Missbrauch und Prävention

Bischof setzt Aufarbeitungskommission ein

16.03.2021 11:51

Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat mit der Berufung von fünf Mitgliedern die Unabhängige Kommission eingesetzt, die die Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Augsburg aufarbeiten soll. Damit setzt er die Vorschläge aus der „Gemeinsamen Erklärung“ um, die die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs im vergangenen Jahr unterschrieben hatte.

Die Mitglieder der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, die im Einvernehmen mit der Bayerischen Staatsregierung berufen wurden, sind (in alphabetischer Reihenfolge):

-           Dr. Bernhard Koloczek, Richter am Bundessozialgericht i. R.

-           Prof. Dr. Michele Noterdaeme, Chefärztin der Kinder-/ Jugendpsychiatrie und –therapie am Josefinum Augsburg

-           Hubert Paul, Präsident des Sozialgerichts Augsburg

-           Manfred Prexl, Vors. Richter am OLG München i. R.

-           Prof. Dr. Gerda Riedl, Theologin (Mitarbeiterin der Diözese Augsburg).

Nach ihrer Konstituierung wird die Kommission aus den eingegangenen Bewerbungen fünf Mitglieder für einen Betroffenenbeirat auswählen, der dann wiederum zwei ständige Delegierte in die Aufarbeitungskommission entsenden wird. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission wird dann also dauerhaft aus sieben Mitgliedern bestehen.

Bischof Bertram freut sich, dass die Unabhängige Aufarbeitungskommission nun ihre Arbeit aufnehmen kann: „Ich danke den Mitgliedern von Herzen, dass sie sich bereit erklärt haben, diese herausfordernde Aufgabe zu übernehmen, und verspreche: Das Bistum Augsburg wird alle in unserem Besitz befindlichen Akten zur Verfügung stellen, die die Aufarbeitungskommission für ihre Arbeit als relevant erachtet, sich ansonsten aber in keiner Weise einmischen. Wir brauchen eine Reinigung des Gedächtnisses, damit die so sehr gewünschte geistliche Erneuerung der Kirche zur Entfaltung kommen kann.“

Der Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission geht über die sog. MHG-Studie von 2018 hinaus, in der bundesweit Fälle von sexuellem Missbrauch nur durch Priester und Ordensmänner untersucht worden waren. Jetzt kann die Kommission alle kirchlichen Einrichtungen und deren Mitarbeitende in der Diözese untersuchen.

Bischof Bertram hatte sich vor Einsetzung der Kommission einen Überblick über die bisherigen Erkenntnisse zum Themenfeld des sexuellen Missbrauchs in der Diözese Augsburg geben lassen und zeigt sich erleichtert, dass die Aufarbeitung nun beginnt: „Die Wahrheit wird euch freimachen, so heißt es schon im Johannes-Evangelium. Dem Anspruch der Wahrheit fühle ich mich verpflichtet. Ich selbst muss zugeben, dass ich beim Thema Missbrauch Neuling bin und damit ein Lernender. Was ich hören und lesen musste, wirft viele Fragen auf. Es zu bewerten, ist nun Aufgabe der Unabhängigen Kommission. Denn Versagen und Schuld müssen benannt werden – das sind wir den Betroffenen schuldig.“

Wie lange die Unabhängige Aufarbeitungskommission brauchen wird, um zu Ergebnissen zu kommen, ist noch offen. In der Gemeinsamen Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist die Rede von jährlichen Zwischenberichten und einem „vorläufigen Abschlussbericht“ innerhalb von fünf Jahren.