Bischof Bertram beim Diözesanrat

"Hören wir aufeinander - ich baue auf Euch!"

18.06.2021 18:15

Nur virtuell, aber trotzdem im intensiven Austausch: Bei der erstmals komplett online durchgeführten Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Augsburg rief Bischof Bertram an diesem Freitag mit Blick auf den sog. „Synodalen Weg“ in Deutschland dazu auf, sich „einzuklinken in den weltweiten synodalen Prozess, der bis 2023 dauern soll.“ In seiner Predigt im Gottesdienst zum Auftakt der Versammlung bezeichnete der Bischof die synodale Kirche als „Kirche des Zuhörens“ und „Werkstatt des Heiligen Geistes“. Den Mitgliedern des Diözesanrats rief er zu: „Ich baue auf Euch!“

Nach dem live übertragenen Gottesdienst, den Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Maria Stern unter Leitung ihres Lehrers Bernhard Ledermann - selbst Diözesanratsmitglied - musikalisch umrahmt hatten, wurde die Vollversammlung als Videokonferenz durchgeführt.

Umrahmten den Gottesdienst musikalisch: Michaela Wörner, Felicitas Liepert, Bernhard Ledermann, Jacob Kramer, Jonathan Mocker (v.l.)

Die Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz berichtete von zahlreichen Initiativen während der Corona-Pandemie, um die Arbeit der Laien auch in der Zeit des Lockdowns aufrechterhalten zu können – unter anderem half ein Online-Stammtisch für Pfarrgemeinderatsvorsitzende, den gegenseitigen Austausch lebendig zu halten. Hildegard Schütz zu diesem neuen Format: „Wir sehen, dass wir alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben und dass uns ähnliche Dinge erfreuen und gelingen. Das macht stark und gibt neuen Mut, sich auch in Zukunft im Pfarrgemeinderat zu engagieren.“

Angesichts der von Bischof Bertram eingesetzten Unabhängigen Aufarbeitungskommission und der Bestellung eines Ordinariatskanzlers sieht die Diözesanratsvorsitzende „die Diözese gut aufgestellt hinsichtlich des Umgangs mit dem Thema Missbrauch“. Sie hob auch die Haltung des Bischofs zum umstrittenen Thema einer Segnung homosexueller Partnerschaften hervor, die er in einer Talkrunde des BR noch einmal dargestellt hatte. Bischof Bertram selbst steckte dazu vor dem Diözesanrat erneut den pastoralen Rahmen ab:

"Obwohl die Glaubenskongregation beim ersten Lesen ihres im Frühjahr erschienenen Dokumentes die gängige Lehre der katholischen Kirche scheinbar nur wiederholt, geht die Antwort auf das Dubium doch über die bisherigen Äußerungen hinaus und setzt einen klar pastoralen Schwerpunkt. Das finde ich für ein Lehrdokument der Glaubenskongregation durchaus bemerkenswert. Die Kirche verweigert keiner Person den Segen Gottes, wenn sie darum gebeten wird. Doch sie unterstreicht die Besonderheit der Ehe als stabile und exklusive Verbindung zwischen Mann und Frau. Daher steht für die Kirche außer Frage, homosexuelle Menschen zu segnen, jedoch ist deren Verbindung, zumal wenn sie einer Ehe gleicht, klar davon zu unterscheiden. Selbstverständlich stehen die seelsorglichen Angebote, die wir in unseren Pfarreien machen, allen Menschen, welcher sexuellen Orientierung auch immer, offen."

Grundsätzlich rief Bischof Bertram im Miteinander zu einer Kultur des Wortes auf und zitierte Ignatius von Loyola: "Versuchen Sie immer, die Meinung des Bruders und die Meinung der Schwester zu retten. Hört erstmal lange, wägt ab und werdet still - und dann ergreift das Wort."

Nach der Aussprache und verschiedenen Regularien beschäftigte sich der Diözesanrat noch mit dem Thema „assistierter Suizid – Leben am Lebensende“, zu dem Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger einen Fachvortrag hielt.