Priesterseelsorge

Ein Seelsorger für Seelsorger

19.01.2021 10:08

Ein Seelsorger für Seelsorger? Manch einer wird verwundert sein und sich fragen, warum es ein solches Angebot gibt. Im Bistum Augsburg sind momentan insgesamt drei Priesterseelsorger für rund 600 Priester im Einsatz. Einer von ihnen ist Pfarrer Rupert Ebbers, der die Pfarreiengemeinschaft Kempten-West leitet und seit mehr als zehn Jahren zusätzlich Ansprechpartner für seine Mitbrüder ist. „Seelsorger, die das vertrauliche Gespräch mit einem Priesterseelsorger suchen, sind in etwa vergleichbar mit Ärzten, die sich bei einem Kollegen in Behandlung begeben“, erklärt der 57-Jährige die Notwendigkeit seiner Aufgabe mit einem Beispiel.

Priesterseelsorger Pfarrer Rupert Ebbers (rechts) führt ein Gespräch mit einem Mitbruder. (Foto: Sabine Verspohl-Nitsche / pdke)

Als ihn im Jahr 2009 der damalige Bischof gebeten hat, im Team der Priesterseelsorger mitzuarbeiten, habe der Pfarrer noch keine Vorstellung davon gehabt, was ihn erwartet. „Ich war mir unsicher, ob ich den an mich gestellten Erwartungen gerecht werden kann“, erinnert er sich. Denn seine Aufgaben als Priesterseelsorger seien vielfältig, weiß er mittlerweile. So gestaltet Rupert Ebbers beispielsweise auf Einladung der Dekane geistliche Nachmittage für seine Mitbrüder. Oder er begleitet eine Gesundheitswoche für Priester, nimmt an Treffen der Priesterseelsorger im deutschsprachigen Raum teil und tauscht sich mit den Kollegen aus, wie auf die komplexe Situation der Seelsorger von heute besser reagiert werden kann. Überwiegend führt der Priesterseelsorger jedoch vertrauliche Einzelgespräche, für die er zusätzliche, therapeutische Schulungen Ausbildungen absolviert hat.

„Oft beginnt der Kontakt so, dass ein Mitbruder auf mich zukommt und mich fragt, ob ich mal für ihn Zeit habe“, schildert er. Die angesprochenen Themen seien höchst unterschiedlich: Mal brauche jemand einen Rat, ob er in eine andere Pfarrei wechseln solle. Manchmal gehe es um Konflikte mit jemandem aus der Gemeinde oder aber ein Mitbruder habe jemanden näher kennengelernt und suche Rat im Umgang mit der Situation. In den Gesprächen gehe es ebenso um Suchtprobleme, wie um schwere Krankheiten oder um eine Vergewisserung der geistlichen Berufung, zählt der Seelsorger die Bandbreite der Kontakte auf. „Wir Priester sind auch nur Menschen – mit allen Stärken und Schwächen“, stellt Ebbers fest.

Als er vor mehr als zehn Jahren die Aufgabe übernommen hat, habe das Team noch aus sechs Seelsorgern bestanden, leider habe sich diese Anzahl mittlerweile halbiert, blickt er zurück. Der Pfarrer hofft, dass Bischof Bertram die Priesterseelsorge wieder personell verstärken wird.

Jährlich wenden sich rund 20 bis 30 seiner Kollegen an ihn. Manche kommen regelmäßig, andere haben ein akutes Problem, das in drei oder vier Gesprächen geklärt werden kann. Wenn auch die Gründe für den Kontakt sehr variierten, so sei doch „das Thema Überforderung sehr präsent“, so Rupert Ebbers. Denn die Arbeitsbelastung der Pfarrer habe in den letzten Jahren enorm zugenommen. Neben der Betreuung größerer Seelsorgeeinheiten nähmen die Aufgaben aus dem Verwaltungsbereich viel Zeit in Anspruch, berichtet der Pfarrer. Dabei kämen manche Mitbrüder einfach an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. In so einer Erschöpfungsphase könne eine Sabbatzeit oftmals hilfreich sein.

Es gebe für Priester die Möglichkeit, sich für einen Zeitraum von drei Monaten von den beruflichen Pflichten entbinden zu lassen, um sich durch Erholung, Fortbildung und geistliche Vertiefung wieder besser den alltäglichen Anforderungen stellen zu können. Einige Klöster böten dazu spezielle Angebote an, die sich bewährt hätten, berichtet der Geistliche von seinen Erfahrungen. „Ich ermutige meine Kollegen dazu, eine solche Auszeit zu nehmen“, betont der Priester. Wie diese Auszeit konkret gestaltet wird, soll der Priester mit einem Priesterseelsorger abklären. „Während der vergangenen Jahre habe ich vier Mitbrüder nach einem Burnout begleitet“, schildert der Pfarrer weiter.

Der Geistliche wird immer wieder gefragt, wie er die Tätigkeit des Priesterseelsorgers mit seinen Aufgaben als Pfarrer von vier Pfarreien vereinen könne. „Ganz ehrlich: Die Priesterseelsorge hat für mich Vorrang. Wenn mich ein Mitbruder braucht, bin ich für ihn da“, antwortet Ebbers. Es sei eine große Bereicherung für ihn, wenn ihm ein Kollege vertrauensvoll Einblick in seine persönliche Situation gewähre. „Doch bringt mich dieser Dienst auch immer wieder an meine Grenzen. Vor allem dann, wenn ich einem Mitbruder anscheinend nicht weiterhelfen konnte“, fasst er zusammen. „Ich staune immer neu, dass es Menschen gibt, die von sich selber sehr viel investieren für den priesterlichen Dienst an den Menschen – oft motiviert von der tiefen Liebe zu Gott. Das beschämt mich und freut mich zugleich“, bekennt Rupert Ebbers und betont abschließend: „Darum bin ich gerne Priesterseelsorger!“