Religion und Wirtschaft

17.11.2014 12:20

Sind Religion und Wirtschaft Gegensätze? Behindern Religion und religiöse Überzeugungen gar die wirtschaftliche Entwicklung? Diesen Fragen ging die Sektion Wirtschafts- und Sozialwissenschaft der Görres-Gesellschaft bei ihrer Jahrestagung (13./14. November) in Augsburg nach. Die Görres-Gesellschaft ist ein Zusammenschluss katholischer Wissenschaftler und Intellektueller. In die Tagung, die von den beiden Ökonomen Nils Goldschmidt (Siegen) und Jörg Althammer (Ingolstadt) geleitet wurde, nahm auch Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger teil. Eröffnet wurde die Tagung, in die auch ein Workshop für Nachwuchswissenschaftler zum Thema "Wirtschaftsethik" eingebunden war, von Joachim Zweynert, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Witten/Herdecke.

Professor Zweynert vertrat die provokante These, dass die schwierigen wirtschaftlichen Transformationprozesse in Russland zu einem guten Teil auch auf religiöse Wurzeln zurückzuführen sind. Orthodoxer Glaube befördere ein ganzheitliches und organisches Denken, das nur schwer mit modernen marktwirtschaftlichen Denkweisen vereinbar sei, so Zweynert. Die aktuelle Lage in Russland und die Sehnsucht nach einer starken Nation seien so besser zu verstehen.

Die unsichtbare Hand als Metapher für die Wirksamkeit freier Märkte war das Thema des Wirtschaftsphilosophen Michael Aßländer. Das Bild der unsichtbaren Hand, das von dem schottischen Ökonomen Adam Smith geprägt wurde, lässt sich nur vor dem Hintergrund der theologischen Diskurse im 18. Jahrhundert erklären. Dahinter steht die Vorstellung eines göttlichen Wirkens, das Natur und Gesellschaft zum Guten hin ordnet. Fraglich ist freilich, ob eine solche Sicht noch heute das Leitbild einer modernen Wirtschaftswissenschaft sein kann.

Zwei Vorträge widmeten sich den Wurzeln der christlichen Soziallehre. Winfried Kreis aus Hamburg verwies darauf, dass die soziale Frage Katholiken wie Protestanten vor die Herausforderung stellte, ihre Lehren grundlegend zu überdenken. Der Frankfurter Sozialwissenschaftler Alexander Ebener betonte, dass die Entstehung der Katholischen Soziallehre eng mit den Debatten in den Wirtschaftswissenschaften des 19. Jahrhunderts verbunden sei. Heute müsse sich die Soziallehre allerdings fragen lassen, ob sie die aktuellen Diskussionen noch wirkungsvoll begleite.

Nähere Informationen finden Sie unter www.goerres-gesellschaft.de.