Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL)

Beratertage: Vortrag, Diskussion und Austausch

Dutzende Beraterinnen und Berater gemeinsam mit Seelsorgeamtsleiter Prälat Dr. Meier. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
29.05.2019 13:18

70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den 25 Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) im Bistum Augsburg trafen sich in den vergangenen beiden Tagen im Haus St. Ulrich in Augsburg zu den vierten Beratertagen. Sie widmeten sich dem Thema „EFL als Psychologischer Fachdienst der Seelsorge“.

Prälat Dr. Bertram Meier stellte sich als Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes den Fragen der Beraterinnen und Beratern zu Themen rund um die pastorale Dimension der EFL und die Bedeutung der EFL für das Bistum Augsburg jetzt und zukünftig. Für ihn sei die EFL „ein Knotenpunkt im Hoffnungsnetz der Kirche“. Er betonte, dass der kategoriale Bereich und damit die Fachdienste innerhalb der Kirche künftig immer wichtiger werden müssten. EFL stünden stets im Spannungsfeld zwischen Positionen der katholischen Kirche und den Themen, mit denen die Klienten die Beratungsstellen aufsuchen. Alle könnten mit ihren Anliegen die EFL Stellen in Anspruch nehmen, unabhängig von ihrer Konfession, ihrer Weltanschauung, ihrem Familienstand. Es kämen durchaus auch Menschen, die der Kirche sehr fern sind, ausgetreten sind, sich aber als gläubig bezeichnen. Prälat Meier betonte: „Wir müssen uns als Kirche immer wieder fragen: Wie ernst nehme ich die Lebenswirklichkeit der Menschen und dies als stetige Herausforderung betrachten, auf die wir Antworten brauchen.“

Dr. Markus Wonka, Leiter der Abteilung Seelsorge im Bischöflich Münsterschen Offizialat Vechta, hielt am zweiten Tag einen Vortrag zum Thema „EFL als Dienst der Kirche – EFL als Ort von Kirche?“. Als Diplom-Psychologe und Diplom-Theologe war er viele Jahre in der EFL im Bistum Augsburg in leitender Position tätig gewesen und zuletzt auch als Diözesanfachreferent für die EFL im Bistum Münster. Als 1. Vorsitzender der Katholischen Bundeskonferenz der Ehe-, Familien und Lebensberatung (KBKEFL) vertrat er bis Ende 2018 die EFL in der Kommissionsarbeit der deutschen Bischofskonferenz.

Dr. Markus Wonka: "EFL-Beratungsstelle als Ort von Kirche entwickeln." (Foto: Daniel Jäckel / pba)

Dr. Wonka betonte, dass sich die EFL als institutionelle Beratung der katholischen Kirche begreift und damit gehörten zum Selbstverständnis der Einrichtung gesicherte fachliche Standards, die eine psychologische Beratung zu gewährleisten hat. Er ermutigte dazu, sich folgende Fragen zu stellen: Welche Bedeutung und welche Auswirkungen hat die Tatsche, dass die Beratung in Trägerschaft der katholischen Kirche stattfindet – für die Ratsuchenden, aber auch für das Selbstverständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Als mögliche Antworten darauf skizzierte er verschiedene Formen, wie sich Kirche, Pastoral und Beratung wechselseitig aufeinander beziehen können. Diese Formen stellte er in den Kontext verschiedener Kirchenbilder, so dass sich das Selbstverständnis einer EFL-Beratungsstelle als ein Ort von Kirche  entwickeln kann.

"Diese wertvollen Impulse werden in den Prozess der Profilentwicklung der EFL im Bistum Augsburg aufgenommen und die kommenden Monate in der einzelnen Teams ausgetauscht und vertieft werden", beschrieb Helga Kramer-Niederhauser, Leiterin der EFL im Bistum, die Früchte der Beratertage. Auch der Austausch unter den Teams sowie den Beraterinnen und Beratern sei bei den Beratertagen stets ein wichtiges Element. In diesem Jahr hätte dies in Form von Präsentationen stattgefunden, so Kramer-Niederhauser: Das Donauwörther Team stellte eine vereinfachte Version des Strukturmodelles OPD vor, dass Prof. Dr. Schüssler im Jahr 2018 präsentiert hatte. Das Memminger Team bot eine Erfahrungswerkstatt zum Thema „Beratung und Paarberatung bei schweren Persönlichkeitsstörungen“ und zeigte damit eine Form, wie die praktische Umsetzung des Themas des Vorjahres gelingen kann. Kempten präsentierte einen Einblick in die Arbeit mit Dolmetschern, Augsburg einen Musterordner für Vernetzungspartner, Lindau demonstrierte, wie der Elternkurs „Kinder im Blick“ in Kooperation mit der Justiz gelingen kann. Das Neu-Ulmer Team stellte ein komprimiertes Schema zum Vorgehen bei Suizidalität von Klienten vor, Schrobenhausen gab einen Einblick, wie Gruppenangebote im Rahmen von Vernetzung zum Einsatz kommen können und Weilheim berichtete über das Gruppenangebot für Paare, das von Klienten sehr gut angenommen wird.

Wie jedes Jahr feierten die Beraterinnen und Berater gemeinsam mit Prälat Dr. Meier eine Andacht zum Thema „Knotenlöserin“. Frau Sandra Meyer, EFL Außenstelle in Dinkelsbühl und Herr Andreas Klöhr, EFL Weilheim, wurden als neue Mitarbeiter begrüßt.