Priesterweihe im Hohen Dom

Bescheiden bleiben, gelassen sein, die Mitte stärken

Nach der Weihe die drei Neupriester (v.l.) Roland Kiechle, Markus Kraus und Manuel Reichart gemeinsam mit Bischof Bertram. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Augsburg (pba). Die Freude im vollbesetzen Augsburger Dom war mit Händen zu greifen, Applaus brandete am Ende der Weiheliturgie auf: Bischof Dr. Bertram Meier hat an diesem Sonntagnachmittag mit Roland Kiechle aus Wildpoldsried, Markus Kraus aus Friesenried und Manuel Reichart aus Neuburg an der Donau drei Diakone zu Priestern geweiht. In die festliche Stimmung, die eine solche Weihe mit sich bringt, mischte Bischof Bertram neben Dank und Ermutigung allerdings auch nachdenkliche Töne über die aktuelle Situation der Kirche.

„Ein großer Tag für unser Bistum (…) Heute dürfen wir die Sektkorken knallen lassen; heute dürfen wir anstoßen: ein Prosit auf den Herrn Jesus Christus, in dessen Namen ich Sie durch Handauflegung und Gebet weihen darf“, richtete sich Bischof Bertram in seiner Predigt an die Weihekandidaten. Er begrüßte und bedankte sich aber auch bei allen, die die Neupriester auf ihrem bisherigen Weg begleitet haben: die Eltern, Geschwister und Freunde, der Regens des Priesterseminars und sein Team, aber auch ganz besonders die Gemeinden und Pfarreien, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die drei heute diesen festlichen Tag begehen dürfen.

Doch ähnlich wie eine Sektflasche, die noch nicht entkorkt ist, herrsche auch in der Kirche Druck. Seit Jahrzehnten werde der innerkirchliche Reformdruck ausgesessen. Doch gerade diese Zeit lehre uns, dass ein Durchlavieren, Jonglieren und ein „wir schaukeln die Kirche“ nicht zielführend sei, so der Bischof. An die drei Weihkandidaten gerichtet sagte er: „Sie werden hineingeweiht in eine Kirche unter Druck. Doch keine Angst: Auch diese Zeit ist Gottes Zeit. Sie lädt uns ein, neue Wege zu suchen, um Jesus und sein Evangelium den Menschen anzubieten“. Und dies trotz der Vielzahl an Menschen, die der Kirche den Rücken kehren oder sich innerlich von ihr verabschieden, aber auch trotz gescheiterter Programme, Pastoralkonzepte und Marketing-Strategie. „Doch Lamentieren über die schlechte Lage ist kein guter Ratgeber. Schuldzuweisungen bringen nicht voran.“

Und auch wenn die Bereitschaft zur Nachfolge Jesu heutzutage nur noch sehr selten so spontan ablaufe wie damals am See von Galiläa, als die Fischer ihre Boote und Netze zurückließen und dem Ruf des Herrn („Ich werde euch zu Menschenfischern machen“) folgten, bleibe für den Bischof einzig der Blick auf den Anfang. Das gelte nicht nur für den Beginn eines neuen Tages, sondern auch für jeden neuen Lebensabschnitt. „In der Frische des Anfangs wird das Spätere oft schon vorweggenommen. Das gilt auch für den Anfang des Reiches Gottes.“ Jesus von Nazareth breche in das Leben von Menschen ein, die in ihren eingefahrenen Gleisen lebten. Wenn Jesus ruft, weiß der Berufene nicht im Voraus, was ihn da alles erwartet. „Es bleibt nicht bei einem Arbeitsverhältnis, es geht um eine Lebensgemeinschaft. Jesus will nicht, dass wir bei ihm jobben, sondern mit ihm leben.“, führte Bischof Bertram den Weihekandidaten den tieferen Sinn ihrer Berufung vor Augen.

Es reiche nicht aus, im Schatten Jesu zu gehen, sondern der Ruf in die Nachfolge sei unweigerlich verknüpft mit dem Auftrag Menschen zu fischen. Ein Auftrag, der auch den Bischof nachdenklich werden lässt und dazu anregt, das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen: „Wonach fischen wir eigentlich? Woran liegt es, dass Leute zu fliehen scheinen, während wir unsere Netze auswerfen? Sind unsere Netze zu engmaschig gestrickt? Haben die Menschen vielleicht Angst, ihre Freiheit könnte sich in den Maschen unserer Netze verfangen? Können, dürfen wir überhaupt noch werben für Berufe der Kirche?“ Menschenfischer zu sein bedeutet für Bischof Bertram, jede einzelne Person mit ihrer unverwechselbaren Geschichte in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen, ihre Freiheit zu achten sowie sie aus dem trüben Wasser der Welt in das Wasser des Lebens umzubetten.

Als Hilfestellung auf diesem Weg bietet der Bischof den drei Weihekandidaten drei Tipps an: Bescheiden bleiben, gelassen sein und die Mitte stärken. Mit dieser Mitte meinte er allerdings weniger eine politische Richtung als vielmehr eine Person, nämlich Jesus Christus. „Sucht eure Mitte, bewahrt die Mitte und baut in den Gemeinden die Mitte auf: Jesus Christus. Das ist der einzige Weg, wenn ihr der Einheit dienen wollt.“ Die Kirche gleiche dabei einem Schiff, so Bischof Bertram, der in der Krümme seines Stabs heute ein solches mit sich trug. „Sie ist weder Kriegsschiff noch Kaffeedampfer. Sie ist Rettungsboot für möglichst viele, die gestrandet sind im Leben, die den richtigen Kurs suchen, die ans Ziel kommen wollen.“ Es sei schön, dass wir heute drei neue Mitglieder unserer Mannschaft an Deck nehmen können, schloss der Bischof seine Predigt.

Auf die Weihehandlung durch Handauflegung und Gebet folgten dann Riten, die das Geschehen und den Auftrag der Priester ausdeuten: Die jungen Männer wurden mit Stola und Messgewand bekleidet und bekamen durch den Bischof die Hände gesalbt und Hostienschale und Kelch zur Feier der Eucharistie überreicht. Zuvor traten sie einzeln vor und versprachen ihre Bereitschaft zum Dienst in der Kirche und in Einheit mit dem Bischof. Am Schluss der Heiligen Messe spendeten die Neugeweihten ihren ersten priesterlichen Segen, den traditionellen Primizsegen, um den der Bischof sie stellvertretend für die Festgäste bat.

Musikalisch gestaltet wurde die Weiheliturgie vom Domchor unter der Leitung von Domkantor Dr. Julian Müller-Henneberg von einem Bläserensemble der Dommusik und Domorganistin Claudia Waßner.

 

Roland Kiechle (36)

Heimatpfarrei: St. Georg, Wildpoldsried

Schulbildung/Abitur: Allgäu-Gymnasium Kempten

Frühere Berufstätigkeit: Mathematiker/Softwareentwickler

Studium: Kath. Theologie in Augsburg und Rom

Pastorales Praktikum: PG Nördlingen

Primiz: Sonntag, 3. Juli, 10 Uhr im Dorfpark, Wildpoldsried

Nachprimiz: Sonntag, 10. Juli, 10:30 Uhr, in St. Salvator, Nördlingen

Primizspruch: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,27)

 

Sie haben früher bereits als Softwareentwickler gearbeitet. Warum haben Sie sich dann plötzlich dafür entschieden, Priester zu werden?

Das war irgendwie eine komische Zeit damals. Ich hatte einen super Job, der mir Spaß machte. Trotzdem ließ mich die Überlegung, vielleicht doch Priester zu werden, nicht los. Es folgte ein herausfordernder und auch anstrengender Weg, als ich mich noch einmal intensiv mit dieser Frage auseinandersetzte. Am Schluss habe ich mich einfach mit vollem Risiko entschieden, ins kalte Wasser zu springen. Gott sei Dank hatte ich – mit Seiner Hilfe – den Mut dazu! Denn ich habe es bis heute keine Sekunde bereut.

Im Pastoralpraktikum haben Sie ihre ersten Gehversuche in der Pfarrei gemacht. Worauf möchten Sie in der Seelsorge künftig besonderen Wert legen?

Ich finde es spannend, einerseits ganz für Gott und aus der Beziehung zu ihm heraus zu leben und andererseits zu hundert Prozent für die Menschen da zu sein – in all dem, was sie bewegt. Konkret möchte ich so leben, dass die Menschen erkennen und erfahren dürfen, dass sie von Gott bedingungslos geliebt sind.

Ihr Primizspruch aus dem Matthäusevangelium lautet: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Was verbinden Sie mit dieser Textstelle?

Die Stelle hat mir in der Zeit meiner Berufungsentscheidung extrem geholfen. Jesus kommt übers Wasser auf Petrus zu und fordert ihn auf, ihm entgegenzugehen. Solange dieser auf Jesus schaut, schafft er es sogar, wie Jesus auf dem Wasser zu gehen. Erst als Petrus die Wellen um sich herum bemerkt, geht er unter. Wenn ich den Fokus auf Jesus richte und nicht so sehr auf die Wellen in meinem Leben, dann bin ich überzeugt, dass er mich nicht untergehen lässt – das habe ich wirklich konkret erfahren!

Worauf hoffen Sie, wenn Sie an die Kirche im Jahr 2030 denken?

Dass es uns gelingt, den Kern des Evangeliums wieder ins Zentrum zu rücken: Die Auferstehung Jesu, unsere Erlösung, sein Eintreten für uns! Und dass wir genau das voller Freude und innerer Überzeugung verkünden, so dass Menschen von dieser Botschaft angezogen werden.

 

 

Markus Kraus (34)

Heimatpfarrei: St. Joseph, Friesenried (PG Eggenthal)

Schulbildung/Abitur: Kolleg St. Matthias, Wolfratshausen-Waldram

Frühere Berufstätigkeit: Lagerlogistiker

Studium: Kath. Theologie in Augsburg und Salzburg

Pastorales Praktikum: Pfarrei St. Lorenz, Kempten

Primiz: Samstag, 2. Juli, 10 Uhr auf dem Sportgelände in Friesenried

Nachprimiz: Sonntag, 17. Juli, 10 Uhr in der Basilika St. Lorenz, Kempten

Primizspruch: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16).

 

Sie haben bereits als Lagerlogistiker gearbeitet. Was war für Sie der Impuls, Priester zu werden?

Bei mir war es kein bestimmtes Ereignis, sondern es war vielmehr ein Prozess, der mich dazu gebracht hat, Priester zu werden. Nach meiner dreijährigen Ausbildung habe ich weitere drei Jahre gearbeitet. In diesem Zeitraum sind bei mir Fragen aufgetreten: War es das jetzt? Gibt es denn nicht mehr, wofür es sich zu leben lohnt? Gibt es nicht noch etwas Wichtigeres wie Geld? Mithilfe meines geistlichen Begleiters wurden mir die Antworten auf die Fragen immer mehr bewusst: dass Gott mich in seinen Dienst ruft. So entschloss ich mich, diesem Ruf nachzugehen und Priester zu werden.

Im Pastoralpraktikum haben Sie ihre ersten Gehversuche in der Pfarrei gemacht. Worauf möchten Sie in der Seelsorge künftig besonderen Wert legen?

In meiner Zeit in Kempten habe ich verschiedene Eindrücke gewinnen können. In der Seelsorge möchte ich künftig besonders auf Folgendes achten: Zum einen versuche ich trotz vieler Termine und Aufgaben Zeit für die Menschen zu haben. Ihnen das Gefühl und die Erfahrung zu schenken: „Hey, da nimmt sich einer Zeit für einen! Der nimmt mich ernst!“ Ich möchte dazu beitragen, dass die Menschen ihre Beziehung zu Jesus vertiefen oder neu entdecken bzw. neu beginnen.

Ihr Primizspruch aus dem Johannesevangelium lautet: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16). Warum haben Sie sich für diese Bibelstelle entschieden?

Dies hat zwei Gründe. Für mich ist dieser Vers die Zusammenfassung von allem, um was es in der Bibel geht: Die grenzenlose Liebe Gottes zu uns Menschen. Diese Liebe gipfelt in der Hingabe Jesu am Kreuz. Am Altar darf ich als Priester die hingebende Liebe Gottes für die Gemeinde feiern und bezeugen. Hier knüpft der zweite Grund an. Über dem Altar meiner Heimatkirche steht genau dieser Vers. Es ist der Ort, an dem ich getauft wurde, zur Erstkommunion ging, ministrierte und an dem meine Berufung gewachsen und gereift ist. Somit ist mein priesterliches Wirken eng verbunden mit meiner Heimat.

Wenn Sie an die Kirche im Jahr 2030 denken, wovon träumen Sie?

Ich träume von einer einladenden Kirche. Jeder findet in ihr seine Antworten auf die Fragen, die ihn/sie beschäftigt und bewegt. Auch träume ich davon, dass die christlichen Konfessionen enger zusammenstehen und sich gemeinsam für die Botschaft Jesu einsetzen. So wird immer mehr die Einheit aller Christen sichtbar werden.

 

Manuel Reichart (26)

Heimatpfarrei: St. Peter, Neuburg

Schulbildung/Abitur: Gabrieli-Gymnasium Eichstätt

Studium: Kath. Theologie in Augsburg und Rom

Pastorales Praktikum: PG Peißenberg/Forst

Primiz: Sonntag, 3. Juli, 10 Uhr auf dem Karlsplatz in Neuburg an der Donau

Nachprimiz: Sonntag, 10. Juli, 10 Uhr in Peißenberg

Primizspruch: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe“ (Joh 21,17)

 

Sie hatten das Abitur in der Tasche und sich dazu entschieden, ins Priesterseminar einzutreten. Lange geplant oder spontane Entscheidung?

Ich würde sagen, dass für mich beides zutrifft. Einerseits war es ein Kindheitswunsch, später einmal Priester zu werden. Als kleiner Junge war ich fasziniert von der Kirche, von meinem damaligen Heimatpfarrer und davon, was in einem Gottesdienst geschieht. Andererseits wollte ich als Jugendlicher dann zunächst Musik studieren und einen anderen Weg gehen. Doch durch einen Schicksalsschlag in meinem Leben haben sich mir viele Fragen aufgedrängt. Der Gedanke vom Kindheitstraum, Priester zu werden, kam wieder zurück. So habe ich mich dann entschieden, den Weg ins Seminar zu gehen.

Im Pastoralpraktikum haben Sie ihre ersten Gehversuche in der Pfarrei gemacht. Worauf möchten Sie in der Seelsorge künftig besonderen Wert legen?

Nachdem ich selbst noch recht jung bin, möchte ich mich in meiner künftigen Stelle vor allem den Jugendlichen widmen. Angefangen bei den Ministranten, Schülern bis hin zu den Firmlingen - vielleicht gelingt es mir, auch der Kirche Fernstehende zu erreichen. Unsere Jugendlichen sind die Zukunft und daher möchte ich mit echtem Interesse und offenen Augen und Ohren auf genau diese Gruppe zugehen, damit Kirche lebendig bleibt.

Ihr Primizspruch stammt aus dem Johannesevangelium und lautet: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“ Was bedeutet dieser Satz des Petrus für Sie?

Dieser Satz ist für mich das ehrlichste Bekenntnis des Petrus, das in der Bibel steht. Nach allem was er sich vorgenommen hat und teilweise auch gescheitert ist, steht er vor Jesus mit leeren Händen. In diesem Moment spricht er diesen Satz aus. Und genau darauf kommt es an: Jesus zu lieben und ihm immer wieder zu sagen: Du kennst mich, nicht alles gelingt und läuft immer rund, aber meine Liebe kann und will ich dir geben. Und als Antwort erhält Petrus darauf den Auftrag die Herde Christi zu weiden. Das macht mir persönlich Mut und bestärkt mich in meinem Dienst.

Worauf hoffen Sie, wenn Sie an die Kirche im Jahr 2030 denken?

Ich hoffe, dass die Kirche dann ganz vielen Menschen wieder eine Heimat bieten kann, in der sie sich wohl fühlen und einen Ort für Gottesbegegnung in ihr sehen. Dass Kirche im Jahr 2030 lebendig und überzeugend ist und vor allem die Botschaft Jesu im Mittelpunkt steht.