Lektorat & Akolythat

Geistliche Grammatikstunde im Priesterseminar

01.02.2021 19:10

Bischof Dr. Bertram Meier hat im Augsburger Priesterseminar sechs junge Männer zu Lektoren und drei mit dem Dienst des Akolythen beauftragt. Die Predigt des Bischofs geriet dabei zu einer unterhaltsamen und eindringlichen geistlichen Grammatikstunde.

Bischof Bertram beauftragte im Augsburger Priesterseminar sechs Lektoren und drei Akolythen. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Die Dienste des Lektors, der im Gottesdienst das Wort Gottes verkünden darf, und des Akolythen, der dort verschiedene liturgische Aufgaben versieht, bezeichnete der Bischof als „Etappen auf dem Weg der Berufung“. Bischof Bertram zu den Priesteramtskandidaten: „Ihre Berufungsgeschichte texte nicht ich – auch als Bischof habe ich dafür keine Kompetenz… Was ich heute als Bischof tun kann, ist nicht texten, sondern Satzzeichen setzen: helfen, dass die Interpunktion stimmt in Ihrem Berufungstext.“

So sollten die Lektoren mit dem Verlesen des Wort Gottes die „Stimme des Wortes“ sein – und damit ein Ausrufezeichen setzen. Wichtig sei, so der Bischof, als Lektor authentisch zu sein: „Der Ton muss zu Ihnen passen!“

Wenn man als Lektor seinen Auftrag erfülle, müsse man aber auch Fragezeichen setzen. Bischof Bertram: „Was bedeutet mir das Wort Gottes? Welche Rolle spielt es in meinem Leben? …Ist die Bibel für mich wirklich das Buch der Bücher? Ist es Gottes Wort im Menschenwort – inspiriert, erfüllt vom Heiligen Geist? Ist Gottes Wort mein Grundnahrungsmittel?“

Ein weiteres wichtiges Satzzeichen an diesem Tag sei das Komma, denn, so der Bischof: „Freuen wir uns, dass wir heute mit Ihnen in ihrer Berufungsgeschichte ein wichtiges Komma setzen dürfen, doch dieses Komma leitet einen neuen Satzteil ein. An Ihnen liegt es, liebe Brüder, an Ihrer persönlichen Berufung weiter zu texten. Material dafür gibt es in Hülle und Fülle: Erkenntnisse und Erlebnisse, Höhepunkte und Talsohlen, Beziehungen und Freundschaften, Krisen und Spannungen. Alles darf hinein in Ihren Berufungstext, damit er reich wird und reif für die Entscheidungen, die auf Sie warten.“

Schließlich spielte in der Predigt des Bischofs auch der Gedankenstrich eine Rolle: „Setzen Sie statt Schlusspunkten lieber Gedankenstriche! Wir sind manchmal versucht, Dinge im Hau-Ruck-Verfahren lösen zu wollen. Doch das ist geistlich gesehen nicht immer stark, höchstens halbstark. Zu gerne und zu schnell werden eigene Ideen, Strebungen und Wünsche mit dem Willen Gottes verwechselt und gleichgesetzt. Wir ahnen zwar irgendwie, dass da etwas nicht in Ordnung ist, aber reden nicht darüber, lassen lieber alles im Halbdunkel und mogeln uns durch. Für mich habe ich in meinem Hirtendienst neben meinen Wahlspruch die Handlungsmaxime gestellt: Handle transparent und konsequent! Oft sind es alte geistliche Lehrer, die dabei helfen können. So rät Johannes Cassian (ca. 360-435) im Hinblick auf die Gabe der Unterscheidung, die für eine Lebensentscheidung grundlegend ist: „Um leicht zur wahren Unterscheidung (discretio) zu kommen, muss man auf den Spuren der Alten gehen, das heißt sich an einem geistlichen Leiter ausrichten.“ Machen Sie als Lektoren und Akolythen keinen Punkt, sondern einen Gedankenstrich! Lassen Sie sich beraten und begleiten! Denn der Text Ihres Lebens ist längst nicht fertig.“