Ihr mit Eurem Dienst Gebrauchte und vor allem Berufene?“

Zum Zeichen der dankbaren Erinnerung an die für das Diakonat Verantwortlichen, die bereits verstorben sind, sowie an die verstorbenen Diakone, Ehefrauen und Kinder legten die Diakone Peter Kohlmann und Alfred Festl mit ihren Frauen Helga und Anneliese an den Gräbern von Bischof Dr. Josef Stimpfle und Weihbischof Rudolf Schmid stellvertretend eine Rose und eine brennende Kerze nieder.

In der anschließenden Jubiläumsfeier wartete auf die 200 Gäste im Kolpingsaal - wie es der Bischöfliche Beauftragte Domvikar Miesen zu Beginn betonte - ein „spannendes und kurzweiliges Programm“, musikalisch umrahmt von Agnes Reiter am Saxofon und Gerd Bachhuber am Klavier. In seinem Grußwort dankte der Sprecher der Ständigen Diakone, Christian Wild, besonders den Ehefrauen: „Ich kann nur ein guter Diakon sein, weil ich eine gute Ehefrau habe.“ Das Sakrament der Ehe sei nicht durch die Weihe aufgehoben.

Diözesanreferent Diakon Ralf Eger kitzelte in kurzweiligem Frage-Antwort-Spiel Einblicke in die letzten Jahrzehnte aus Altgedienten, Neu-Diakonen und den Ehefrauen heraus. Dabei wünschte sich Diakon Festl, Weihejahrgang 1977, dass der Ständige Diakon in der kirchlichen Öffentlichkeit als eigener Dienst wahrgenommen und anerkannt werde und nicht als „Ersatz-Kaplan“ verstanden würde. Für Diakon Martin Lehmann, Weihejahrgang 2018, sei das Diakonat „die Chance, die Freude am Glauben weiterzugeben“. Wie diese Freude weltweit gelebt würde, davon konnte Diakon Georg Seidenspinner berichten, der als Langstreckenpilot unweigerlich Weltkirche erlebt. „Das ist etwas Großartiges.“   

Großartig heiter mit einer Prise Humor ging es weiter. So sorgte Diakon Jürgen Zapfs Kabaretteinlage nicht nur für lachende Gesichter im Publikum, sondern bescherte ganz neue ironische Perspektiven auf den Alltag eines Diakons, Ehemanns und Gemeindeentwicklers, der eigentlich auch ganz gerne Fußballtrainer geworden wäre.

Zum Abschluss bekamen die Festgäste dann noch schwere Kost, allerdings leicht verdaulich präsentiert: Die Diakone Gerhard Rummel und Stefan Reichhart „galoppierten“ wortreich durch den Entstehungsprozess der 400-seitigen Jubiläums-Festschrift und übergaben Bischof Konrad das erste Exemplar. Diakon Reichhart bemerkte dazu süffisant, dass er sich das umfangreiche Buch dann in seinem Ruhestand zu Gemüte führen könne.

 

Vor 50 Jahren wurde im Bistum Augsburg der Ständige Diakonat eingeführt. Bischof Dr. Josef Stimpfle erklärte am 17. Februar 1969 in einem „Wort des Bischofs zur Einführung des Diakonats als Lebensstand in der Kirche von Augsburg“ die Wiedereinführung des Ständigen Diakonats. Am 20. Juli 1969 empfingen Reinhard Maria Libor, Dr. Alfred Rudolf Loos und Anton Stehle durch Bischof Stimpfle in der Stadtpfarrkirche St. Peter in Dillingen an der Donau die Diakonenweihe. Damit war Augsburg nach der Wiedereinführung dieses Amtes durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) die erste bayerische Diözese, in der verheiratete Männer zu Diakonen geweiht wurden. 222 sind es bis heute.

Um die letzten vor dem Zweiten Vatikanum bezeugten Ständigen Diakone Augsburgs zu finden, muss man weit in der Zeit zurückgehen. Im Jahr 969 seien in der Diözese ein Archidiakon Amalrich und ein Diakon Walther bei der Gründung des Klosters St. Stephan erwähnt worden, heißt es im historischen Teil der Festschrift „Dienst in der Wahrheit Christi“, die anlässlich des Jubiläums erschienen ist.