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Aus den Pfarreien

Der Altar als Zentrum christlichen Lebens

25.07.2026 18:30

Nach jahrelangen Planungen und Arbeiten kann die Pfarrei Reistingen im Dekanat Dillingen nun auf eine vollendete Außen- und Innenrenovierung der romanischen Pfarrkirche St. Vitus zurückblicken. Als Abschluss und Höhepunkt der Bemühungen hat Bischof Bertram am Samstagabend den neuen Altar in der Kirche geweiht – und in seiner Predigt hervorgehoben, welche Rolle diesem Objekt im christlichen Glauben zukommt.

Die Pfarrkirche St. Vitus in Reistingen (Foto: GFreihalter / Wikimedia Commons)

„Eine Kirche ohne Altar ist im eigentlichen Sinne keine Kirche, denn ihr fehlt der Tisch des Herrn, an dem die Eucharistie gefeiert wird“, betonte der Bischof eingangs in seiner Predigt. Der Altar sei indes nicht nur ein zentrales Element eines jeden Gotteshauses, sondern auch eine unmittelbare Verbindung mit der Vergangenheit der Kirche, „die seit zweitausend Jahren ununterbrochen das Sakrament der Eucharistie feiert.“ Über den Altar werde die katholische Kirche nicht nur zu einer „Gemeinschaft, welche die Grenzen nicht nur des Raumes, sondern auch der Zeit überschreitet, weil ihre Mitglieder trotz aller Unterschiede etwas miteinander teilen, das sie als zentral für ihre Existenz betrachten.“ Diese Gemeinschaft könne nicht nur tragen, sondern auch anregen und inspirieren: „Vergessen wir dabei nicht die Spuren, die der Geist in der Geschichte des Glaubens hinterlassen hat“.

Zugleich vergegenwärtige der Altar auch die zentralen Elemente des christlichen Glaubens. Vor allem die Menschwerdung Gottes werde durch das Sakrament der Eucharistie in ganz besonderer Weise am Altar immer wieder neu in Erinnerung gerufen. Die Materialität des Altars, die auch im Ritus der Weihehandlung betont werde, erinnere dabei auch an das Verhältnis zwischen Geist und Welt: „Unser Glaube sagt uns, dass wir die Materie lieben müssen, wenn wir den Geist lieben wollen.“ Zudem sei der Altar auch Zeichen an die göttliche Sendung aller in Christus vereinten Menschen. „Wer den Altar als Zentrum des christlichen Lebens betrachtet, verspürt zugleich den Antrieb, sich in die Mitte der Welt zu begeben, um dort Zeugnis vom Herrn und von der Hoffnung abzulegen, die er uns geschenkt hat“, so der Bischof.

Die Hoffnung auf Gottes Gnade und Gegenwart sowie das letztendliche Ankommen des Menschen bei Gott sei abschließend ein zentrales Moment, das Christinnen und Christen über die Zeiten verbinde. Auch dies werde im Altar auf besondere Weise ersichtlich, wenn Heiligenreliquien in ihn eingelassen werden. Dies sei auch bei dem neuen Altar von Reistingen so, der von nun an Partikel des heiligen Ulrich und der heiligen Crescentia von Kaufbeuren enthalte.

Nach der Einsetzung der Reliquien in den Altarboden wurden die Altarplatte mit Weihwasser besprengt und mit Chrisamöl gesalbt. Anschließend wurde, einem uralten Ritus folgend, an vier Ecken und in der Mitte des Altars Weihrauch entzündet. Dies soll auf die Kreuzeswunden Jesu hindeuten sowie die Gebete versinnbildlichen, die von diesem Altar aus zu Gott aufsteigen werden. Mit dem Auflegen des Altartuchs und dem Entzünden des Altarlichts endete die feierliche Weiheliturgie.

Seit 2015/16 werden an der Pfarrkirche St. Vitus in Reistingen intensive Arbeiten an der Außen- und Innensanierung durchgeführt. Dabei wurde unter anderem das Mauerwerk saniert und die Elektronik grunderneuert. Ein zentraler Teil der Arbeiten war dabei auch die zeitgemäße Umgestaltung des Altarraums mit der Errichtung und Einweihung eines neuen Zelebrationsaltars. Die rund 400.000 Euro, die die Arbeiten in Anspruch nahmen, wurden dabei durch Zuschüsse der Diözese, eigene Gelder der Kirchenverwaltung und Spenden zusammengebracht und durch einen enormen Arbeitseinsatz der Ortsbevölkerung begleitet. Am 26. Juli wird es für interessierte Besucherinnen und Besucher zudem die Gelegenheit geben, in einem Tag der offenen Tür von 13 bis 16 Uhr die neusanierte Kirche mit Pfarrer Alois Lehner besser kennenzulernen.

Die Pfarrkirche St. Vitus in Reistingen geht auf das 12. Jahrhundert zurück und war ursprünglich die dem hl. Petrus geweihte Klosterkirche eines dort ansässigen mittelalterlichen Benediktinerinnenkonvents. Die Kirche wurde als dreischiffige Basilika gebaut, doch im Dreißigjährigen Krieg so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass die beiden Seitenschiffe abgebrochen werden mussten. Seit dem 18. Jahrhundert gilt der hl. Vitus als alleiniger Schutzpatron von Kirche und Dorf.