Seelsorge in besonderen Lebenslagen

Beratertage der Ehe-, Familien- und Lebensberatung zum Umgang mit Persönlichkeitsstörungen

15.06.2018 12:40

Augsburg (pba). Mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen 25 Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen im Bistum Augsburg haben sich in den vergangenen beiden Tagen im Haus St. Ulrich über Fragestellungen aus ihrem Arbeitsumfeld ausgetauscht. Die Beratertage fanden zum dritten Mal statt und standen heuer unter dem Thema „Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und strukturellen Einschränkungen“. Damit knüpften die Organisatoren thematisch an die Veranstaltung des vergangenen Jahres an, bei der bereits der Umgang mit psychischen Erkrankungen in der EFL im Mittelpunkt stand.

Dutzende Beraterinnen und Berater trafen sich in den vergangenen beiden Tagen im Haus St. Ulrich zum fachlichen Austausch. (Foto: Daniel Jäckel / pba)

Hintergrund des gewählten Themas sei die in jüngerer Vergangenheit gemachte Erfahrung, dass gerade Menschen, die aus Verunsicherung, Berührungsängsten oder Erfahrung nicht „in Behandlung“ wollen, sich gerade an Beratungsstellen mit niedrigschwelligem Angebot wenden. „Hinter den bei der Anmeldung vorgebrachten Problemen in Beziehungen oder diffusen Gefühlen, im Leben nicht klar zu kommen, verbergen sich sehr häufig langandauernde, lang bekannte Beschwerden, Leiden und Beeinträchtigungen“, erläuterte Pfarrer Klaus Cuppok, stellvertretender Leiter der EFL im Bistum. Diese Menschen seien in der Regel, vom psychotherapeutischen Blickwinkel gesehen, schlechter versorgt als andere und würden oftmals wegen der schwierigen Diagnosestellung und Behandlung von einem Behandler zum anderen weitergereicht.

Auf die Bedeutung der Beratertage verwies Prälat Dr. Bertram Meier, Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamts, bereits in seinen Begrüßungsworten: „Sie bringen Frauen und Männer zusammen, deren tägliche Aufgabe es ist, Menschen in schwierigen Lebenslagen zuzuhören, ein gutes Wort mitzugeben und miteinander Schritte für eine gelingende Zukunft zu überlegen“, betonte er. Ziel dieser Tage sei es, dass die Beraterinnen und Berater besser einzuschätzen lernen, wann eine Persönlichkeitsstörung vorliegt. „Das Wissen darum kann helfen, Chancen und Grenzen der Beratung auszuloten“, so Prälat Meier.

Schwerpunkt der Beratertage waren zwei Experten-Vorträge: zum einen von der Psychologin Christiane Schmermer, die 15 Jahre in der Beratungsstelle für Krisenintervention und Suizidprävention  „Die Arche“ in München arbeitete und aktuell in eigener Praxis als Psychologische Psychotherapeutin tätig ist. Den zweiten hielt Professor Dr. Gerhard Schüßler, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Vorstand der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Er ist Psychoanalytiker und Mitbegründer des ab 1990 entwickelten Diagnose-Systems „Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik“ (OPD).

Zunächst stellte Schmermer das Konzept von Persönlichkeitsanteilen, Persönlichkeitsakzentuierungen und Persönlichkeitsstörungen vor. Sie griff aus den elf Störungsbildern die narzisstische und die Borderline-Störung heraus. Beide  werden unter die Beziehungsstörungen eingeordnet. Das bedeutet, dass die Betroffenen vor allem in Beziehungen Leiden und Beeinträchtigungen erlebten. Professor Schüßler betonte die immer höher werdenden psychischen Anforderungen aufgrund der rasanten gesellschaftlichen Veränderungen. Sie erleichterten in einigen Feldern das menschliche Leben, gleichzeitig erschwerten und bedrängten sie es erheblich. Praktisches Handlungswissen ergänzten die theoretischen Teile.

Ein Gottesdienst zum Thema „Es lebt der Mensch, solange er hofft; es hofft der Mensch, solange er lebt“ mit Prälat Meier bündelte die Tage. Drei Beraterinnen und ein Berater wurden im Anschluss daran aus ihrem Dienst verabschiedet: Christine Frauenschuh-Kling (11 Dienstjahre), Josefine Mader-Schedel (32 Dienstjahre), Elisabeth Krcek (25 Dienstjahre) und Josef Eberle (38 Dienstjahre).