13.06.2013 11:34

Augsburg/Pfaffenhofen an der Ilm (pba). Vor neun Jahren war Pfaffenhofens Stadtpfarrer Frank Faulhaber so schwer erkrankt, dass ihm nur noch ein Ausweg blieb: eine Lebertransplantation. Nach Monaten des Wartens, des Hoffens und Bangens hat er am 21. November 2004 eine Spenderleber erhalten. Ein großartiges Geschenk, durch das sein Leben eine neue Perspektive bekam. Er feiere bis heute den Jahrestag der Transplantation als seinen "zweiten Geburtstag" und danke Gott dafür, berichtete der Pfarrer gestern, 12. Juni, auf einer Podiumsdiskussion über das aktuell viel diskutierte Thema "Organspende" in Pfaffenhofen an der Ilm.

Stadtpfarrer Frank Faulhaber (rechts) berichtet über sein Leben mit einer gespendeten Leber.

Organisiert wurde diese Veranstaltung in der Stadtpfarrei St. Johannes Baptist vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) Pfaffenhofen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) und Kolping. Sechs Referenten aus Kirche, Politik und Medizin waren gekommen.

Unter ihnen der Augsburger Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, der auch Mitglied im Deutschen Ethikrat ist. Er nahm aus Sicht der katholischen Kirche Stellung. Dabei sagte er, dass die Bereitschaft zur Organspende von der Kirche als ein "Ausdruck der Solidarität und Nächstenliebe" gesehen wird, "die einem von schwerer Krankheit und Tod bedrohten Mitmenschen über den Tod hinaus entgegengebracht wird." Wichtiges Kriterium dafür müsse aber die Freiwilligkeit in der Entscheidungsfindung sein, so der Weihbischof. Die Kirche sagt ein deutliches Ja zur Organspende, "denn unser Gott ist ein Freund des Lebens", so der Weihbischof. Auch der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) gebe dazu in Nr. 2296 seine ausdrückliche Zustimmung.

Darüber hinaus sagte Weihbischof Losinger: "Mit dem Empfang eines neuen Organs erhält man eine neue Aussicht auf Leben." Genau so hat es auch Stadtpfarrer Faulhaber erfahren. "Mir haben Leute gesagt, ich predige jetzt anders. Für mich hat sich nach der Transplantation Vieles relativiert. Das, was mir vorher als so wichtig erschien, ist unwichtig geworden. Dieses Geschenk hat mich zum Zentralen geführt, zu dem, was wirklich wichtig ist."

Prinzipiell könne jeder Mensch spenden, egal welchen Alters, erklärte der Münchner Prof. Dr. Bruno Meiser. Er ist Leiter des Transplantationszentrums der Ludwigs-Maximilians-Universität München und Präsident von Eurotransplant, die Vermittlungsstelle für Organspenden. Die medizinische Voraussetzung dafür sei, dass ein Arzt den vollständigen Ausfall der Gehirnfunktionen feststelle, was auch als Hirntod bezeichnet werde, so Meiser.

Die Tatsache, dass viel mehr Organe benötigt werden, als vorhanden sind, ist weithin bekannt. Mit diesem Abend hatten die anwesenden Besucher jedoch die Möglichkeit, sich darüber zu informieren und sich intensiver mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Auch wenn Organempfänger im Allgemeinen kein sorgenfreies Leben führen, für Stadtpfarrer Frank Faulhaber hat sich die Lebensqualität deutlich verbessert. Und er blickt dabei positiv in die Zukunft: „Ja, das Leben ist wunderschön. Es ist uns von Gott aufgegeben, daraus etwas zu machen.“

An der Podiumsdiskussion nahmen außerdem Prof. Dr. Burkhard Göke, Direktor der Medizinischen Klinik II in Großhadern und Dr. med. Reinhard Lange, Leiter des Bauchzentrums und Transplantationsbeauftragter der Pfaffenhofener Ilmtalklinik teil. Vom Verband Lebertransplantierte Deutschland e.V. war Helmut Thaler auf dem Podium. Die Veranstaltung moderierte Julia Nether vom Bayerischen Rundfunk.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.): Weihbischof Anton Losinger, Burkhard Göke, Bruno Meiser, Julia Nether, Reinhard Lange, Helmut Thaler und Pfarrer Frank Faulhaber.