Soziales

Nach Brandkatastrophe: Bischof Bertram weiht Caritas-Zentrum unter neuem Namen ein

22.07.2020 09:43

Augsburg (pca). Unvergessen ist den Augsburgern die riesengroße Feuersäule, die in der Nacht vom 8. auf 9. Juli 2018 das Caritas-Zentrum in der Augsburger Depotstraße in Schutt und Asche legte. Bandstiftung war die Ursache. Fassungslosigkeit, Entsetzen und Traurigkeit prägten damals die Stimmung in der Caritas. Auch wenn das Warum bis heute letztlich nicht geklärt ist, eine damals 94-jährige Frau machte Dr. Walter Semsch, dem Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg e. V., Mut und habe, so erinnerte sich der Geschäftsführer, ein unerschütterliches Hoffnungszeichen gesetzt. Die Frau habe ihm 20 Euro in die Hand gedrückt und gesagt: „Bauen Sie es wieder auf!“

Bischof Dr. Bertram Meier überreicht Caritas-Geschäftsführer Dr. Walter Semsch ein Herz als Symbol für die Arbeit der Caritas. (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Heute steht das Zentrum mit seinen Angeboten für Menschen in schwierigen Lebenslange, mit dem Café Werthmann und seinen Mittagstisch, seiner Näherei, den Gebrauchtbücherverkauf und den buntem Angebot an Kleinwaren nahezu baugleich an derselben Stelle. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist das Zentrum wieder eröffnet. Bischof Bertram weihte es nun offiziell etwas mehr als zwei Jahre nach der Brandkatastrophe ein. Letztlich, so der Bischof, habe das Feuer der Zerstörung nicht gesiegt, es sei erloschen. „Hier soll das Feuer der Liebe, das Feuer der Caritas weiterbrennen“, sagte er in seiner Ansprache im Rahmen des Wortgottesdienstes. Gäste aus der Bistumsleitung, der Barmherzigen Schwestern, der Maria Stern-Schwestern und der Caritas nahmen an der Feier auf dem Innenhof des Zentrums teil. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Bläserquartett Geirhos aus Bobingen und der Hausband des Augsburger Stadt-Caritasverbandes mit dessen Geschäftsführer Dr. Semsch an der Gitarre.
 

Das Zentrum heißt nunmehr nicht mehr schlicht Caritas-Zentrum, sondern „Papst-Franziskus-Zentrum der Caritas Augsburg“. Bischof Dr. Meier ist sich sicher, dass Papst Franziskus sich über diese Namensgebung freuen werde. Denn das Zentrum der Caritas fülle das mit Leben, was der Papst wiederholt als den Weg der Kirche bezeichnet habe. „Dort, wo die Menschen am Rande sind, da ist die Mitte“. Das „Papst-Franziskus-Zentrum“ sei für ihn als Bischof eine „echte Anlaufstelle“ für Menschen in Not und schwierigen Lebenslagen. Doch nicht der derzeitige Papst wünsche sich die besondere Zuwendung der Kirche zu den Menschen am Rande. Alfred Delp, Jesuitenpater und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten, habe bereits 1944 in seiner Todeszelle niedergeschrieben, dass die Zukunft der Kirche in der „Rückkehr zur Diakonie“ liege, die sich von der Not der Menschen leiten lasse.
 
Dass dieser Weg nicht erst jetzt als der Weg der Kirche entsteht, sondern in der Vergangenheit – insbesondere nach der Brandkatastrophe – schon von der Kirche von Augsburg beschritten worden war, darauf verwies Pfarrer Karl Mair, der Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg e. V. „Niemand hätte damals nach der Brandkatastrophe geglaubt, dass wir wieder alles so aufbauen können. Doch die Kirche von Augsburg habe bewiesen, dass sie zu Ihrer Caritas steht.“ Der frühere Bischof Dr. Konrad Zdarsa habe unmittelbar nach der Zerstörung, ohne lang zu überlegen, die Hilfe und die Unterstützung der Diözese zugesichert. „Wir dürfen die Caritas nicht hängen lassen“, habe Bischof Konrad zu seinem damaligen und auch heutigen Generalvikar Harald Heinrich gesagt, wie Dr. Walter Semsch, Geschäftsführer des Augsburger Stadt- und Landkreis-Caritasverbandes erinnerte. Für Pfarrer Mair waren diese Zusicherungen die Voraussetzungen dafür, dass entgegen aller anfänglichen Zweifel mit dem neu erstandenen Zentrum der Ort wieder erstehen konnte, „wo die Menschen sich angenommen, aufgenommen und mit ihren Sorgen wahrgenommen wissen dürfen“.
 

Wie sehr das Caritas-Zentrum in der Depotstraße von den Menschen in Augsburg geschätzt worden war, wie wichtig die dort geleisteten Hilfen für Menschen in schwierigen Lebenslagen war, das habe sich nach der Brandkatastrophe sehr schnell gezeigt, so Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg in seiner Grußansprache. Aus dem Gefühl der Traurigkeit sei ein Zeichen der Hoffnung insbesondere durch die vielen Zeichen der Solidarität durch einzelne Personen, aber auch durch die Kirche und die öffentliche Hand geworden. Auch wenn Schwierigkeiten während der letztlich nur kurzen Bauzeit von acht Monaten aufgetreten seien, so sei doch, so der Caritasdirektor „in Windeseile“ ein „Haus für eine Mitte für die Menschen entstanden, die nicht in der Mitte der Gesellschaft stehen“.
 
Die Feierstunde war für den Augsburger Stadt- und Landkreisverband auch Anlass dafür, auf die letzten 30 Jahre zurückzublicken. Pfarrer Mair als Vorstandsvorsitzender, Hans-Peter Dangl, Karl-Heinz Seidenspinner, beide Vorstandsmitglieder, Dr. Walter Semsch, Geschäftsführer des Verbandes, sowie Gabriela Hoffmann als seine Stellvertretung haben diese drei Jahrzehnte geprägt. Dr. Semsch selbst erinnerte an die gute und ertragreiche Arbeit. Er schenkte deshalb Pfarrer Mair einen kleinen geschnitzten Altar mit der Figur des von Pfarrer Mair so verehrten heiligen Franziskus. Seidenspinner erhielt als Zeichen des Dankes eine Schnitzfigur der Schutzpatronin der Caritas, der heiligen Elisabeth, weil er stets ein besonderes Mitgefühl für die Menschen in Not wie auch die Mitarbeitenden und ein besonderes Engagement für den Hospizgedanken gezeigt habe. Dangl („Mister Zuverlässig“, so Dr. Semsch) empfing eine Figur des Heiligen Benedikt, weil dieser die besondere Bedeutung der Arbeit hervorgehoben habe.
 

Wie sehr sich der Verband vergrößert hatte, darauf verwies die stellvertretende Geschäftsführerin Hoffmann in ihren Dankesworten an Dr. Semsch. 380 Quadratmeter hätte der Verband 1990 zur Verfügung gehabt. 7.500 Quadratmeter sind es heute. Die Zahlen stünden, so Hoffmann, nicht nur für die Schaffenskraft von Dr. Semsch („ein Matador mit unglaublicher Geduld und Ausdauer“, so Pfarrer Mair), sondern auch dafür, wie gut der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Augsburg auf die sich ändernden gesellschaftlichen Herausforderungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen reagiert habe. Die Mitarbeitenden des Verbandes danken es ihm, dem Klassik-Liebhaber, mit einer Einladung zu einem Klassik-Konzert in München. Pfarrer Mair ließ es sich dabei nicht nehmen, Hoffmann selbst u würdigen. Sie sei ihm und dem Vorstand in den 28 Jahren der Zusammenarbeit „eine große Sicherheit und dadurch Entlastung in allen finanziellen Fragen gewesen und damit auch eine wohltuende Beruhigung bei allen Vorhaben.“