Kirche und Kultur

Aschermittwoch der Künstler: Rauminstallation „Bitte stehen lassen! (Wird Montag abgeholt)“

Rauminstallation in der St. Severinskapelle mit den Künstlern Torsten Mühlbach (l.), Bruno Wank (r.) und Kuratorin Doris Kettner. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
14.02.2018 16:29

Augsburg (pba). Der Aschermittwoch der Künstler hat heute 180 geladene Gäste an einen ungewöhnlichen Ort geführt. Im Zentrum stand ein Kunstprojekt zum Thema „Vergessen-Vergeben-Neuanfang“ auf dem Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Augsburg. Bischof Dr. Konrad Zdarsa begrüßte die Künstler zunächst im Hohen Dom zu Augsburg und feierte gemeinsam mit ihnen ein Pontifikalamt zu Beginn der österlichen Bußzeit.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Gäste die Gelegenheit, die Rauminstallation „Bitte stehen lassen! (Wird Montag abgeholt)“ der beiden Künstler Bruno Wank und Torsten Mühlbach auf sich wirken zu lassen. Das ehemalige Gefängnis, in das sich die Installation einfügt, sei ein „geschichtsbeladener Ort, der viel stilles und manch grausames Leid gesehen haben muss“, so Professor Dr. Gerda Riedl in ihrem Grußwort. Sie ist seit Anfang Februar für die Abteilung „Kirche und Kultur“ verantwortlich. Die Idee zum Projektthema stammte noch vom verstorbenen Bischofsvikar Karlheinz Knebel.

Das Kunstprojekt umfasst eine Rauminstallation in der St. Severinskapelle und auf dem Innenhof vor der Kapelle, wo noch bis in die 1930er Jahre Hinrichtungen stattfanden. Die Installation besteht aus großen Verpackungskisten aus Holz, die den Raum beherrschen. Das Erscheinungsbild der Kisten und schwarze Piktogramme lassen auf den Inhalt schließen: Der Altar, ein Kreuz und die Sitzbänke sind zum Abtransport bereit. Etwas „Altes“ ist abgeschlossen, „Neues“ wird erwartet. Den Künstlern gehe es um die Wahrnehmung der Zeit zwischen einem „Vorher“ und einem „Nachher“, einer Zeit des Übergangs vom Erinnern zum Vergessen oder aber vom Vergeben zu einem Neuanfang, beschrieb Kuratorin Doris Kettner die Installation. Allein das große Kreuz im Chorraum der Kapelle ist noch nicht eingepackt und zieht den Blick des Besuchers auf sich.

Damit spiegle die Installation auch die Bedeutung des Aschermittwochs für Christen und die damit verknüpften Möglichkeiten des Neuanfangs durch die Ausrichtung auf das Kreuz wider, führte die Kuratorin weiter aus.

Diesen Gedanken griff auch Bischof Dr. Konrad Zdarsa in seiner Predigt zum Aschermittwoch auf. Er ermunterte die Gläubigen, die  Fastenzeit als „Zeit der Erneuerung zu nutzen und den Weg der Umkehr und Buße zu beschreiten.“ Dieser Weg solle aber nicht in Form eines „Trimmpfades“ begangen werden, sondern als eine Zeit der Besinnung, des Hörens, des Empfanges und der tätigen Nächstenliebe, so der Bischof. Wahre Buße bedeute, umzukehren und ein Leben nach Christi Willen und Gebot zu führen. „Allein dieser Weg führt uns stetig aufwärts aus der Vergänglichkeit und dem Vergehen hin zu dauerhafter Freude.“   

Nach dem Gottesdienst eröffnete Professor Riedl das Kunstprojekt auf dem mit Stacheldraht umzäunten Innenhof des ehemaligen Gefängnisses. In ihrem Grußwort erinnerte sie an die Zeiten des Nationalsozialismus, in denen die Justizanstalt Augsburg II als Durchgangsstation sogenannter Schutzhäftlinge vor dem Abtransport ins Konzentrationslager diente. Einer dieser „Schutzhäftlinge“  war der katholische Geistliche Bernhard Heinzmann (1903-1942), Pfarrer im Bistum Augsburg. Aufgrund seiner entschieden christlichen Haltung zur öffentlichen Inszenierung der Nationalsozialisten wurde er im Januar 1941 inhaftiert. Sein weiterer Leidensweg führte ihn über das KZ Dachau nach Schloss Hartheim bei Linz, wo er im September 1942 wohl in der Gaskammer starb.

Dem Pfarrer und ehemaligen Insassen ist eine eigene Umzugskiste im Innenhof des früheren Gefängnisses gewidmet. Darin eingepackt befinden sich dessen Porträt und die erhaltene Registratur-Karte aus dem Konzentrationslager in Dachau. Dieser Teil der Installation wurde an genau der Stelle aufgebaut, wo früher die Guillotine stand und, so die Kuratorin, kein Neuanfang mehr möglich war.

Der Aschermittwoch der Künstler war das letzte Projekt des im vergangenen November verstorbenen Bischofsvikars Karlheinz Knebel. „Ihm und seiner überzeugenden Zusammenarbeit mit den Künstlern Bruno Wank und Torsten Mühlbach verdankt sich dieses Kunstprojekt an diesem geschichtsbeladenen Ort ganz und gar,“ würdigte Professor Riedl das Werk und die Idee des Verstorbenen. Einige Gedanken Knebels zum Thema „Vergessen-Vergeben-Neuanfang“ sind im Begleitheft zur Ausstellung nachzulesen: „Nicht vergessen können, kann gnadenlos sein, einfach vergessen und verdrängen, unverantwortlich, alle Erinnerungen verlieren, uns den Boden unter den Füßen wegziehen“, heißt es dort in seinen Ausführungen.

Die Ausstellung „Bitte stehen lassen! (Wird Montag abgeholt)“ ist am kommenden Wochenende, 17./18. Februar, jeweils von 14 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Zudem gibt es an beiden Tagen um 15 Uhr ein Begleitprogramm: Am Samstag, 17.2., liest Klaus Müller aus dem letzten Werk von Samuel Becket „Immer noch nicht mehr“. Am Sonntag, 18.2., spielt Stefan Barcsay zeitgenössische Gitarrenmusik. Der Eintritt ist frei.