Ständiger Diakonat

Bischof Bertram: „Als Diakone sind Sie Hoffnungsträger“

26.12.2020 12:38

Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat am heutigen zweiten Weihnachtstag im Hohen Dom Filip Bäder aus Türkheim und Manfred Selg aus Pfronten zu Diakonen geweiht. Zur Weihe am Gedenktag des ersten Diakons und Märtyrers Stephanus ermutigte der Bischof die beiden, „in einer Zeit, in der so viele Bedenkenträger Konjunktur haben“, Hoffnungsträger zu sein.

Durch Handauflegung und Gebet des Bischofs zu Diakonen geweiht: Filip Bäder und Manfred Selg. (Fotos: Nicolas Schnall / pba)

In seiner Predigt ließ Bischof Bertram keinen Zweifel daran, dass es im Handeln des Diakons immer um das Eine gehe: „Christus lebendig werden lassen in der Welt.“ Oder adventlich gesprochen: „Dem Herrn den Weg bereiten im eigenen Herzen und im Herzen der Menschen.“ Denn das Evangelium, das der Diakon in der Heiligen Messe verkündet, sei nicht nur Wort, sondern auch Tat. „Es geht um heilende Seelsorge“, und darum, wie es Papst Franziskus gerne ausdrückt, die vielen Wunden der Menschen und der Menschheit zu heilen. „Da sind vor allem Sie gefragt und gefordert“, richtete der Bischof sich an die beiden Weihekandidaten.

Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Wunden begegneten uns nicht nur in den großen Nöten unserer Welt, in den Armen, Entrechteten, den Heimatlosen und Flüchtlingen, den wegen ihres Glaubens oder ihrer Meinung verfolgten oder gar mit dem Tod bedrohten Menschen. „Wir treffen sie mitten unter uns in unseren Gemeinden“, so Bischof Bertram und meinte damit Arme, Einsame, körperlich wie seelisch Erkrankte, Menschen ohne Hoffnung, Junge wie Alte gleichermaßen. „Wollen wir als Kirche die im Evangelium überlieferte Botschaft Jesu nicht verraten, müssen wir parteiisch sein, das heißt den Menschen in Not zur Seite stehen.“ Die Coronakrise mache diesen Auftrag noch dringender, betonte der Bischof.

Gleichzeitig warnte er ebenso vor Verschwörungstheoretikern und Verharmlosern wie vor Dramatisierern und Unheilspropheten. „Liebe Weihekandidaten, ich baue auf Sie, dass Sie sich in solche Strudel nicht hineinziehen oder gar von ihnen mitreißen lassen, sondern einen kühlen Kopf bewahren und vor allem ein brennendes Herz, das für die Menschen schlägt.“ Corona sei für Bischof Bertram sogar die Chance, die weihnachtliche Botschaft des „Gott mit uns“ in Wort und Tat neu zu platzieren. „Ich wünsche mir unsere Diakone noch mehr als Speerspitze gelebter Diakonie. Glaubwürdige Caritas, die weder den Gottesdienst noch die Verkündigung ersetze, sondern mit den beiden zusammen eine Einheit bilde.

(v.l.) Diakon Manfred Selg, Bischof Bertram, Diakon Filip Bäder.

Nach Handauflegung und Weihegebet durch Bischof Bertram folgten die ausdeutenden Riten wie das Anlegen der liturgischen Gewänder und die Überreichung des Evangeliars, das jeder Diakon mit folgenden Worten aus den Händen des Bischofs erhielt: „Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du berufen. Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde und was du verkündest, das erfülle im Leben“.

Auch die Ehefrauen der Weihekandidaten bestätigten während der Weiheliturgie mit ihrem „Ich bin bereit“ die Frage des Bischofs nach der Bereitschaft, ihre Ehemänner bei deren Dienst zu unterstützen. Schon in seiner Predigt brachte Bischof Bertram den beiden Ehefrauen gegenüber seine Wertschätzung zum Ausdruck: „Der Beitrag, den Sie als zukünftige Diakonenfrauen leisten, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Oft waren Sie es, die Sie Ihren Ehemann ermutigt haben, seiner Berufung zum Diakon nachzuspüren.“ Diese Begleitung in Vergangenheit und Zukunft sei durchaus auch ein diakonischer Dienst. Und eine Bitte gab er ihnen noch mit auf den Weg: „Achten Sie darauf, dass Ihr Mann immer im Blick behält, dass er bei allem Engagement als Diakon Ehemann und Vater bleibt.“

Musikalisch gestaltet wurde die Weiheliturgie von Domorganistin Claudia Waßner und Domkantor Julian Müller-Henneberg, Instrumentalisten des Domorchesters sowie Sängerinnen und Sängern des Domchors unter Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann.

Im Folgenden stellen wir die beiden Kandidaten, die künftig als Diakone im Hauptberuf und mit Zivilberuf in der Pfarrpastoral tätig sind, in Kurzporträts vor:

Filip Bäder (36) aus der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Türkheim ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der gebürtige Ludwigsburger stammt aus einer gemischtkonfessionellen Familie und ist als Ministrant, Gruppenleiter und Oberministrant schon seit frühester Kindheit im kirchlichen Leben seiner Heimatpfarrei verwurzelt. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr entschied er sich für das Studium der Religionspädagogik und Kirchlichen Bildungsarbeit. Seine erste berufliche Station führte ihn als Gemeindereferent nach Neresheim (Bistum Rottenburg-Stuttgart). Seit 2012 ist er in der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen tätig. Das „Feuer für den Dienst des Diakons“ sei bei ihm bereits zu Studienzeiten während eines Jahrespraktikums im persönlichen Erleben eines engagierten und authentischen Diakons „zum Glühen gebracht“ worden. Im Rückblick auf die vergangenen vier Jahre Ausbildungszeit spricht Bäder von einer schönen, manchmal anstrengenden und persönlich sehr intensiven Zeit“. Doch immer habe er in den Ausbildungseinheiten und Begegnungen gespürt, vor allem auch im Caritaspraktikum, dass der Weg zum Diakon wirklich sein Weg geworden ist. Der Leitsatz „Gott und den Menschen nahe zu sein“ präge ihn und sein Verständnis vom Dienst des Diakons.

 

Manfred Selg (49) aus der Pfarrei St. Nikolaus in Pfronten ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er in der außerschulischen Förderung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben sowie allgemeinen Lernproblemen. Inzwischen ist er in der Pädagogischen Leitung an einem Gymnasium mit inklusivem Ansatz tätig. Sein Glaube habe ihn bereits sein ganzes Leben begleitet und zu verschiedenen aktiven Diensten in der Gemeinde geführt. Aus einer Freizeitidee, im Fernkurs Theologie zu studieren, entwickelte sich bei ihm dann die Entscheidung zum Ständigen Diakonat. Der Dienst an den Menschen und das „Da-sein“ für sie habe ihn schon sein gesamtes Berufsleben begleitet. „Der Diakon ist der Brückenbauer, der zu den Menschen geht und der diese idealerweise dabei unterstützt, den Weg zu Licht und Hoffnung zu ebnen oder Raum für eine neue Verbindung zu schaffen“, so Selg. Zudem weise für ihn die Teilhabe aller Menschen an Gesellschaft und Gemeinschaft viele Parallelen zu den Aufgaben eines Diakons auf. Auch hier sei das Brückenbauen, das Zusammenführen, das Entwickeln gemeinsamer Haltungen der Wertschätzung des Einzelnen und das Berücksichtigen der individuellen Bedürfnisse eine tägliche Herausforderung.