Universität Augsburg

20.05.2015 14:10

Augsburg (pba). Bei seinem gestrigen Besuch in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Augsburg hat Bischof Dr. Konrad Zdarsa die Studentinnen und Studenten daran erinnert, dass alles wirkliche Christsein mit Gehorsam und Ehrfurcht zu tun hat. Dabei gehe es nicht nur um die Bereitschaft, über sich verfügen zu lassen, sondern um die Aufgabe, die jeder im Reich Gottes, in seinem besonderen Dienst, hat, betonte Bischof Konrad beim Gottesdienst in der Kapelle des Edith-Stein-Hauses. Solche Ehrfurcht vor der eigenen Berufung führe dann zur Christusmystik, so der Bischof. „Der Christ der Zukunft wird einer sein, der etwas erfahren hat, der mit Gott lebt, an den er glaubt.“

Foto: pba/Nicolas Schnall

Und schon war die Brücke zum Thema des Abends geschlagen, das Studentenpfarrer Dr. Thomas Groll nach dem Gottesdienst einführte. Denn die Studenten waren auch gekommen, um den Bischof als ehemaligen Pfarrer von Freital bei Dresden zu hören und mit ihm ins Gespräch zu kommen, wie er damals den Fall der Berliner Mauer vor etwa 25 Jahren erlebte. Die Gewaltlosigkeit, die seinerzeit aus den Kirchen kam, sei Ausfluss dieser Christusmystik gewesen, betonte Bischof Konrad den großen Einfluss der christlichen Kirchen auf die friedliche Wende von 1989/90. Die Machthaber hätten damals selbst festgestellt, dass sie auf alles vorbereitet gewesen wären, nur eben nicht auf Kerzen und Gebete.

Bischof Konrad schilderte an diesem Abend seine ganz persönliche Sichtweise auf das nicht immer einfache und konfliktfreie Leben im Osten Deutschlands vor dem Mauerfall. Er tat dies aber auch auf dem Hintergrund seiner Biografie als „ständig in der DDR lebender Ausländer mit österreichischem Pass“. Einerseits privilegiert, da er die Reisefreiheit hatte, die anderen DDR-Bürgern verwehrt blieb, andererseits gegängelt, da ihm als praktizierender Katholik die Hochschulreife nur über Umwege ermöglicht wurde. Trotz allem möchte er die Zeit seiner Ausbildung zum Dreher nicht missen. „Ich wäre heute nicht der Mensch, der ich bin, wenn ich das nicht alles erlebt hätte“, unterstrich er.

"Machtvolle Montagsdemonstrationen"

Im Rückblick stellte der Bischof nüchtern fest, dass für ihn der Zusammenbruch der DDR „eher geschichtliche Konsequenz als langersehntes Ereignis“ gewesen sei. Als er in den Jahren vor der Wende zu den Jugendlichen seiner Pfarrei sagte, „ihr werdet noch einmal die Welt bereisen“, tat er dies auch – und gerade wegen – seines Wissens aus dem sozialistischen Geschichtsunterricht. Denn da hieß es seinerzeit, dass alle wirtschaftlichen Entwicklungen die politischen nachziehe und dass das Rad der Geschichte sich nicht zurückdrehen lasse, so Bischof Konrad. „Und als die Leute dann auch noch die Angst verloren hatten, konnte das Regime ihr System nicht mehr so durchdrücken.“ Die Ursachen für den Fall der Mauer seien zwar sehr vielfältig gewesen, aber speziell die „machtvollen Montagsdemonstrationen“ hätten sie mit zum Einsturz gebracht.

Aber auch der Humor spielte laut Bischof Konrad neben der wirtschaftlichen Situation vor und beim Untergang der DDR eine ganz besondere Rolle. So habe auch der Versprecher von SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski ins Bild gepasst, als dieser die neuen Reisegesetze „unverzüglich“ in Kraft setzte. Bis heute sei das Wort „unverzüglich“ bei Terminabsprachen im Bischofshaus immer wieder für den einen oder anderen Lacher gut. Aber auch schwarzer Humor scheint in der DDR durchaus üblich gewesen zu sein. Die Studenten stutzten kurz, als der Bischof meinte: „Machen wir uns nichts vor, wir haben als Kirche auch von der Berliner Mauer profitiert“. Um im nächsten Atemzug zu sagen: „Unser Kantor in der Pfarrei konnte nicht einfach so sagen, er sei über Ostern auf Mallorca“.

Mehr Fotos vom gestrigen Abend finden Sie in einer Bildergalerie auf den Facebook-Seiten des Bistums.