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Renovabis-Pfingstaktion

Beziehungsgeschichten

„Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“ – schon dieser Satz aus dem Matthäus-Evangelium macht klar: Christ zu sein lebt in der Beziehung zu anderen. Die Überlegung, dass „Beziehung“ auch ein Grundprinzip in der Physik und damit überhaupt in der Welt sein kann, stand am Freitagabend im Mittelpunkt einer kurzweiligen Veranstaltung des Akademischen Forums der Diözese Augsburg, die Teil der bundesweiten Eröffnung der Renovabis-Pfingstaktion 2026 in Augsburg war.

DIskutierten angeregt (v.r.:) Harald Lesch, Kardinal László Német, Eva Maria Welskop-Deffaa und Moderator Daniel Wirsching (Foto: Ulrich Bobinger/pba).

„Was die Welt zusammenhält“, diese Frage stand im Mittelpunkt dieses Abends, der mit einem Vortrag des Astrophysikers Prof. Dr. Harald Lesch begann. Der 65-jährige, der schon vor Jahren sagte, er sei davon überzeugt, dass die Welt mehr sein müsse als Messbares, baute höchst unterhaltsam eine Brücke zwischen Glaube und Naturwissenschaft. Angesichts der galoppierenden Erderwärmung warnte Lesch: „Wir müssen unser Handeln überdenken. Die Wissenschaft sagt uns eigentlich, was wir tun sollten. Das Blöde ist, dass wir Menschen nicht immer genug hinhören. Aber die Religion kann uns wichtige Orientierung geben.“

„Das Thema ist Zusammenhalt“, leitete der Journalist Daniel Wirsching die anschließende Podiumsdiskussion mit Harald Lesch, dem Belgrader Kardinal Dr. László Német und der Präsidentin des deutschen Caritas-Verbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, ein. Diese richtete ihre Hoffnung auf die in Kürze erwartete erste Enzyklika von Papst Leo XIV.: „Wir sind an einer Zäsur, wo durch die Künstliche Intelligenz die Frage gestellt wird: Welche Schutzmechanismen brauchen wir, um den Zusammenhalt und die Lebenswürde der Menschen zu sichern? Ich bin sehr neugierig auf diese Enzyklika.“

Zustimmung erhielt sie von Harald Lesch: „KI fängt an, über alle Grenzen zu gehen, die wir uns überhaupt nur vorstellen können. Es ist ganz wichtig, dass der Papst darauf hinweist, dass wir Menschen immer noch Menschen sind. Denn was bedeutet es denn, wenn Forschungsergebnisse nicht mehr von Menschen veröffentlicht werden, sondern von Algorithmen? Algorithmen sind nur sprechende Papageien. Ich kann nur davor warnen, dass wir Menschen beginnen, unsere kognitiven Fähigkeiten an die KI auszulagern.“

Miteinander wieder mehr ins Gespräch zu kommen, dass dies höchst notwendig ist, um Zusammenhalt zu stärken, darüber bestand Einigkeit in der Runde. „Zusammenhalt entsteht aus Beziehungen“, sagte Kardinal Német, der auch stellvertretender Vorsitzender des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen ist, im Hinblick auf die Verwundungen, die Menschen anderen Menschen zufügen und die gerade auch in seiner jugoslawischen Heimat noch immer spürbar sind.

Hier sei die Religion eine wichtige Stütze: „Am Anfang war Gott – alles was besteht, alles was geschaffen worden ist, kommt von Gott. Aber Gott ist keine Einzelperson, sondern eine Gemeinschaft – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie leben in Beziehung. Deshalb sind wir Menschen, die von Gott geschaffen wurden, auch: Beziehung. Gott ist der Ursprung aller Beziehungen.“

Pfarrer Prof. Dr. Thomas Schwartz, Hauptgeschäftsführer von Renovabis, dankte den Diskutierenden und nannte in seinem Resümee Zusammenhalt als „Fundament christlicher Existenz“, und: „Wenn wir die Fähigkeit verlieren, das Gegenüber als jemanden anzunehmen, der uns angeht, dann verlieren wir uns selber. Diesen Gedanken tragen wir bei Renovabis in unserer täglichen Arbeit. Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen – vor allem Brücken zwischen Menschen.“

Die mehr als 350 Gäste im Haus Sankt Ulrich dankte mit langanhaltendem Applaus. Der Zusammenhalt zwischen den Menschen, der so wichtig ist für die Gesellschaft, an diesem Abend war er besonders stark zu spüren.