05.11.2012 15:27

Augsburg (pba). Freundschaftliche Beziehungen auffrischen und neu knüpfen: Bischof Konrad Zdarsa ist letzte Woche für einige Tage nach Tschechien gereist, um Projektpartner zu besuchen und das Leben der katholischen Kirche in diesem Land, das von starken Umbrüchen geprägt ist, kennenzulernen.

Vor dem Portal der bischöflichen Residenz von Königgrätz: Prälat Bertram Meier, Bischof Jan Vokal, Bischof Konrad Zdarsa, Generalvikar Josef Socha und Pastoralamtsleiter Karel Moravec (von links).

Begleitet wurde Bischof Zdarsa vom Weltkirchenreferenten des Bistums, Prälat Bertram Meier, der sich freute, auf der ersten Station in Königgrätz einen ehemaligen Kollegen aus dem Vatikanischen Staatssekretariat wiederzusehen: Bischof Jan Vokal – erst seit eineinhalb Jahren aus Rom zurückgekehrt, führte er die Augsburger Besucher durch seine Kathedrale. Nach einer Eucharistiefeier mit Studenten kam es zu einer herzlichen Begegnung der jungen Menschen mit Bischof Zdarsa, der über seinen Lebens- und Berufungsweg erzählte.

Besonders interessierten sich die Studenten für die Laienarbeit in Deutschland. Bischof Zdarsa drückte seine Wertschätzung für die vielen ehrenamtlichen Frauen und Männer aus, die sich in den Gemeinden engagieren und den Pfarrer entlasten. Besonders stellte er den Weltauftrag der Laien heraus und bezog sich dabei auf das Zweite Vatikanische Konzil: "Nicht so sehr der Altar, sondern die Welt ist das vorrangige Handlungsfeld der Laien."

Auch Begegnungen mit Schülern und Lehrern einer Grundschule und eines Gymnasiums standen auf dem Programm. Das christliche Menschenbild auch ungetauften Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, gehört zum Profil der katholischen Schulen in Königgrätz.

Eine weitere Etappe der Reise war Leitmeritz. Bischof Jan Baxant nahm die Gäste aus Augsburg in seiner Residenz auf und dankte für die finanziellen Hilfen. Er berichtete von den schweren Zeiten, in denen Bischöfe, Priester und Gläubige während des Nationalsozialismus und Kommunismus standhaft blieben, auch wenn es mit Opfern verbunden war. Bischof Baxant zeigte die Räume seines Ordinariates, zu dessen Renovierung auch die Diözese Augsburg beigetragen hat. Beeindruckt zeigten sich die Besucher von der dortigen Bistumsverwaltung, die nur aus 40 Personen besteht.

Weltkirche: wechselseitiges Geben und Nehmen

In seinem geistlichen Wort, das Bischof Zdarsa am Ende eines festlichen Gottesdienst am Allerheiligentag an die zahlreichen Gläubigen richtete, stellte der Augsburger Oberhirte fest: "Es gibt hier so viele äußere Zeichen, die dafür sprechen, dass das innere Leben in Kirche und Staat nach der Wende gewachsen ist: renovierte Gebäude, Kirchen, Kindergärten und Schulen. Mit unserer Hilfe wollen wir beitragen, dass auch das geistliche und pastorale Leben weiter gedeihen kann." Bereits als Generalvikar von Dresden-Meißen hat Bischof Zdarsa gute Kontakte mit der Diözese Leitmeritz gepflegt. Während der Gespräche wurde immer wieder deutlich, wie Katholiken verschiedener Länder in dem einem Boot der Weltkirche sitzen: "Unser Glaube lebte auch in schweren Zeiten von der Eucharistie", stellte Bischof Baxant fest und ermutigte die Gäste aus Bayern, bei allen Strukturreformen die Feier der Heiligen Messe in die Mitte des kirchlichen Lebens zu stellen.

Den Abschluss bildete ein Besuch beim Erzbischof von Prag, Kardinal Dominik Duka, der sich seit vielen Jahren Augsburg sehr verbunden zeigt. Vor seiner Versetzung nach Prag war er Bischof von Königgrätz und als Dominikaner mehrmals Festprediger in der Augsburger Heilig-Kreuz-Kirche, dem Sitz der Dominikaner. Nach einem Austausch über die Lage der katholischen Kirche in Tschechien hatte der Kardinal noch einen besonderen Höhepunkt für seine Besucher parat: einen Blick von der Terrasse seiner Residenz auf Prag, die "goldene Stadt". Dieses Panorama bei strahlendem Sonnenschein steht für die vielen und tiefen Eindrücke, die Bischof Zdarsa von seiner Reise nach Tschechien in seine Diözese heimbringen konnte, bereichert durch die Erfahrung: Weltkirche heißt Geben und Nehmen.