Aus den Dekanaten

„Reicholzried ist Klein-Bethlehem“ - Alte Krippenfiguren zu neuem Leben erweckt

20.12.2021 10:14

Reicholzried (pdke). Mit den Worten „Reicholzried ist Klein-Bethlehem“ beglückwünschte Bischof Dr. Bertram Meier am Abend des 4. Adventssonntags die zahlreichen Ehrenamtlichen, die das Projekt einer Wandelkrippe mit zwölf Szenen umgesetzt hatten. Beinahe ein Jahr lang hatten Reicholzrieder Bürgerinnen und Bürger alte Krippenfiguren restauriert, überholt, Bauteile für die Gebäude instandgesetzt und mit Liebe zum Detail zu neuem Leben erweckt. Während einer Andacht in der Pfarrkirche St. Georg und Florian im Beisein von Pfarrer Dr. Martin Awa, Benefiziat Ambrose Alisa und des Ruhestandsgeistlichen Xaver Wölfle segnete Bischof Bertram die neue Krippe.

Stolz schauen die Reicholzrieder Baumeister auf ihr Werk, das nicht nur Kinder zum Betrachten einlädt. (Foto: Verspohl-Nitsche / pdke)

Die musikalisch von Organist Andreas Rupp sowie von Andreas Kiesel und Christin Trunzer vom Reicholzrieder Musikverein gestaltete Andacht am vierten Adventssonntag fand mit zahlreichen Gläubigen in der von Kerzenlicht stimmungsvoll beleuchteten Kirche statt. Zuvor hatte sich Bischof Bertram im alten Pfarrhof mit den Organisatoren für das Krippenprojekt ausgetauscht und ihr Werk besichtigt.

In seiner Ansprache zur Segnung ging der Bischof auf einige Details des Krippenzyklus‘ ein, die nicht in die damalige Zeit passten. „Sie haben da einen Zigarettenautomaten an die Wand gehängt“, tadelte er mit Augenzwinkern zur großen Freude der Anwesenden. Auch die sehr einfallsreichen Hausaufschriften, wie die „Gaststätte zum lustigen Kamel“ oder Josefs Werkstatt „Josef Zimmermann“, die auf eine Idee von Kirchenmaler und Restaurator Gebhard Eyerschmalz zurückgehen, blieben nicht unerwähnt.

„Papst Franziskus hat die Krippe als lebendiges Evangelium bezeichnet. Hier in Reicholzried wird dieser päpstliche Wunsch Wirklichkeit. In den kommenden Wochen erzählt die Krippe in der Pfarrkirche das Evangelium nach, das die ersten Jahre des Jesus von Nazareth wiedergibt“, betonte Bischof Bertram. Die ersten Gäste, so fuhr er fort, seien nicht etwa Gelehrte oder die Reichen und Schönen gewesen, sondern Ochs und Esel. „Den Esel brachte Josef mit: das Lasttier, das die schwangere Maria nach Bethlehem getragen hatte und das er bald wieder brauchte, als die heilige Familie nach Ägypten fliehen musste“, erklärte der Bischof. Ochs und Esel hätten erkannt, mit wem sie es beim Krippenkind zu tun hatten. Nicht nur mit einem Menschenkind, sondern mit Gottes Sohn. „Lassen wir uns nicht täuschen. Ochs und Esel erfassen das Evangelium besser als wir Studierten“, führte er aus. „Wie gut, dass es so viele Eselinnen und Esel in den Pfarreien gibt, die so vieles tragen“, schlug Bischof Bertram den Bogen in die heutige Zeit.

„Die nächsten Menschen um Jesus waren Maria und Josef. Maria, die Hörende und erste Jüngerin des Herrn. Sie hat das Wort Gottes empfangen und mitgeholfen, dass es zur Welt kommen konnte.“ Nicht fehlen dürfe Josef, der Träumer und Beschützer der Heiligen Familie. „Er hat erfahren, dass Gottes Wort im Traum bindet und sendet. Er tat das Seine im Hintergrund, um das Fundament des Lebens und Glaubens für Jesus zu schaffen“, stellte der Bischof fest. Für das Krippenprojekt habe es viele Marias und Josefs gegeben, lobte er die ehrenamtliche Arbeit der Reicholzrieder. „Ochs und Esel, Maria und Josef – eine ganz besonders zusammengewürfelte Gruppe von Gästen, die dem Heiland ihr Stelldichein geben. In ihnen lesen wir lebendiges Evangelium, unsere Geschichte! Glückwunsch zum Krippenprojekt.“

In seiner Ansprache erinnerte Kirchenpfleger Jo Hartmann an die Entstehung der aus zwölf Szenen bestehenden Wandelkrippe, die vom ersten Advent bis Mariä Lichtmess aufgebaut sein wird. Bei einem Treffen zur Faschingszeit habe man sich an alte Figuren und einen Palast erinnert, die vor rund 100 Jahren vom damaligen Pfarrer Krimbacher erworben worden waren. Auf der Suche im Dachboden sei die Gruppe auf rund 90 Figuren und zahlreiche Gebäudeteile gestoßen, so Hartmann. „Im letzten Jahr trafen wir uns dann immer montags zur sogenannten Bauausschusssitzung und arbeiteten an der Wandelkrippe“, erinnerte er sich. Jeder der Anwesenden habe neue Ideen in die Umsetzung eingebracht. Gebhard Eyerschmalz, Feinmechaniker Thomas Fuchs sowie Heribert Huber hätten als Architekten und Hausbauer gewirkt. Lothar Endres und Matthias Riegger halfen ebenso wie Elfi Fleschutz, Evi Huber, Elisabeth Hartmann und Elisabeth Eyerschmalz, die die Kleidung nähten. Für die vielen unentgeltlich erbrachten Stunden zur Verwirklichung sagte Hartmann allen ein herzliches „Vergelt‘s Gott“. Er sei stolz darauf, dass sie das gemeinsam geschafft hätten.

Als das Projekt fertiggestellt war, kam die Frage auf: „Gibt es eine Einweihung?“ „Da ladet wir doch unseren neuen Bischof ein“, erzählte der Kirchenpfleger im Allgäuer Dialekt. Die Zusage des Bischofs sei nur eine Woche später erfolgt. „Gern hätten wir Sie pompös empfangen, aber das geht in diesen Zeiten leider nicht“, bedauerte Hartmann. Umso mehr freue er sich mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern über sein heutiges Kommen, schloss der Kirchenpfleger und überreichte Bischof Bertram als Gastgeschenk Honig, des Hobbyimkers und leitenden Pfarrers der PG Dietmannsried, Dr. Martin Awa.