Porträtreihe: „Unsere Dekane“

Bernhard Hesse: „Menschen zu Jesus bringen“

03.05.2019 13:22

(Kempten) „Meine Studienzeit in Jerusalem hat mich sehr geprägt“, blickt der 55-jährige Dekan Bernhard Hesse auf seine theologische Ausbildung zurück. Dort habe er seine Liebe zur Eucharistischen Anbetung entdeckt, die ihn stark präge, fährt der Kemptener Stadtpfarrer fort. Der Theologe ist seit Januar 2018 Leiter der Charismatischen Erneuerung in der Diözese Augsburg und seit September 2015 Leiter der Pfarrei St. Anton in Kempten. Als Nachfolger von Pfarrer Dr. Bernhard Ehler wurde der Geistliche im Januar 2019 von Generalvikar Harald Heinrich in der Klosterkirche St. Anton in sein Amt als Dekan eingeführt.

Dekan Bernhard Hesse (Foto: privat)

Gemeinsam mit einem Bruder und einer Schwester wuchs Hesse in seinem Elternhaus in Gundelfingen auf, besuchte nach dem Realschulabschluss das Spätberufenenseminar in Fockenfeld und trat anschließend ins Priesterseminar der Diözese Augsburg ein. Das „Freijahr“ während seiner Priesterausbildung absolvierte er 1986/87 im Heiligen Land. Der Priesterweihe im Jahr 1990 folgten Kaplansjahre in Augsburg-Haunstetten St. Pius. Anschließend wurde er mit 29 Jahren Pfarrer in Türkheim im Unterallgäu, wo er 22 Jahre lang wirkte. 2015 entschied sich Bernhard Hesse für einen Wechsel, der ihn nach St. Anton in Kempten führte. 

Über das Internet sei er auf das Projekt 24/7 gestoßen, das sich der Ewigen Anbetung widme. So war es möglich, in Türkheim mit einem Helferteam eine 24-Stunden-Anbetung zu verwirklichen. „In diesem Jahr feiert die Anbetung dort schon das 20-jährige Jubiläum“, berichtet der Dekan. Auch im ehemaligen Kapuzinerkloster St. Anton in Kempten besteht inzwischen in der Kapelle der Göttlichen Barmherzigkeit die Möglichkeit der Ewigen Anbetung. Bischof Konrad hat den neugestalteten Gebetsraum im März 2017 geweiht. Die Anbetung sei ihm ein besonderes Anliegen, das er in seiner Funktion als Dekan auch seinen Mitbrüdern nahelege, betont der Dekan. 

„Was führt unsere Pfarreien wieder in die Fruchtbarkeit?“, habe sich Hesse vor einigen Jahren gefragt. Er sei bei der Suche nach einer Antwort auf verschiedene Wege der Neuevangelisierung in Europa und in Nordamerika gestoßen. „Jesus lädt uns ein und sagt: Geht hinaus in die Welt und verkündet das Evangelium“, betont er. Dieser Weg führte Hesse über die Bewegung der „Evangelisations-Pfarrzellen“ zu den Alphakursen, wie sie in St. Anton mit viel Erfolg bereits zum zwanzigsten Mal durchgeführt werden. Dabei hat Hesse über den Tellerrand geschaut und war zu Gast in vielen Gemeinden Europas, beispielsweise an der Côte d’Azur, in Mailand oder in Paris. „Wenn etwas aus dem Geist des Gebetes kommt, dann bewegt sich was“, ist sich der Geistliche über die Erfolge der neuen Wege in der Evangelisierung sicher.

2016 machte sich Hesse auf den Weg nach Kanada, um „Divine Renovation“ von Father James Mallon kennenzulernen. Zwei Jahre später flog er mit 72 Gleichgesinnten dorthin. „Das hat Nachwirkungen gezeigt“, berichtet er. Die Leute seien auf den Geschmack gekommen und führten in ihren Pfarreien das Kennengelernte fort. „Das zu sehen macht mir viel Freude und bewegt mich sehr“, zieht Dekan Hesse Bilanz. Im Kern gehe es schließlich darum, Menschen zu Jesus zu bringen, fährt er fort. 

Als Leiter der Charismatischen Erneuerung in der Diözese Augsburg ist Hesse ein gefragter Referent und Mitorganisator verschiedener Kongresse. So bereitet er derzeit zum Beispiel eine Konferenz zu „Divine Renovation“ in Fulda mit vor oder eine andere in Altötting zur „Ewigen Anbetung“, zu denen im Herbst 2019 jeweils rund 1.000 Menschen erwartet werden.

Kraft für seine umfangreichen Aufgaben schöpft der Dekan im Gebet und in der Anbetung. In seiner christlichen Hausgemeinschaft im ehemaligen Kapuzinerkloster lebt er mit Pater Bruno Heider, dem zweiten Mesner, einem Ehepaar und zwei Studenten zusammen. Jeder hat sein eigenes Apartment, aber es wird gemeinsam gebetet, gegessen und etwas unternommen – wie etwa eine gemeinschaftliche Wallfahrt nach Padua. Bernhard Hesse wandert in seiner Freizeit außerdem gern und unternimmt lange Fußwallfahrten wie beispielsweise die Strecke von Bologna nach Florenz.

Nach seiner Zukunftsvision zur Kirche befragt, meint der Dekan, es werde parallel zum nicht aufhaltbaren „Niedergang“ eine neue Bewegung geben: „Kirche wird sich neuformieren!“ Wenn er auf die Erfahrungen während seiner Kongress-Teilnahmen schaue, sehe er bereits einen solchen Neuaufbruch. „Ich bin sehr optimistisch“, so Hesse. Denn: „Jesus lässt Menschen, die sich für ihn öffnen, seine Liebe spüren!“, schaut er positiv gestimmt in eine lebendige und christusorientierte Zukunft.

Text: Sabine Verspohl-Nitsche
Mai 2019