Pfarreien im Bistum

"Bibelteilen unterwegs"

25.10.2020 14:08

In einem Pontifikalamt hat Bischof Bertram heute die erfolgte Generalsanierung der Kirche zum Auferstandenen Herrn in Leitershofen gefeiert. Die Kirche, die zudem heuer den 50. Weihetag feiert, war seit Februar nicht mehr benutzbar gewesen. In seiner Predigt bezog sich der Bischof auf den Emmausweg der Jünger Christi.

„Wieder ist Gott reisefertig“, zitierte Bischof Bertram die jüdische Dichterin Nelly Sachs zu Beginn seiner Predigt. Dieser Satz habe ihm lange zu denken gegeben: „Darf man überhaupt so von Gott reden – einem Gott in Bewegung? Hat man uns nicht das Gegenteil gelehrt: Gott als das stabile Fundament, den souverän Thronenden, auch wenn alles um ihn bebt?“ Tatsächlich sei aber genau dies bei der Emmaus-Geschichte der Fall gewesen.

In Gedanken ging Bischof Bertram den Weg der beiden Jünger nach der Kreuzigung mit. Sie seien wahrscheinlich zutiefst enttäuscht gewesen: „Weggehen, einfach abhauen, anderswo sein - nur nicht da, wo sich das Herz vergebens verschwendet hat: Das kennen auch wir, wenn zwei Menschen einander sitzen lassen, wenn uns der Partner belügt und betrügt, wenn wir unablässig beten und uns anscheinend doch keiner hört“, so der Bischof. Die Krankenhausseelsorgerin Ingrid Weber-Gast habe diese Erfahrung einer „Gottesfinsternis“ eindrücklich beschrieben: „Nicht der Glaube trug mich, sondern ich musste auch noch den Glauben tragen.“

Erst die Begegnung mit einem Fremden habe die Stimmung der Jünger geändert. Als er sie nach Jesus gefragt und mit ihnen über „das Rätsel des Messias“ gesprochen habe, werde den beiden „der gebeugte Rücken gehoben, ihr Herz schlägt einen anderen Takt“, sagte der Bischof. Diesen Effekt des „Bibelteilens unterwegs“ wünschte er auch der Leitershofer Gemeinde: „Hören wir wirklich wohlwollend auf den anderen - auch auf das, was er oder sie nicht mehr in Worte bringen kann? Oder gehen wir im Grunde allein des Weges in Selbstgesprächen? Hören wir auf den Fremden, der reisefertig ist und sich uns zugesellen will?“

Bischof Bertram bei der Predigt in Leitershofen (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Zudem liege in der gemeinsamen Besinnung auf die Heilige Schrift auch eine große Chance für die Ökumene: „Ich stelle mir vor, dass evangelische und katholische Gemeinde wie die Jünger damals miteinander nach Emmaus unterwegs sind.“ Als Kind eines konfessionsverbindenden Ehepaares habe er selber erfahren dürfen, wie die Liebe und der gemeinsame Weg stärker gewesen sei als alle konfessionelle Trennungen, sagte der Bischof.

Die Emmaus-Geschichte ende mit dem gemeinsamen Abendmahl; erst da hätten die Jünger in dem fremden Begleiter den auferstandenen Herrn erkannt, betonte Bischof Bertram: „Überall da, wo der Tisch bereitet ist, den er gestiftet hat; überall, wo zwei oder drei in seinem Namen sich versammeln und im geschwisterlichen Mahl der Liebe das Brot gebrochen wird, da beginnen die Augen des Glaubens sich zu öffnen“. Die Erfahrung des auferstandenen Herrn als Begleiter mitten im Alltag sei auch für die Architektur der grundlegend neu gestalteten Kirche ausschlaggebend gewesen, sagte er abschließend und deutete den Umbau als geistlichen Impuls: „Ja, sakral und profan, geistlich und weltlich, Klerus und Laien verbinden sich. Gemeinsam sind wir stark!“

Die Kirche „Zum Auferstandenen Herrn“ in der Pfarrei St. Oswald-Leitershofen (PG Stadtbergen) wurde am 3. Mai 1970 vom damaligen Bischof Dr. Josef Stimpfle geweiht, nachdem die alte Pfarrkirche St. Oswald für die Bedürfnisse der wachsenden Gemeinde zu klein geworden war. In einem umfangreichen und aufwändigen Prozess wurde seit Februar 2020 der Innenraum grundlegend saniert und renoviert. Die Kosten dafür beliefen sich auf 750.000 Euro, wovon die Hälfte von der Diözese übernommen wurde.

Die Kirche "Zum Auferstandenen Herrn" in Leitershofen
Bischof Bertram spendet den Segen
Nach der Messe trug sich Bischof Bertram in das Goldene Buch der Gemeinde Stadtbergen ein