Porträt

„Den Frauen Vertrauen fürs Leben mitgeben“ - Birgit Bullinger: Kompetent in Schwangerschaftsfragen

20.11.2014 16:00

Birgit Bullinger arbeitet seit zwölf Jahren in der Schwangerenberatung des „Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)“ in Neuburg an der Donau. Sie begleitet und berät Frauen in Fragen rund um Schwangerschaft und Kind. Vieles hat sie in all den Jahren schon erlebt, Trauriges wie Schönes. Doch eines hat sie dabei nie verloren: Die Zuversicht ins Leben. Ein Porträt, das auch im neuen Newsletter der Pressestelle des Bistums erschienen ist.

Birgit Bullinger, Beraterin für Schwangerschaftsfragen beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Foto: pba/Maria Steber

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Von Maria Steber

Es sind Sonnenblumen, die hier ein Gegenüber suchen. Zeugen des Glücks sein wollen, der Schönheit des Lebens, der Hoffnung und Zuversicht. Es ist Dienstagvormittag an einem trüben, regnerischen Tag in Neuburg an der Donau, im Zimmer von Birgit Bullinger, Leiterin und Beraterin der „Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Sozialdienstes katholischer Frauen“ in der Außenstelle Neuburg. „Klein, einfach, ein bisschen beengt“, beschreibt sie den Raum selbst, ein runder Holztisch, drei Stühle, ein helle Schrankwand und ein Schreibtisch, ein Kreuz über der Tür und das Bild – das Bild mit den Sonnenblumen. Es hängt gegenüber Tür und Tisch, im Blickfeld der Hilfesuchenden.

Birgit Bullinger arbeitet seit zwölf Jahren in der Schwangerenberatung des SkF. Die Außenstelle in Neuburg – eine von insgesamt 16 in der Diözese Augsburg – wurde von ihr mit aufgebaut. Viele Frauen hat sie in all den Jahren schon betreut: „Im letzten Jahr waren es 276“, sagt sie, lange überlegen muss sie dafür nicht. Die Betreuung, die Frau Bullinger anbietet, ist laufend, „von der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes“, erklärt sie. Und jede Frau sei da natürlich willkommen: „Zu mir kommen Schülerinnen und junge Mädchen, Ehefrauen, Migrantinnen, auch mal Akademikerinnen, meistens aber Frauen aus dem sozial schwachen Bereich – einfach ein Querschnitt durch unsere Gesellschaft.“

Krisenhafte Paarbeziehungen, Probleme mit den Eltern, Partner, die einen Schwangerschaftsabbruch fordern – „es sind ganz existentielle Sachen, die mich beschäftigen“, beschreibt Bullinger ihr tägliches Arbeitsfeld. Und die Lösungen? „Immer anders. Jedes Problem ist ein Einzelfall“, sagt sie kurz. Viel sei da ausgerichtet auf Gespräche, aufs Zuhören, „ich möchte Wege aufzeigen, Perspektiven eröffnen“, betont Bullinger. „Wenn eine Frau über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenkt, möchte ich vermitteln, dass jedes Kind ein Recht auf Leben hat und versuche auch zu einem Kind zu ermutigen. „Wir schauen gemeinsam auf das Leben der Klientin: Was ist in ihrem Leben bisher gut gelaufen, wo gibt es positive Ressourcen“, erklärt die SkF-Beraterin.

Positive Ressourcen: Diese zwei Worte fallen im Gespräch mit Birgit Bullinger oft. Sie verbindet sie mit Worten wie Vertrauen und Hoffnung, Zuversicht, Lebensfreude, mit Begriffen wie Familie und Freunde: „Ich will den Frauen Vertrauen fürs Leben mitgeben, die Zuversicht, dass nicht alles nur schlecht läuft.“ Den ersten Baustein dazu legt sie selbst, indem sie den Frauen die Gewissheit vermittelt, nicht durchs Netz zu fallen, sondern Hilfe zu finden: „Die Frauen sollen spüren, dass sie nicht alleine sind, spüren, da kann ich anrufen, wenn alle Stricke reißen, da ist jemand da für mich.“

Dieses Grundvertrauen ins Leben ist eine Eigenschaft, die auch Birgit Bullinger selbst auszeichnet. Privat liebt sie es, fremde Kulturen kennenzulernen, in die entlegensten Ecken der Welt zu reisen, immer mit dem Ziel, Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen. Mutig? „Nein, das hat nichts mit Mut zu tun“, wiegelt sie ab, „sondern mit Vertrauen auf das Gute, mit dem Zutrauen auf andere Menschen“, sagt sie und lächelt dabei.

Dieses Interesse am Menschen, dieses Brennen auf Gespräche, erklärt ihre Freude, die sie in ihrem Beruf immer wieder neu spüren darf. „Ich nehme die Menschen genau so, wie sie eben sind – egal ob arm oder reich“. Eine normale christliche Grundhaltung nennt sie dies. Schon immer, betont sie im gleichen Atemzug, sei die Kirche eine gewesen, die sich um Menschen gekümmert hat, die am Rande stehen. Der Einsatz für in Not geratene Frauen ist für Bullinger deshalb ein ganz selbstverständlicher Teil kirchlicher Seelsorge.

Birgit Bullingers persönliche Kraftquelle ist ihr Garten zu Hause. Dort den Wechsel der Jahreszeiten mitzuerleben, das Werden und Vergehen, „da kann ich abschalten“, sagt sie.

Ein wenig von diesen Kraftquellen finden sich auch in ihrem Büro wieder: die Sonnenblumen an der Wand und noch etwas: eine Kleenex-Box mit Tüchern, wenn es mal Tränen gibt, erklärt sie. Ein gelber Blütenkelch, eine Gerbera ist auf der Tränen-Box aus Pappe abgebildet. Birgit Bullinger möchte in ihrer Beratung den Blick aufs Positive schärfen. Auch in der Traurigkeit können da manchmal kleine Lichtblicke versteckt sein.

 

Weitere Information: Bei den Katholischen Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen des SkF finden Frauen Rat und Hilfe bei seelischen oder sozialen Nöten, bei Problemen mit dem Partner, den Eltern oder anderen Bezugspersonen. Die Beratung umfasst Informationen zu Mutterschutz und Elternzeit sowie Rat in Fragen von Sexualität und Familienplanung. In finanziellen Notlagen können über die Beratungsstellen auch Anträge an den Bischöflichen Hilfsfonds „Pro Vita“ gestellt werden. Aus Spenden, Erträgen und Kirchensteuermitteln wurden über diesen Fonds letztes Jahr rund 237.200 Euro bereitgestellt.