Hochfest Maria, Schutzfrau Bayerns

Apostolischer Administrator: „Helfen wir einander beim Knotenlösen“

01.05.2020 11:42

Der Apostolische Administrator Dr. Bertram Meier hat am heutigen Hochfest Maria, Schutzfrau Bayerns in der Bischöflichen Hauskapelle ein starkes Plädoyer für das Gebet, speziell das Rosenkranzgebet, gehalten. „Der Rosenkranz führt uns in die Tiefe. Indem er die Knotenpunkte des Lebens Jesu ausleuchtet, stellt er auch unsere Lebensknäuel in neues Licht“, betonte der ernannte Bischof in seiner Predigt. 

Apostolischer Administrator Dr. Bertram Meier. (Fotos: katholisch1.tv)

Dabei nahm er die Knoten zerstrittener Ehepaare ebenso in den Blick wie die in unseren Gemeinschaften und Gruppen - auch in der Kirche - sowie die Schlingen, in denen ein Mensch mit sich allein ist. „Helfen wir einander beim Knotenlösen“, ermutigte Bischof Bertram die Mitfeiernden vor den Bildschirmen. Auch in der ersten feierlichen Maiandacht am Abend stellte er den Rosenkranz in den Mittelpunkt eines kurzen Geistlichen Wortes.

Denn für den ernannten Bischof ist eines klar, gerade auch in der schwierigen Zeit, in der wir uns aktuell befinden: „In seiner Machtlosigkeit erscheint der Mensch nirgendwo mächtiger als wenn er betet.“ Daher wünschte sich Bischof Bertram, dass wir als Kirche wieder hinkommen zu realem Beten und Liturgie in Gemeinschaft nicht nur in der virtuellen Welt. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass Gebet von vielen als Not und Segen zugleich empfunden werde. „Beten lernt man nicht wie Vokabeln aus dem Schulbuch. Beten lernen wir im Leben.“ Und der ernannte Bischof ging deshalb noch einen Schritt weiter: „Wenn Beten in die Tiefe gehen soll, dann braucht es Wurzeln im Leben, Vorbilder, für die das Beten eine Art Wasserzeichen des Lebens war.“

Er habe sich deshalb einmal vorzustellen versucht, wie eine Kirchengeschichte aussähe, wenn sie einmal ganz anders geschrieben würde: nicht als Papstgeschichte, nicht als Geschichte der Triumphe und Skandale, sondern als Geschichte des Gebetes. „Es wäre ein schwieriges Unterfangen, weil es sehr Persönliches, ja Intimes anrührt.“ Aber darin ließe sich auch erkennen, wie oft gerade die Kleinen und Geringgeschätzten die Entscheidungen der Kirche vorbereitet und getragen, ja sogar mit getroffen haben durch ihr Gebet, so der Bischof, der sich nicht nur von vielen treu begleitet und getragen weiß, sondern in seinen Eltern auch starke „Lehrer des Gebetes“ hatte.

Das erste Kapitel dieser Gebetsgeschichte würde Bischof Bertram der Gottesmutter widmen. „In ihrer Ohnmacht liegt ihre Vollmacht. In ihrer Feinheit und Unaufdringlichkeit liegt ihre Kraft“, betonte er. Am Bild der Maria Knotenlöserin in der Augsburger Innenstadtkirche St. Peter am Perlach, das von Papst Franziskus so hoch geschätzt wird, veranschaulichte er die Empathie und Feinfühligkeit der Gottesmutter und bezeichnete den Rosenkranz als das gebetete „Evangelium nach Maria“. Das Bild der Knotenlöserin bringe dieses Evangelium auf den Punkt und gebe dem Gebet Tiefgang und Weite zugleich. Denn auch bei Maria sei menschlich betrachtet nicht alles glatt gelaufen, so der Bischof.

„Ohnmächtig sieht Maria aus, als der Knoten sich zuzieht am Karfreitag – doch mit welcher Vollmacht wird sie zum Mittelpunkt für einen Freundeskreis, die Kirche, der um seine Zukunft bangt, da ihm sein Herz, der Auferstandene, entzogen ist“, so Bischof Bertram. Im Obergemach, wo Jesus das Abendmahl gefeiert hat, habe das Gebet der Apostel Tiefgang bekommen und das Obergemach sei gleichsam zur Gebetsschule geworden. Nach und nach erschienen die Geschichten, die sie sich einander erzählten, in einer ganz neuen österlichen Perspektive. Das Ergebnis war, dass der Knoten des Karfreitags sich auflöste und das Band der Heilsgeschichte weiter gewoben wird. „Und so gilt dieses Bild (der Knotenlöserin) nicht nur für die große Menschheit, sondern auch für unsere ganz persönlichen Lebensläufe“, legt der Bischof den Mitfeiernden ans Herz.

 

Am Abend des 1. Mai feierte Bischof Bertram in der Bischöflichen Hauskapelle eine erste feierliche Maiandacht, in der er das Bistum - wie zuletzt schon am 25. März - der Muttergottes weihte. In einem kurzen Geistlichen Wort zu Beginn der Andacht lud der Bischof die Gläubigen vor den Bildschirmen dazu ein, im Monat Mai besonders den Rosenkranz zu beten und auf Maria zu schauen. Damit blieben wir aber nicht bei der Muttergottes stehen, sagte der Bischof. "Mit den Augen Marias nehmen wir einzelne Stationen des Lebens Jesu in den Blick. Dabei gehen wir weit über den historischen Jesus hinaus und schauen auf den auferstandenen und erhöhten Christus." 

Zum Abschluss des Gottesdienstes, der von Domkapellmeister Stefan Steinemann und Domorganistin Claudia Waßner musikalisch gestaltet wurde, spendete Bischof Bertram den sakramentalen Segen, besonders für jene, denen durch Corona Schaden, Leid und Trauer zugemutet wird.

  

Bischof Bertram wird über den heutigen Tag hinaus die Einladung von Papst Franziskus, vor allem im Mai den Rosenkranz zu beten, aufgreifen. „Ich selber verstehe mich als Vorbeter des Bistums“, erklärte der Apostolische Administrator dazu. An den folgenden Samstagen des sogenannten Wonnemonats, also am 9., 16., 23. und 30. Mai, wird er deshalb jeweils um 19 Uhr in der Bischöflichen Hauskapelle den Rosenkranz beten, der live auf der Bistumsseite, der Facebookseite des Bistums und bei katholisch1.tv übertragen wird.

Bischof Bertram erneuerte heute Abend die Weihe des Bistums Augsburg an die Gottesmutter.