Kloster Maria Medingen

29.07.2015 18:06

Augsburg (pba). Anfang Juli hat ein Großbrand im Kloster Maria Medingen einen verheerenden Schaden in der Ebnerkapelle, der Sakristei sowie den angrenzenden Räumen des Klostergebäudes angerichtet. Eine Schwester der dort ansässigen Dillinger Franziskanerinnen ist dabei ums Leben gekommen. Die Schwestern, die derzeit noch in Nebengebäuden des Klosters untergebracht sind, zeigen sich noch immer schockiert von den Erlebnissen und Auswirkungen der Brandnacht. Vor allem der Tod der Mitschwester habe sie schwer mitgenommen, schilderte Provinzoberin Schwester Edith Krupp heute bei einem Rundgang, zu dem die Schwestern eingeladen hatten. Auch Diözesankonservator Dr. Michael Schmid und Günter Selentin von der Versicherungskammer Bayern informierten dabei über die entstandenen Schäden und die derzeitige Sachlage.

Schwester Edith äußert sich sichtlich betroffen. Foto: Maria Steber /pba.

„Wir sind traumatisiert von dem schrecklichen Erlebnis der Brandnacht, für uns ist das alles ein Drama“, betonte Schwester Edith. Von den insgesamt 28 Schwestern seien 22 in den Nebengebäuden untergebracht worden, sechs wurden in ein Kloster in der Nähe gebracht. „Wir sind überwältigt von der großen Anteilnahme und Solidarität, die uns von außen entgegenkommt: vom Bischof, der Diözese, anderen Ordensgemeinschaften und der Bevölkerung. Das ermutigt und macht Hoffnung“, sagte die Schwester.

Das Feuer hatte ausgehend von der Sakristei in die angrenzende Ebner-/Margaretenkapelle übergeschlagen und dort für verheerende Schäden gesorgt: „Der Brand stellt einen der größten Katastrophenfälle in Bayern bei kirchlichem Kunst- und Kulturgut seit Ende des 2. Weltkrieges dar“, stellte Diözesankonservator Dr. Schmid fest. Die Ebner-/Margaretenkapelle hätte bis zum Brand zu den Kleinoden des schwäbischen Rokoko gezählt, sagte Schmid. Das ehemals farbprächtige Deckenfresko des Dillinger Meisters Vitus Felix Rigl sei aufs Schwerste geschädigt worden, es bestehe aber die Chance, dass man Teile des Originals retten und restaurieren könne. „In der ersten Phase ist es jetzt erstmal wichtig, alles zu retten, was zu retten ist. Derzeit laufen Erstmaßnahmen wie Notsicherungen und Bestandsaufnahmen. Die Restaurierung wird sich sicher über mehrere Jahre hinwegziehen“, so der Diözesankonservator. Auch die Sakristei, in der das Feuer ausgebrochen war, wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.

In den weitläufigen Klostergängen seien vor allem bedeutende Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert von einer immensen Rußauflage betroffen, sagte Dr. Schmid. Der Ruß habe „ein großes Schadenspotential, weil er die Farbschicht beschädigt.“ Altersbedingt hätten die Bilder unabhängig von dem Brand schon weitere Schäden gezeigt, deshalb seien mit der Rußentfernung gleichzeitig größere Arbeiten verbunden. Da die Versicherung nur für die brandbedingten Schäden aufkomme, seien die Schwestern gerade hier besonders auf Unterstützung, Spenden und Patenschaften von Seiten der Bevölkerung angewiesen.

Wie es zu dem nächtlichen Brand kam, steht noch nicht fest: „Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes laufen“, sagte dazu Günter Selentin von der Versicherungskammer Bayern.

Auch die Höhe des Schadens könne laut Versicherungskammer noch nicht genau benannt werden: „Wir sind gerade dabei, die Schadenslage zu erfassen.“ Ersten Schätzungen zufolge werde sich die Schadenssumme wohl auf rund 20 Millionen belaufen. Wichtigstes Ziel sei jedoch, den Schwestern einen schnellstmöglichen Umzug zurück in ihre Wohnräume zu ermöglichen.

Für Geldspenden haben die Franziskanerinnen ein Konto eingerichtet:

Kontonummer: 10262458
Sparkasse Dillingen
BLZ 722 515.20
IBAN: DE95 7225 1520 0010 2624 58
BIC: BYLADEM1DLG
Eine Spendenbescheinigung kann ausgestellt werden.

Informationen zum Kloster:
Das Kloster Maria Medingen wurde im mittleren 13. Jahrhundert ursprünglich als Dominikanerinnenkonvent gegründet. Ab 1716 folgte ein großzügiger spätbarocker Neubau der Klosterkirche und der Klosteranlagen nach Plänen von Dominikus Zimmermann. Insbesondere die kostbare Kirchenausstattung mit Stuck und Deckenfresken ist ein frühes Meisterwerk der später weithin berühmten Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann. Von 1753-55 wurde mit dem Anbau der Ebnerkapelle (auch Margaretenkapelle genannt) begonnen, die als Meisterwerk des schwäbischen Rokoko gilt. Im Rahmen der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst, im Jahr 1843 besiedelten die Dillinger Franziskanerinnen das Kloster neu. Im Laufe des 20. Jahrhunderts fanden umfassende Restaurierungen des Bau- und Kunstbestandes statt. Durch den Brand im Juli 2015 wurden Teile der Ebnerkapelle massiv zerstört, die Sakristei stark beschädigt. Die meisten Flure des Klosters sowie zahlreiche Kunstwerke in den Klostergängen wurden stark verrußt.

Foto: Maria Steber /pba.
Das ehemals farbprächtige Deckenfresko wurde aufs Schwerste beschädigt. Foto: Maria Steber /pba.
Die Sakristei: von dort aus hat sich der Brand entwickelt. Foto: Maria Steber /pba.