Christliche Hoffnung bleibt lebendig
Die angespannte Situation der Kirche in Israel und den palästinensischen Gebieten stand an diesem Sonntagnachmittag im Fokus des traditionellen Gebets- und Solidaritätstags in Augsburg. Bernard Poggi, Rektor des vor den Toren Jerusalems gelegenen Priesterseminars von Beit Jala, sprach darüber, wie ausbleibender Pilgertourismus und eine zunehmend feindselige Atmosphäre in der Gesellschaft die christliche Minderheit dort existenziell bedrohen. Bei der abschließenden Kreuzweg-Andacht im Dom bezeichnete Bischof Bertram alle, die sich für den Frieden einsetzen und Jesus auf dem Weg der Gewaltlosigkeit nachfolgen als „Hoffnungsträger für eine bessere Welt“.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Bischof als Gastgeber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Förderer des Hilfswerks "Kirche in Not" im Haus Sankt Ulrich und stellte heraus, dass allein die Präsenz von Christen, deren Name auf den Glauben an den Auferstandenen verweise, eines zeigt: „Elend, Gewalt und Tod haben nicht das letzte Wort.“ Umso schwerer wiege für ihn die Vorstellung eines Nahen Ostens ohne Christen, dem damit nicht nur Menschen, sondern auch ein Stück Hoffnung und Zukunft verloren ginge. In diesem Zusammenhang wird der Bischof auch nicht müde, die Unterstützung durch die christlichen Hilfswerke als „Zeichen der Nächstenliebe und der Hoffnung“ sowie „lebendige Zeugnisse des Glaubens an den Ursprungsorten des Christentums“ zu bezeichnen.
Rektor Bernard Poggi betonte in seinem Vortrag, dass er nicht über ein archäologisches Gedächtnis sprechen wolle, sondern über eine lebendige Kirche, die aus Familien, Pfarreien, Schulen, Seminaristen, Ordensleuten, Priestern und Kindern bestehe. „Sie alle haben den Namen Christi im Land von dessen Geburt, Tod und Auferstehung über Pfingsten bis zum heutigen Tag getragen.“
Die Überschrift seines Vortrags „Christen im Heiligen Land – existenziell bedroht“ habe er aber dennoch bewusst ernst formuliert. Damit wolle er zum Ausdruck bringen, dass die Bedingungen, die es einer Gemeinschaft erlauben zu bleiben, etwa Landbesitz, Bewegungsfreiheit, Arbeitsplatz, Sicherheit, Bildungsmöglichkeiten und Hoffnung Stück für Stück beseitigt würden. „Ich denke nicht, dass es in zehn Jahren dort keine Christen mehr geben wird, aber ich denke schon, dass das einigen gefallen würde“, beschrieb Rektor Poggi die Stimmungslage innerhalb der Gesellschaft.
Der Druck, dem Christen im Heiligen Land ausgesetzt sind, sei messbar: „Das Rossing-Zentrum verzeichnete im Jahr 2025 in Israel und Ostjerusalem 155 antichristliche Vorfälle: 61 körperliche Angriffe, 52 Angriffe auf Kircheneigentum, 28 Fälle von Belästigung sowie 14 Fälle der Beschädigung öffentlicher Schilder. Anspucken war die häufigste Form der körperlichen Feindseligkeit, insbesondere als Geistliche erkennbare waren die vornehmlichen Zielscheiben.“
Trotz der Tatsache, dass die Christen vor Ort eine kleine und verwundbare Gemeinschaft seien, könnten sie für die Gesellschaft weiterhin Salz, Licht und Sauerteig sein. „Wir können Schulen, Kliniken und heilige Stätten offenhalten. Wir können Hass und Verzweiflung eine Absage erteilen. Selbst unter diesem enormen Druck und ohne klare politische Perspektive bleibt die christliche Hoffnung lebendig. Helfen Sie uns, zu bleiben – und Frucht zu bringen“, richtete er sich an die Zuhörerschaft im Saal.
Die Unterstützung müsse auf vier Säulen gestützt sein: Die Bewahrung von christlichen Institutionen wie etwa Schulen, Gottesdienstorten und Kliniken, Hilfe bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbildung von Lehrern, Geistlichen und Führungskräften sowie das Erheben der Stimme für die bedrängten Christen
Bei einem kurzen Podiumsgespräch, das der Geschäftsführer des Hilfswerks Florian Ripka moderierte, warb Bischof Bertram dafür, die Christen im Heiligen Land durch solidarische Beziehungspflege und im Gebet zu unterstützen. Sein Wunsch: "Wenn es wieder geht, besuchen Sie die Heiligen Stätten wieder!" Denn nur so habe die christliche Gemeinschaft im Heiligen Land auch in Zukunft eine Perspektive.
Der Gebets- und Solidaritätstag, zu dem „Kirche in Not“ und das Bistum jedes Jahr am Fest Kreuzerhöhung im September nach Augsburg einladen, endete mit der Kreuzweg-Andacht im Dom, der Bischof Bertram vorstand und die die Situation der bedrängten Christen weltweit in den Blick nahm: „Die verfolgte Kirche heute hat viele Gesichter. Sie alle wollen wir in diese Stunde des Gebets hineinnehmen; wir bitten um Trost und Glaubenskraft und darum, dass Menschen in den Krisenregionen konkrete Hilfe erfahren mögen“, lud der Bischof die anwesenden Gläubigen zum solidarischen Beten ein.
Darüber hinaus bekräftigte er, dass die christliche Haltung der Friedfertigkeit und die Fähigkeit, Leid anzunehmen, nicht bedeuteten, auf politische Lösungen und humanitäre Hilfe zu verzichten. Vielmehr müssten wir alles daransetzen, um Not zu lindern und zukünftiges Leid zu verhindern. Trost in diesen oft ausweglos erscheinenden Situationen und Lebensschicksalen so vieler Gewaltopfer spende die christliche Verheißung, dass sie in den Tod Jesu Christi mithineingenommen seien. Bischof Bertram: „Leid und Tod sind zu Orten der Gottesbegegnung geworden, die Leben und Auferstehung verheißen.“
Die christliche Hilfsorganisation „Kirche in Not“ wurde 1947 gegründet und fördert jedes Jahr rund 5000 Projekte in mehr als 140 Ländern. Insbesondere die Ausbildung und Weiterqualifizierung von Priestern und Ordensleuten – auch im Heiligen Land - liegt den Verantwortlichen des Hilfswerks am Herzen. Jedes Jahr sind es fast 10 000 Studenten an Priesterseminaren, die gefördert werden. So vergibt es etwa Stipendien für die Promotion oder einen zusätzlichen Studiengang, damit die Priester später genau dort eingesetzt werden, wo ihr Bistum sie braucht.