Bischöflicher Beauftragter für Geistliches Leben eingeführt

Ein Netzwerk der Spiritualität knüpfen

11.11.2021 20:21

Mit dem Barmherzigen Samariter hat Pfarrer Dr. Christian Hartl für seine neue Aufgabe als Bischöflicher Beauftragter für Geistliches Leben im Bistum Augsburg ein Modell und Leitbild an die Seite gestellt bekommen, an dem es Maß zu nehmen gilt. Das jedenfalls empfahl Bischof Bertram an diesem Donnerstagabend Pfarrer Hartl und seinem Team während des Festgottesdienstes zu dessen Einführung in der Hauskapelle des diözesanen Exerzitienhauses St. Paulus in Leitershofen. Sein Wunsch für die künftige Arbeit: „Bleibt nahe am Menschen! Stülpt ihnen nichts über! Schaut und hört, vor allem spürt genau hin, was sie brauchen!“

(Fotos: Nicolas Schnall / pba)

Denn Spiritualität sei Kommunikation mit sich selbst, im Dialog untereinander und im Gespräch mit Gott, betonte der Bischof vor den Festgästen, unter denen er Domkapitular im Ruhestand Monsignore Franz-Reinhard Daffner besonders begrüßte. Er bedankte sich bei ihm für die Samen, die er im Auftrag von Bischof Viktor Josef zu Beginn des neuen Jahrtausends als Leiter des Referats Spirituelle Dienste in dem Bereich gelegt habe.

Pfarrer Hartl und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schrieb Bischof Bertram eines besonders ins Stammbuch: „Gemeinsam wollen wir ein Netzwerk der Spiritualität knüpfen: Spiritualität im wahrhaft katholischen Sinn.“ Auch wenn der Bischöfliche Beauftragte wesentlich von ignatianischer Spiritualität geprägt sei, bedeute das für den Bischof nicht, dass es im Bistum künftig eine „geistliche Monokultur“ geben solle. „Im Gegenteil: Ich wünsche, dass wir die Einheit in Vielfalt wahren und noch mehr fördern, dass wir Unterschiede nicht nur wahrnehmen oder gar als Bedrohung des Eigenen deuten, sondern sie als Bereicherung und Impuls für eigenes Wachstum im Heiligen Geist sehen“, so der Bischof.

Auch deshalb habe er sich für diesen Festgottesdienst ganz bewusst für das Evangelium vom Barmherzigen Samariter entschieden. Einerseits wollte Bischof Bertram damit zum Ausdruck bringen, dass der Beauftragte für Geistliches Leben im Bistum Augsburg eine Querschnittsaufgabe innehat. Andererseits daran erinnern, „dass der Raum für Spiritualität nicht nur eine Kirche, ein Vortragssaal, ein Exerzitienhaus ist, sondern wie ein Wasserzeichen alle drei wesentlichen Grundvollzüge der Kirche durchzieht“. So wie sie der Evangelist Lukas in den drei „Weggeschichten“ vom Barmherzigen Vater (Martyrie), von den Emmaus-Jüngern (Liturgie) und eben dem Samariter (Diakonie) beschreibt.

Bei allen Veränderungen, die der Kirche ins Haus stehen, müsse deutlich werden, dass sie über eine menschliche Organisation hinaus ein geistlicher Organismus sei. „Daher wird sich geistliche Erneuerung weniger in Organigrammen niederschlagen als vielmehr in einem geistlichen Leben, dem wir verpflichtet sind - alle, die wir Kirche - angefangen von der Pfarrgemeinde über die Verbände, Orden, Bewegungen und Gruppen - gestalten“, erinnerte der Bischof an die Grundhaltung eines jeden Christen.

Überreichung der "Exerzitien im Alltag"-Werkmappe an Bischof Bertram.

„So wünsche ich Dir bei aller Prägnanz, Kompetenz und dem vornehmen Stil, die Dich auszeichnen und die wir an Dir schätzen, Großzügigkeit und Weite. Denn das Leben kennt Zwischenräume, die nur von Mensch zu Mensch ausgefüllt werden können.“ Der Samariter zeige ähnlich wie später der heilige Martin, dessen Gedenktag heute begangen wird, dass es anders gehe: „Teilen, mitteilen, miteinander teilen – das macht uns groß. Ich wünsche Dir die nötigen Pflaster, um Wunden zu verbinden; ich wünsche Dir den Besen, um das Innere der Menschen umzukehren; und ich wünsche Dir das rechte Instrument, damit Gott viele Herzen anrühren kann. Mit allen, die heute mitfeiern, rufe ich Dir zu: Willkommen daheim, dahoam, dahem, dahoim! Schön, dass Du wieder da bist!“

Diese herzliche Begrüßung erwiderte Pfarrer Hartl, bedankte sich beim Bischof für dessen Vertrauen und beschrieb mit den beiden Worten „Tiefe“ und „Weite“ zwei liebgewonnene „Wegbegleiter“ der vergangenen Jahre, die er in seine neue Aufgabe mit hineinnehmen möchte. „Denn beide kennzeichnen für mich eine gesunde Spiritualität“, unterstrich der Bischöfliche Beauftragte. Auch auf seiner zehnten Stelle nach 31 Priesterjahren wolle der gebürtige Herrschinger „ein Wanderprediger wie mein Herr Jesus“ bleiben.  

Am Ende des Gottesdienstes überreichte Gemeindereferentin Ursula Lobmaier aus dem Fachbereich Exerzitien Bischof Bertram die neue rund 100-seitige Werkmappe zu „Exerzitien im Alltag“ samt einer Ausgabe in Leichter Sprache. Sie steht unter dem Titel „Du bist uns nahe“ und ist für das ganze Kirchenjahr geeignet. 

 

Zur Person

Seit 1. Oktober 2021 ist Pfarrer Dr. Christian Hartl (56) Bischöflicher Beauftragter für Geistliches Leben im Bistum Augsburg und Geistlicher Direktor des diözesanen Exerzitienhauses St. Paulus in Leitershofen. In Pfarrer Hartls Aufgabengebiet fallen dann auch die Fachbereiche Exerzitien und Geistliche Begleitung, die bisher in der Hauptabteilung III „Evangelisierung – Jugend – Berufung“ angesiedelt waren und nun dem Bischofshaus zugeordnet sind.

In den vergangenen neun Jahren war er für überdiözesane Aufgaben freigestellt: von 2012 bis 2016 als Spiritual im Priesterseminar Lantershofen und von 2016 bis 2021 als Hauptgeschäftsführer der Aktion Renovabis e.V. Zuvor war er unter anderem neun Jahre im Augsburger Priesterseminar als Subregens und Regens tätig.