Dekanate

Glockenweihe: „Die Friedensglocke soll ein Zeichen sein“

27.06.2020 10:59

Oberstdorf (pdsf). „Die Friedensglocke soll ein Zeichen sein. Sie soll die Gläubigen rufen“, erklärte Bischof Dr. Bertram Meier heute Nachmittag während der Weihe der fünften Glocke im Geläut der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Zahlreiche Gläubige und Urlauber verfolgten die Zeremonie, die auf dem Platz vor dem Gotteshaus stattfand. Sie wurde von einer Abordnung der Musikkapelle Oberstdorf und dem Kantor Christof Krippendorf musikalisch gestaltet. Nach der Glockenweihe, bei der der Bischof die Glocke mit Weihwasser besprengte und an vier Stellen mit Chrisam salbte, schlug Kirchenpfleger Hannes Kirschner die Glocke an. Anschließend zog sie ein Autokran in den Glockenstuhl des Kirchturms.

Bischof Dr. Bertram Meier segnete vor der Oberstdorfer Pfarrkirche St. Johannes Baptist die Friedensglocke. (Foto Verspohl-Nitsche / pdsf)

Pfarrer Maurus B. Mayer begrüßte die Anwesenden mit den Worten, die auf der 350 Kilogramm schweren Glocke prangen: „Jesus trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch!“ (Joh 20,26). Gegossen wurde sie von der Gießerei Grassmayr in Innsbruck und von der Firma Philipp Hörz montiert. Ein anonymer Spender kam für die Gesamtkosten von rund 30.000 Euro auf.

Bischof Dr. Bertram Meier bemerkte in seiner Ansprache: „Wie es der Zufall will, habe ich in meiner Amtszeit bis jetzt Orte an der Peripherie, also am Rand des Bistums besucht.“ Die Region sei ihm durch seine Zeit in Fischen sowie die Visitationen im Dekanat Sonthofen gut bekannt, fuhr er fort. „Ich bin gern hierhergekommen, um die Glocke des Friedens zu weihen“, so Bischof Bertram.

Er habe kürzlich ein Buch von Horst Bienek mit dem Titel „Zeit ohne Glocken“ gelesen, dessen Handlung im Zweiten Weltkrieg spielt. Zu dieser Zeit und auch schon im Ersten Weltkrieg sei klingendes Erz in Kanonen umgewandelt worden, fuhr der Bischof fort. Die Menschen hätten jedoch erkannt, dass sie mehr als nur die Glocken verloren hätten. Er ging weiter auf die Ortsgeschichte ein, in der die Oberstdorfer mit Schlitzohrigkeit ihre Dreifaltigkeitsglocke, vor dem Einschmelzen gerettet hatten und anstelle der größten dafür die kleinste Glocke hergaben.

In Schillers „Lied von der Glocke“ werde der Glockenguss mit dem Verlauf des menschlichen Lebens verglichen, stellte der Bischof fest. „Jeder Mensch hat die Aufgabe, seine eigene Berufung zu finden. Jeder hat ein kleines Glöckchen zu sein. Werden sie Glocken mit einem guten Klang für sich selbst“, richtete der Bischof sich an die Anwesenden. Er freue sich, dass wieder so viele Menschen zu Gast in Oberstdorf seien. Der Ruf der Glocken möge sie dazu aufrufen, sich während ihres Aufenthaltes zurückzuziehen und sich auf sich zu besinnen. Unseren Glauben sollten wir jedoch an die „große Glocke“ hängen und ihn selbstbewusst und gelassen leben, fuhr er fort. Dafür solle die neue Friedensglocke ein Zeichen sein, schloss Bischof Bertram.

In seiner Ansprache sagte Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King: „Glocken versetzen etwas in Schwingung.“ Es sei eine große Freude und ein gutes Gefühl, dass das Geläut durch die Spende wieder komplett sei, stellte King fest, und schloss mit Schillers Worten „Friede sei ihr erst Geläute“. Zu guter letzt dankte Pfarrer Mayer allen Helfern, die zum Gelingen der Feier beigetragen haben. 

Bischof Bertram trug sich anschließend im Pfarrhaus in das Goldene Buch des Marktes Oberstdorf ein. Im Beisein von Pfarrer Maurus B. Mayer, dem Ruhestandsgeistlichen Franz Neumair, Altbürgermeister Eduard Geyer, dem Gästeseelsorger Pfarrer Bruno Koppitz und Bürgermeister King schrieb er die Worte nieder: „Möge die neue Glocke von St. Johann nicht nur die Klangkrone des Geläutes sein, sondern ihrem Namen alle Ehre machen: Botschafterin des Friedens sein für Oberstdorf und seine Gäste!“