Christlich-islamischer Dialog

Grußwort zu Beginn des Ramadan

02.04.2022 11:09

An diesem Samstag, 2. April, beginnt für Muslime in aller Welt der Fastenmonat Ramadan. In seinem Grußwort an die muslimischen Gläubigen auf dem Gebiet des Bistums Augsburg erinnert Bischof Bertram daran, sich trotz aller gegenwärtigen Krisen auf das Wesentliche zu besinnen und die Fastenzeit als „geschenkte Zeit für uns Menschen“ zu betrachten. Der Wunsch nach Frieden verbinde die Gläubigen aller Religionen, so der Bischof.

Das Grußwort von Bischof Bertram zu Beginn des Fastenmonats Ramadan und zum Fest des Fastenbrechens im Wortlaut:

Sehr geehrte muslimische Gläubige, liebe Geschwister im Glauben an den Einen Gott auf dem Territorium des Bistums Augsburg,

heute beginnt Ihre alljährliche Fastenzeit – sicherlich anders geprägt als vor einem Jahr, aber weiterhin in einer besonderen Zeit. Als Bischof der Diözese Augsburg sende ich Ihnen dazu auf diesem Weg einen herzlichen Gruß.

Auch wenn es in diesem Jahr kaum noch Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie mehr gibt, sind die Sorgen und die Not vieler Menschen nicht weniger geworden. Von den Folgen der Corona-Pandemie haben wir uns noch lange nicht erholt; ich denke nicht zuletzt an Menschen, die unter Langzeitfolgen einer Erkrankung leiden, aber auch an diejenigen, deren soziales Netz in dieser Zeit löchrig wurde, an Gemeinden und Vereine, die noch weit entfernt sind von einem normalen gemeinschaftlichen Miteinander, an psychische Belastungen und wirtschaftliche Probleme. Schon belasten uns neue Nachrichten mit dem Krieg in der Ukraine, mit dem unglaublichen Leid so vieler Menschen und mit den hier ankommenden Geflüchteten. Wir spüren, dass auch die Klimakrise immer drängender wird.

Da tut es gut, sich auf das Wesentliche zu besinnen, auf Gott, der uns geschaffen hat, der uns leben lässt und zu Taten der Barmherzigkeit anspornt. Die Fastenzeit – die wir Christen aktuell ja auch in Vorbereitung auf das Osterfest begehen – ist immer eine geschenkte Zeit für uns Menschen. Gott schenkt uns eine Zeit des Verzichts, ja, aber auch mehr Zeit für das Gebet, für unsere Beziehung zu Gott und zu den Menschen, für die Gemeinschaft und für den Dienst am Nächsten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der diesjährigen Fastenzeit neu die Erfahrung machen dürfen: Unser Leben wird leichter und reicher, wenn wir die Augen, Herzen und Hände für unsere Mitmenschen öffnen.

Der Wunsch nach Frieden verbindet uns alle, die Gläubigen aller Religionen und auch alle Menschen guten Willens: Frieden in unseren Herzen und in unserem Miteinander, Frieden in der Ukraine und in allen Kriegsgebieten dieser Erde, die in diesen Wochen in den Hintergrund gerückt sind. Möge der Allmächtige Ihnen im Ramadan die Wunden des Vergangenen heilen und aufs Neue Gemeinschaft, Kraft und Hoffnung für das Kommende geben, dazu den ersehnten Frieden schenken. Dann ein frohes und befreites Fest des Fastenbrechens!

Mit diesen guten Wünschen und in Verbundenheit grüßt Sie

Dr. Bertram Meier

Bischof von Augsburg