Seelsorge

Diözesanfachreferentin Helga Kramer-Niederhauser in den Ruhestand verabschiedet: „Danke für Ihren Dienst am Leben"

27.11.2020 14:12

Augsburg (pba). Nach einem Vierteljahrhundert als Stellenleiterin und Diözesanfachreferentin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) ist Helga Kramer-Niederhauser heute bei einem feierlichen Gottesdienst unter Coronabedingungen von dutzenden Weggefährten in den Ruhestand verabschiedet worden. „Die Lotsin geht von Bord“, würdigte Bischof Dr. Bertram Meier ihren Dienst an den ratsuchenden Menschen. Die EFL im Bistum sei von ihr in dieser Zeit sicher durch manche Woge und Welle gelotst worden. Gleichzeitig begrüßte er mit Maria Muther die „neue, vergleichsweise junge Lotsin“ als Nachfolgerin.

Abschied und Begrüßung: (v.l.) Seelsorgeamtsleiterin Angelika Maucher, Bischof Bertram Meier, Helga Kramer-Niederhauser, Maria Muther. (Fotos: Nicolas Schnall / pba).

Der Bischof stellte den anwesenden Gottesdienstbesuchern die biblische Geschichte vor Augen, bei der Jesus den Jüngling von Nain von den Toten erweckte und bezeichnete es als treffendes Bild für Kramer-Niederhausers berufliches Wirken und aller, die sich in der EFL engagieren. „Sie dienen dem Leben. Sie durchbrechen die Prozession des Todes, ja die Prozession des Sterbens und setzen auf den Prozess des Lebens.“ In unzähligen Beratungsstunden habe sie den Klienten ans Herz gelegt, aufzustehen aus dem Grab des Beleidigtseins, der Wortlosigkeit und der Enttäuschung. „Lass Dir neu die Kraft der Versöhnung schenken, die auf Vergebung baut! Lass Dich aufrichten und in Treue zu Deinem Wort stehen“, so Bischof Bertram. Und auch wenn Beziehungen nicht mehr zu retten waren, ermutigten sie zu neuem Leben und dazu, Altes ordentlich mit Stil zu begraben.

„Danke für Ihren Dienst am Leben!“ und ein dickes „Vergelt’s Gott“, rief ihr der Bischof auch im Namen seiner beiden Vorgänger in der Leitung des Bischöflichen Seelsorgeamts, Prälat Dr. Dietmar Bernt und Domkapitular Dr. Michael Kreuzer, zu. Den Dankesworten des Bischofs schloss sich auch die aktuelle Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge Angelika Maucher an: „Danke für Dein einfühlsames und zugleich kompetentes Umgehen mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen.“ Ins Gespräch zu gehen, dass sich Hartes lockern könne, sei eine Kunst in der Beratung. „Du hast diese Kunst gefördert.

Mit Wohlwollen auf den oder die andere zugehen, Sicherheit stärken, damit Öffnung möglich wird, eine zweifelnde Haltung einnehmen im Sinn von überprüfen, ob es nicht auch noch andere Perspektiven geben kann – so habe sie immer erlebt, beschreibt Maucher die Haltung der scheidenden Diözesanfachreferentin, für die sie neben den vielen warmen Worten eine wärmende Decke zum Abschied bereithielt. Zur Begrüßung von Frau Muther gab es von ihr ein Amaryllisgewächs, die als Pflanze das Jahr überdauere und immer wieder blühe. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie verwurzelt und gleichzeitig beweglich bleiben, dass Sie ihr Potential entfalten können und Freude an den neuen Aufgaben erleben.“

Pfarrer Klaus Cuppok, Stellvertreter in der Gesamtleitung der EFL, imponierte an Kramer-Niederhauser vor allem ihre vielen Ideen. „Du hast Dich stark gemacht für die Umstellung von Honorarkräften auf festangestellte Beraterinnen und Berater“, so Pfarrer Cuppok. Sie kenne sich in der EFL aus wie in ihrer eigenen Westentasche und sie habe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer daran erinnert und ihnen ins Stammbuch geschrieben, dass nicht die Institution das Wichtige sei, sondern für sie sei immer der konkrete Mensch im Mittelpunkt gestanden, so Cuppok über seine langjährige Kollegin, die neben zahlreichen Tätigkeiten - auch über die Diözese Augsburg hinaus - seit sechs Jahren zudem die Leitung der Abteilung Seelsorge in besonderen Lebenslagen innehatte.

„Du warst von Anfang an mittendrin, als wärst Du immer dabei gewesen.“ Diese Tatsache konnte ihr ihr Stellvertreter in der Abteilungsleitung Diakon Thomas Schmidt auch für die Kolleginnen und Kollegen aus der Polizeiseelsorge, Telefonseelsorge, Notfallseelsorge, Seelsorge für Migranten, Betriebsseelsorge, Trauerpastoral, Gefängnisseelsorge, Tourismus- und Kurseelsorge, Rettungsdienst- und Feuerwehrseelsorge und Behindertenseelsorge bestätigen. „Du hast den Laden nicht nur zusammengehalten, sondern hast auch viel Wert daraufgelegt, dass wir einander besser kennenlernen.“ Von ihr in Erinnerung bleiben werden „Einfühlungsvermögen, Sensibilität, Wertschätzung für unsere Arbeit, mitreißendes Lachen und nicht zuletzt ihr Wissen um ein immer Größeres“.  

In ihren Abschiedsworten machte Helga Kramer-Niederhauser neben allen persönlichen Worten des Dankes noch einmal deutlich, warum sie sich über diese lange Zeit im kirchlichen Dienst, in der EFL, so wohlgefühlt hat. Es gäbe zwar viele gute hoch professionelle Angebote auf dem freien Markt, doch diese seien eher profitorientiert. „Kirche hat einen Mehrwert zu bieten: Die außergewöhnliche Kombination von hoher Fachkompetenz und seelsorgerlicher Haltung.“ Da ihr die Arbeit der Beratungsstellen auch in Zukunft ein Herzensanliegen bleiben wird, wünsche sie sich, dass Kirche auch weiterhin Zuversicht vermittele. „Wir müssen ein Gegenpol zur Panikmache sein, zur Beschleunigung, zum Trend, Gesundheit als Ware zu betrachten, zum profitorientierten Handeln. Ihrer Nachfolgerin als Diözesanfachreferentin Maria Muther wünsche sie Kraft für die anstehenden Aufgaben und Freude bei ihrem Tun.

Das „neue Gesicht in der EFL Augsburg“, wie Muther sich selbst bezeichnete, stellte sich dann vor dem Schlusssegen durch Bischof Bertram noch kurz selber vor und bedankte sich bei ihrer Vorgängerin, dass sie trotz großer Terminfülle immer wieder Zeit gefunden habe, ihr „die wichtigsten Abläufe nahezubringen, geduldig meine Fragen zu beantworten, mir die Geschichte der EFL zu erläutern und an mich weiterzugeben, was Dir wichtig war“.

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier im Wortlaut

  

Die EFL als psychologischer Fachdienst der Seelsorge bietet Frauen und Männer eine niederschwellige Anlaufstelle für Lebens- und Beziehungsfragen. Die regionale Verteilung der 8 Haupt- und 17 Außenstellen mit 60 Beraterinnen und 17 Beratern ermöglicht in der Diözese Augsburg flächendeckende Erreichbarkeit. Mit diesem qualifizierten Angebot stellt sich die Kirche dem stetig wachsenden Beratungsbedarf.