Gottesdienst mit Bischof Bertram

„Eine Zeit zum Zwischenruf“

26.04.2020 11:09

In seiner Predigt am dritten Sonntag der Osterzeit hat Bischof Bertram die Frage gestellt, ob eine Rückkehr in die gewohnte Vor-Corona-Normalität möglich oder überhaupt wünschenswert sei. Für ihn könne es nicht so weitergehen wie gehabt; stattdessen müsse die Kirche aus den Erfahrungen der Krise lernen und neue Wege für die Zukunft finden.

„Das Erkennen des Auferstandenen ist mühsam und anstrengend – damals und jetzt“, stellte der ernannte Bischof zum Eingang seiner Predigt fest und bezog sich damit auf das Tagesevangelium, in dem die Jünger den auferstandenen Herrn zunächst nicht erkennen. Wie die Apostel damals säßen auch alle Christinnen und Christen, ja die ganze Welt in einem Boot: „Corona zwingt uns dazu. Auch wir sind dabei.“

Dieser dritte Ostersonntag stehe indes bereits unter dem Eindruck der „neuen Normalität“, die sich langsam anbahne – es „deutet sich allmählich Licht im Corona-Tunnel an. Es dämmert – langsam, aber sicher“, sagte der Apostolische Administrator. Dennoch müsse sich die Frage stellen: „Rückkehr in die Normalität: Geht das überhaupt?“

Für ihn stehe jedenfalls fest, dass es nicht einfach so weitergehen könne wie gehabt, sagte der ernannte Bischof. „,Rückkehr in die Normalität‘ heißt eben nicht, einfach so weitermachen wie bisher: Aufgeschobenes nachholen, Sakramente weiter so spenden wie gehabt, Seelsorge in ausgetretenen Bahnen praktizieren, wie wir das eh und je gewohnt sind. Es gibt kein Vorwärts in die Vergangenheit, es gibt keine Zukunft im Rückwärtsgang.“

Stattdessen müsse die Kirche in ihrer Gesamtheit jetzt überlegen: Sei nicht jetzt gerade die Zeit, alternative Gottesdienstformen zu suchen und zu erproben? Sollten die Sakramente auch weiterhin mit Menschen gefeiert werden, „die erst noch den Glauben im Alltag entdecken und leben müssen“, nur weil es Tradition sei? Und mit Bezug auf den Magdeburger Bischof Feige: Seien die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen überhaupt mit der würdigen Feier der heiligen Messe übereinzubringen?

„Für mich ist die Feier der Eucharistie Quelle und Höhepunkt meines Lebens als Christ. Deshalb ist es unter meiner Würde, diese Frage zum Kampfplatz um die Religionsfreiheit zu machen“, erklärte Bischof Bertram. Es gebe vielerlei Weisen zu kommunizieren: Neben der heiligen Kommunion auch die Gemeinschaft, die Kommunion im Wort der Heiligen Schrift oder die Kommunikation untereinander als Leib Christi.

Abschließend griff der ernannte Bischof noch einmal das Tagesevangelium auf. Nicht nur wie damals säßen Christinnen und Christen im selben Boot, sondern auch wie einst bei den Jüngern seien ihre Netze des Glaubens meist leer und trieben an der Oberfläche. „Doch die vergangenen Wochen haben vielen neuen Tiefgang gebracht“ stellte Bischof Bertram fest und sagte: „Corona ist für mich, für die ganze Kirche eine Zeit zum Zwischenruf: Ihr könnt nicht mehr so weitermachen wie zuvor!“

Stattdessen seien die vielfach gefeierten Hausgottesdienste während der Pandemie für ihn ein großes Hoffnungszeichen – „Wohlgemerkt: Hauskirche, nicht Wohnzimmer-, Sofa- oder Kuschelkirche.“ Mit Bezug auf die Geschichte der ägyptischen Kalifen Al-Hakim, der christliche Kirchen schließen ließ und dann feststellte, dass er „eine neue Kirche in jedem Haus eröffnet habe“, wünschte Bischof Bertram sich eine vergleichbare Stärkung der Kirche auch heute: „Wie schön wäre das auch bei uns!“

Am Freitag, den 1. Mai um 19 Uhr, wird unser ernannter Bischof Bertram in der Bischöflichen Hauskapelle einer feierlichen Maiandacht vorstehen und dabei die Marienweihe unseres Bistums erneuern. Am Sonntag, den 3. Mai wird er wie gehabt um 10 Uhr die Heilige Messe feiern. Beide Gottesdienste werden online auf den gewohnten Kanälen sowie den Fernsehsendern a.tv und Allgäu-TV live übertragen.