Porträtreihe "Unsere Dekane"

Frank Deuring: Menschen in Beziehung bringen

26.07.2019 09:40

(Füssen) Es sind Menschen, die sich gegenseitig an den Schultern fassen und dadurch einen Kreis bilden. Ein Teelicht steht inmitten des Kreises, „Beziehung“ steht auf einer Karte, die vor der Steinskulptur auf dem Tisch liegt. Die kleine, runde Figur auf dem Besprechungstisch des Pfarrhauses gibt das Ziel und Programm von Dekan Frank Deuring ziemlich genau wider. Seit 2008 ist Frank Deuring Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Füssen und Dekan des Dekanats Marktoberdorf. Den Austausch zu pflegen und Menschen miteinander in Verbindung zu bringen ist seine Vision im Dekanat und noch mehr in der Pfarreiengemeinschaft Füssen.    

Foto: Pfarrer Frank Deuring, Dekan von Marktoberdorf (Maria Steber / pba).

„Als Dekan ist es meine Aufgabe, den Haupt- und Ehrenamtlichen Stützen anzubieten, Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln und Angebote zu schaffen, die den Mitarbeitern eine Hilfe sind in ihrer konkreten Arbeit vor Ort“, beschreibt Pfarrer Deuring sein Aufgabenprofil. Seit seiner Priesterweihe im Jahr 1999 habe sich ein starker gesellschaftlicher und kirchlicher Wandel vollzogen, ist sich Dekan Deuring im Blick auf die vergangenen Jahre sicher. Gerade deshalb ist es ihm besonders wichtig, neue Ideen für die Zukunft zu entwerfen. „Die Kirche hat heute eine untergeordnete Relevanz im Leben der Menschen. Eine religiöse Erziehung der Kinder ist nicht mehr selbstverständlich. Als Pfarrer oder pastoraler Mitarbeiter muss man ihnen nicht selten einfache Grundlagen des Glaubens beibringen, zum Beispiel wie man das Kreuzzeichen macht.“ In den Kindertagesrichtungen im Dekanat läge deshalb ein besonderer Augenmerk auf der religionspädagogischen Stärkung der Mitarbeiterinnen, betont er.

Die rasante Veränderung von Kirche und Gesellschaft ist ein Thema, das Pfarrer Deuring auch in seiner Pfarreiengemeinschaft Füssen bewegt. „Im Gebet habe ich Gott schon oft die Frage gestellt, wie und wo der Weg der Kirche ist“. Eine Antwort darauf sucht er seit rund zwei Jahren auch gemeinsam mit den Gläubigen in den Füssener Pfarreien. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie unsere Traumgemeinde der Zukunft aussehen könnte. Im Anschluss daran haben wir in einer großen Umfrage zur Pastoralentwicklung die Menschen in Füssen und den angrenzenden Gemeinden gefragt, wie ihre Vorstellung von ‚Kirche der Zukunft‘ konkret aussieht.“ Aus den vielen gesammelten Ideen habe sich dann ein gemeinsamer, zentraler Wert und Leitbegriff herauskristallisiert, nämlich „Beziehung“, schildert der Pfarrer.

Mit Gott in Beziehung zu treten durch Gottesdienst und Gebet, aber auch den Kontakt mit Menschen zu suchen, die nicht zur Kerngemeinde gehören, lautet seitdem die Vision der Pfarreiengemeinschaft Füssen für die kommenden Jahre. „Wir haben sieben Arbeitskreise gebildet, die in verschiedenen Bereichen neue Ideen entwickeln: So gibt es zum Beispiel neue Experimente in der Sakramentenvorbereitung oder wir bieten Gottesdienste an, die sich an bestimmte Zielgruppen wenden. Familien nehmen wir mit speziellen Angeboten wie Wallfahrten oder gemeinsamen Wochenenden verstärkt in den Blick.“ Über die große Motivation der Beteiligten an der Umsetzung des Pastoralkonzepts freut sich Dekan Deuring besonders. 

Der Glaube komme vom Hinhören auf Gott, in dieser Annahme scheint sich der Füssener Pfarrer sicher. „Auch wenn ich auf meine Fragen nicht gleich Antworten bekomme, Gott sagt schon wo es lang geht. Das habe ich immer wieder so erfahren dürfen“, sagt Deuring, der erst nach einer abgeschlossenen Ausbildung zum Großhandelskaufmann den Weg zum Priester über den dritten Bildungsweg eingeschlagen hat. „Schon als Kind und Jugendlicher war ich in meiner Heimat in Memmingen als Ministrant, Gruppenleiter und Lektor sehr aktiv in der Gemeinde. Irgendwann ist die Sehnsucht immer größer geworden, der Frage nachzugehen, wo Gott mich haben will und was er mit mir vorhat.“       

Ein wichtiger „Kraftort“ in seinem Dekanat ist für den Pfarrer der Ort des Hl. Magnus, die Kirche St. Mang in Füssen. „Ich fühle mich mit dem Heiligen sehr verbunden. Er hatte eine enge Beziehung zu Gott“. Die Widerstände, die ihm der Legende nach in Form des Drachens entgegengekommen seien, habe er nicht getötet, sondern er habe das Böse gebändigt. „Wenn ich Widerstände erfahre, versuche ich diese auch erstmal in Gelassenheit anzuschauen und sie dann ins Gebet mitzunehmen.“

Die Schönheit der Natur in seinem Allgäuer Dekanat nutzt Frank Deuring vor allem dann, wenn er seinen Hobbys nachgeht: beim Bergwandern, Schwimmen oder Fahrradfahren. Kraft schöpft er neben dem Gebet auch bei seinen regelmäßigen Treffen mit Freunden. Die Steinskulptur auf dem Besprechungstisch des Arbeitszimmers gibt seine Vision vor. Auch für sein Privatleben scheint dies zu passen.          

 

Text: Maria Steber
Juli 2019