Leonhardifest in Inchenhofen

Bischof ermutigt zum Impfen

07.11.2021 13:24

Bischof Dr. Bertram Meier hat vor zahlreichen Gläubigen in Inchenhofen ausdrücklich dazu ermutigt, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Beim traditionellen Leonhardi-Fest sagte er: „Ich bin mir bewusst, dass es auch Bedenken gegen die Impfung gibt. Doch wir sollten nicht nur von unseren eigenen persönlichen Interessen ausgehen, sondern das Argument groß machen, dass es auch den Nächsten möglichst zu schützen und wenig zu gefährden gilt.“

Bischof Bertram ermutigte in seiner Predigt zum Inchenhofener Leonhardifest ausdrücklich, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen (Fotos: Annette Zoepf / pba)

Gerade die Christen, so Bischof Bertram, stünden hier in der Pflicht, denn: „Wem das Heil der Seele ein Anliegen ist, dem darf die Heilung des Leibes, das körperliche Wohlergehen seiner Mitmenschen, nicht egal sein...daher appelliere ich an alle, es sich zur Pflicht zu machen, ernsthaft darüber nachzudenken, sich freiwillig impfen zu lassen.

Im Gedenken an den heiligen Leonhard, der sich im sechsten Jahrhundert für Gefangene eingesetzt hatte und dessen Bildnis deshalb häufig mit Ketten dargestellt wird, hatte der Bischof in seiner Predigt das Bild von der Kette der Corona-Pandemie entworfen und die Befürchtung geäußert, „dass diese Fessel in den kommenden Wochen sich immer mehr zuzieht und unser tägliches Leben – gerade im Hinblick auf Advent und Weihnachten – weiter zuschnürt.“ Dass so viele Menschen in Deutschland, aus welchen Gründen auch immer, nicht geimpft seien, mache ihm Sorge. Bischof Bertram: „Der heilige Leonhard ermutigt uns zur wahren Freiheit. Er lädt uns ein, einander zu helfen, dass wir frei werden für das, was Gott mit uns plant.“

Dem Gottesdienst ging ein Festzug mit Vertretern von Kirche, Gesellschaft und Politik hin zur Wallfahrtskirche voraus.

Die Ketten des heiligen Leonhard stünden, so der Bischof, jedoch nicht nur für Gefangenschaften und Abhängigkeiten, sondern auch für den Zusammenhalt einer Gemeinde: „Die Kettenglieder erinnern daran, dass wir zu einer Gemeinschaft verkettet sind. Sie sind aber auch ein Ausrufezeichen: Inchenhofen, denk daran, dass du die Einheit wahrst! Wie erst eine Reihe von Gliedern eine Kette bildet, so braucht es die Kraft und das Talent vieler Frauen und Männer, damit aus der Bürgerschaft eine Gemeinde, damit eine Pfarrei zur geistlichen Gemeinschaft wird. Dazu helfen - wie Papst Franziskus zur synodalen Kirche sagt – ‚Begegnung, An- und Zuhören sowie die Gabe der Unterscheidung für reife Entscheidungen‘.“

In „Leahad“, wie die Einheimischen zu Inchenhofen sagen, wird jedes Jahr im November das Leonhardi-Fest als großer Festtag begangen. Wegen der Corona-Pandemie fand der traditionelle Pferderitt, der vom Fürstenfelder Abt Paul Herzmann bereits 1459 eingeführt worden war und der als der älteste in Bayern gilt, wie schon 2020 auch in diesem Jahr nicht statt. Doch Bischof Bertram machte Hoffnung auf 2022: „Das Fest des heiligen Leonhard gehört eigentlich in die freie Natur. Der Mensch soll frei durchatmen! Leonhardi funktioniert nicht ohne Pferde und Reiter. Das ist mehr als Folklore, es ist Bekenntnis: Der Mensch soll sich etwas abschauen von den prächtigen Pferden, die an einem ‚normalen‘ Leonhardifest zu Prozession und Parade aufmarschieren: Er darf selbstbewusst, frisch und munter durchs Leben galoppieren, aber im Rahmen von Grenzen: Vergaloppiere dich nicht! Mensch, erkenne deine Grenzen! Du darfst nicht alles, was du kannst!“