Eine neue Chororgel für St. Josef in Memmingen
In der Memminger Hauptkirche St. Josef steht fortan eine neue Chororgel. Diese wurde am Sonntagabend von Bischof Dr. Bertram Meier im Rahmen eines Pontifikalamtes gesegnet. In seiner Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit betonte er, dass man in der Musik und im Leben den richtigen Ton treffen müsse. Das Instrument selbst stammt aus der Karthause Buxheim und hat nun nach einer aufwendigen Restauration eine neue Heimat gefunden.
Fünf Jahre dauerte der Prozess, bis die neue Chororgel nun gesegnet werden konnte. Seit 1956 stand das von Albert Reiser geschaffene Instrument in der Klosterkirche der bei Memmingen gelegenen Karthause Buxheim. Da dieser seit geraumer Zeit nur noch selten für Gottesdienste genutzt wird, sorgte sich die Pfarreiengemeinschaft um eine würdevolle Nutzungsmöglichkeit. Gleichzeitig wurde der Platz der Orgel in der Klosterkirche auch für zwei rückgeführte Altäre benötigt.
In der Stadtpfarrkirche St. Josef, die Ende der 20er Jahre errichtet worden ist, war von Beginn an eine eigene Orgel für den Altarraum vorgesehen. Spätestens mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden diese Pläne allerdings fallengelassen. Fast 100 Jahre nach ihrer Errichtung konnte die ursprüngliche Planung nun vollendet werden. Wie im Bauplan vorgesehen, erhielt die heimatlose Orgel ihren Platz hinter dem Hochaltar, von dem sie weitgehend verdeckt wird. Durch die elektrische Traktur ist sie aber auch als Fernorgel von der Empore aus spielbar. Sie hat insgesamt 22 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. In St. Josef soll sie beispielsweise Stundengebete und Tauffeiern begleiten, die im Hochchor stattfinden. Dieser konnte von der Hauptorgel bislang aufgrund der enormen Distanz nicht bespielt werden.
Bischof Bertram betont Bedeutung der Kirchenmusik
In seiner Predigt ging Bischof Bertram zu Beginn auf das Konzilsdokument „Sacrosanctum Concilium“ ein. Dort heißt es: „Die Kirchenmusiker mögen, von christlichem Geist erfüllt (...), Vertonungen schaffen, welche die Merkmale echter Kirchenmusik an sich tragen und nicht nur von größeren Sängerchören gesungen werden können, sondern auch kleineren Chören angepasst sind und die tätige Teilnahme der ganzen Gemeinde der Gläubigen fördern.“ In diesem kurzen Abschnitt werde deutlich, so der Bischof, dass die Musik wie die Kirche als ganze, von der „Inspiration des Heiligen Geistes“ lebe. Und so hielt er auch fest: „Wir sind nur dann Kirche Christi, wenn wir uns seinem Geist öffnen und um sein Kommen bitten.“ Noch ein zweiter Aspekt werde in der Konstitution betont: „Es zählen nicht nur die großen Werke, sondern auch die vielen kleinen. So wird die Chororgel auch eher bei Anlässen mit einer kleineren Besetzung oder Personenzahl verwendet als beim triumphalen Orgelkonzert. Das soll ihren Wert jedoch keineswegs mindern.“ Oft seien es nämlich gerade die leiseren Töne, die vielen angenehm seien. Entscheidend sei vielmehr, dass die auf der Orgel gespielte Musik „von christlichem Geist erfüllt dem Lob des Herrn und der Verkündigung seiner Botschaft“ diene.
Mit der Hilfe des Heiligen Geistes Umbrüche meistern
Aber nicht nur in der Musik, sondern auch im Leben allgemein gelte: „Der richtige Ton macht’s.“ Offensichtlich bestehe bei uns Menschen auch eine Sehnsucht nach Harmonie und Einklang. Einklang dürfe aber nicht mit Eintönigkeit verwechselt werden. Bischof Bertram: „Von Anfang an gab es völlig verschiedene Stimmen und Sichtweisen, auch schon bei den Jüngern. Der Geist Jesu aber führte sie nach dessen Auferstehung zusammen in einem Saal, wo sie versammelt um die Gottesmutter Maria „einmütig“ (Apg 1,14) beteten.“ Gerade in der heutigen Zeit bräuchten wir angesichts der vielen Umbrüche und Spannungen in Kirche und Gesellschaft die Hilfe des Heiligen Geistes. „Beten wir darum, dass das vielerorts vernehmbare, disharmonische Tönen bald verstummt und in einen Einklang mündet, der Unterschiede nicht nivelliert, wohl aber ein Gefühl der Gemeinschaft stärkt“, so der Bischof. Der Gemeinde wünschte er zum Schluss: „Mögen die Klänge dieser neuen Chororgel dabei helfen, uns dem Geist Gottes zu öffnen, seine Nähe zu spüren und uns innerlich neu einzustimmen, damit wir in uns selbst und in unseren Mitmenschen das Gute zum Klingen bringen.“
Den Festgottesdienst am Sonntagabend gestaltete der Kirchenchor St. Josef mit Projektsängerinnen und -sängern weiterer Chöre aus Memmingen und Umgebung mit der „Messe solenelle“ für Chor und zwei Orgeln von Louis Vierne. Die Leitung oblag Chordirektor Maximilian Pöllner. An den beiden Orgeln spielen Christoph Hauser und Julian Heinz.
Ablauf einer Orgelweihe
Orgeln spielen in der westlichen Tradition eine wichtige Rolle in der Feier des Gottesdienstes und werden daher vor ihrer ersten Benutzung von einem Geistlichen, meist dem Bischof, gesegnet. Durch die sogenannte „Orgelweihe“ wird sie feierlich für den Gottesdienst und das geistliche Konzert bestimmt. Nach der Predigt begibt sich der Zelebrant an den Spieltisch, singt einen Lobpreis und spricht ein Segensgebet. Danach besprengt er die Orgel mit Weihwasser und beräuchert sie mit Weihrauch. Es folgt daraufhin das erste Spiel.
Vom Kloster in die Stadtpfarrkirche
Die Kirche St. Josef in Memmingen wurde zwischen 1927 und 1929 errichtet. Sie ist der erste katholische Kirchenneubau nach der Reformation. Grund hierfür war die steigende Anzahl an Katholiken, nachdem Memmingen 1803 an das Königreich Bayern gefallen war. Die feierliche Weihe vollzog im Oktober 1929 der damalige Weihbischof Karl Reth. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Zuge einer Renovierung im Jahr 1980. Auf der Westempore befindet sich seit 1980 eine Orgel von Georg Jann, diese wird nun durch die aus Buxheim stammende Chororgel ergänzt.
Das Kloster in Buxheim beherbergte über Jahrhunderte Mönche des Karthäuserordens, bis es im Zuge der Säkularisation 1803 aufgehoben wurde. Der letzte dort verbliebene Mönch starb 1860. Zwischenzeitlich gehörte die Anlage dem Salesianerorden, Teile werden als Museum genutzt. Die zugehörige Klosterkirche St. Maria besitzt ein prächtiges Chorgestühl, wird allerdings seit 1994 nur noch unregelmäßig gottesdienstlich genutzt und ist ebenfalls Teil des Museums.