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Dommusik

Augsburger Domsingknaben feiern 50-jähriges Jubiläum

Augsburg (pba). Ein 50-jähriges Jubiläum, das gleichzeitig auf fast 600 Jahre zurückblickt: Seit 1976 singen und musizieren Mitglieder der Augsburger Domsingknaben in der Jahrhunderte alten Kathedrale des Bistums. Doch die Neugründung des 20. Jahrhunderts setzte eine Tradition fort, die sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Heute sind die rund 300 Sänger des Kammer- und Karl-Kraft-Chores international bekannt und decken dabei ein breites musikalisches Spektrum ab. Für Domkapellmeister Stefan Steinemann zeichnen sich die Domsingknaben besonders durch die Kombination aus Musik, Glaube und Gemeinschaft aus.

Reinhard Kammler (l.), Begründer der Augsburger Domsingknaben, übergab an Silvester 2019 die Leitung an seinen Nachfolger Stefan Steinemann (r.). (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Schon die Bibel ruft an verschiedenen Stellen immer wieder dazu auf, „Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder“ (vgl. z.B. Eph 5,19) zur Ehre Gottes erklingen zu lassen. In der Antike befassten sich dann auch die Kirchenväter mit dem Thema und räumten dem Gesang im Gottesdienst eine wichtige Rolle ein. Die kommenden Jahrhunderte sorgten vor allem die Klöster für eine Weiterentwicklung und Verbesserung des meist einstimmigen lateinischen Gesangs, den Papst Gregor der Große fest innerhalb der Liturgie der lateinischen Kirche verankerte. Erste Gesangsbücher sind im 9. Jahrhundert entstanden. Ab dem 14. Jahrhundert kam dann auch die Orgel als Instrument auf.

Im Anschluss an das Konzil von Konstanz (1414-1418) kam es vor allem an den wichtigen Bischofssitzen, Kathedralkirchen und Fürstenhöfen zu einem gesteigerten Interesse an professionellem Chorgesang. In diesem Zusammenhang muss auch am Augsburger Dom eine Domkantorei gegründet worden sein.

Sängerknaben gestalten seit dem Spätmittelalter die Gottesdienste im Dom

Der älteste Nachweis der sogenannten „Marianer“ datiert auf das Jahr 1439. Ein Zusammenhang mit der nahegelegenen Domschule scheint bestanden zu haben. Während der Reformationszeit, als der Dom zeitweise als evangelisches Gotteshaus diente, verstummte die Kirchenmusik. Erst im Anschluss an den Augsburger Religionsfrieden von 1555 kam es zu einer Reorganisation. Die rund 16 Sängerknaben blieben trotz des sich verändernden Zeitgeschmacks allerdings immer dem gregorianischen Choral verpflichtet, der bis heute Bestandteil des Repertoires ist.

Bemerkenswerterweise bereitete die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Domkantorei keine größeren Probleme, da die neue, königlich-bayerische Regierung von der Notwendigkeit eines Kapellknabeninstituts überzeugt war. Ein streng durchgetakteter Tagesablauf mit gemeinsamen Gebets- und Mahlzeiten prägte den Alltag. Aufgrund knapper finanzieller Mittel wurde es aber zunehmend schwieriger, die Stellen langfristig zu besetzen. Bischof Peter von Richarz (1836 bis 1855) dachte bereits damals über die Etablierung weiblicher Sängerinnen nach, scheiterte mit diesem Vorstoß allerdings. 1865 wurde das Singknabeninstitut formell aufgehoben. Die kommenden einhundert Jahre begleitete ausschließlich ein gemischter Chor die Gottesdienste am Dom.

2009 sangen die Domsingknaben für Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle. (Foto: Augsburger Domsingknaben)

Domkapellmeister Stefan Steinemann betont in diesem Zusammenhang, dass eben genau diese Geschichte einen lebendigen Teil der eigenen täglichen Arbeit darstelle. Besonders spannend sei es, Werke wieder zum Klingen zu bringen, die für den Augsburger Dom entstanden oder hier in früheren Jahrhunderten gepflegt worden seien: „So wird Geschichte hörbar – für uns als Ausführende ebenso wie für die Menschen, die uns zuhören.“ Den Schatz etlicher historischer Stimm- und Chorbücher möchte der Domkapellmeister weiter erschließen.

Die Neugründung vor 50 Jahren

Zur Neugründung kam es Ende Oktober 1976, als Reinhard Kammler den Knabenchor an der Basilika St. Ulrich und Afra an den Dom übersiedelte. Der damalige Bischof Dr. Josef Stimpfle zeigte sich begeistert über das Vorhaben. Kammler wurde zur treibenden Kraft des Neubeginns, wirkte ab 1978 als Domorganist und ab 1995 als Domkapellmeister.

1986 fanden die Domsingknaben, die seit 2024 zusammen mit drei weiteren Knabenchören als immaterielles Kulturerbe Bayerns gelten, dann ihr endgültiges Zuhause im Haus St. Ambrosius, unweit des Standortes der historischen Domschule. Seit 2020 leitet der bei den Domsingknaben ausgebildete studierte Kirchenmusiker Stefan Steinemann als Domkapellmeister die Ausbildung der rund 300 Knaben und Männer zwischen fünf und 25 Jahren. Schon als Vierjähriger kam Steinemann mit den Domsingknaben in Kontakt: „So bin ich von klein auf in eine Welt hineingewachsen, in der Musik, Glaube und Gemeinschaft eng zusammengehören.“

Domsingknaben im 21. Jahrhundert

Die Ausbildung der Knaben entwickle sich mit den Kindern und ihren Lebensbedingungen konstant weiter, berichtet der Domkapellmeister. Durch den Stimmbruch ausgelöste Veränderungen würden zum Wesen eines Knabenchores zwangsläufig dazugehören. Der Kernauftrag bleibe allerdings unverändert: „Kinder und Jugendliche musikalisch und persönlich zu begleiten, ihre Stimmen behutsam zu entwickeln und sie für das gemeinsame Singen zu begeistern.“ Als Kathedralchor sei die Ausbildung immer auch eng mit dem Glauben und der Liturgie verbunden. Durch das gemeinsame Singen, das Erleben der Liturgie und die Gemeinschaft im Chor könnten die Jungen eben auch Zugänge zum Glauben finden, so Steinemann.

Wichtige Bestandteile der Arbeit sind seit der Neugründung nicht nur die musikalische Begleitung der Gottesdienste im Dom, sondern auch Konzerte und Konzertreisen. So sangen die Mitglieder der Domsingknaben bereits für die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI., aber auch vor zahlreichen Politikern wie Helmut Kohl und Angela Merkel. Reisen führten beispielsweise nach China, in die Türkei, nach Guatemala, Polen, Tschechien, Schottland, Russland und Litauen. „Auch künftig möchten wir unsere Stimmen in die Welt tragen“, so Steinemann. Konzertreisen würden den jungen Sängern wertvolle persönliche und musikalische Erfahrungen bieten. Nach der Jubiläumstour mit der „Missa Salisburgensis“ im Herbst in München, Augsburg, Hamburg und Dresden ist im kommenden Jahr bereits eine Fortsetzung mit Konzerten in Bregenz und Basel geplant.

Auftritte bei der Münchner Residenzwoche gehören seit Jahren zum festen Programm. (Foto: Susanne Merk / Augsburger Domsingknaben)

Feierlichkeiten zum Jubiläum

Gefeiert wird das 50-jährige Jubiläum über zwei Tage hinweg. Am 30. Oktober laden die Domsingknaben zum Festkonzert in den Augsburger Dom ein. Es erklingt die „Missa Salisburgensis“ von Heinrich Ignaz Franz Biber. Zu hören sein werden unter der Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann der Kammerchor, der Karl-Kraft-Chor, Solisten, das Barockensemble des Bayerischen Staatsorchesters und das Ensemble Les Cornets Noirs. 

Tags darauf, am 31. Oktober, findet um 17 Uhr im Augsburger Dom eine Pontifikalmesse mit Bischof Dr. Bertram Meier statt. Im Anschluss begehen die Domsingknaben zusammen mit geladenen Gästen aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Förderverein ihr Jubiläum im Rahmen eines Festaktes im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. 

 

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