Bruderschaftsfest

Hoher Umgang in Oberelchingen

13.06.2021 16:28

Die Oberelchinger Klosterkirche gilt als eines der Juwele bayerisch-schwäbischer Barockbaukunst und ist zudem ein beliebtes Wallfahrtsziel der Region. Bischof Bertram hat am Sonntag gemeinsam mit der dort ansässigen Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens das Wallfahrts- und Bruderschaftsfest des „Hohen Umgangs“ gefeiert.

Die Konsultoren der Oberelchinger Bruderschaft beim "Hohen Umgang" (Fotos: Julian Schmidt / pba)

In seiner Predigt setzte der Bischof sich mit dem Thema der Kirche und ihrer Rolle in der Beziehung zwischen Gott und den Menschen auseinander. Diese habe sich im Laufe der Zeiten immer wieder gewandelt. Noch vor etwa hundert Jahren seien zahlreiche Katholiken ihrer Kirche positiv, ja sogar begeistert gegenübergestanden. Heute hingegen beobachte man zunehmend ein „Sterben der Kirche in den Seelen“. „Wir erleben es rund um uns, mitten unter uns, meistens als das langsame, schleichende, unmerkliche Sterben an geistlicher Unterernährung“, so Bischof Bertram.

Bischof Bertram bei der Predigt

Selbst im kirchlich geprägten Umfeld wachse vielfach die Distanz zu „Mutter Kirche“ – ein Bild, das damals der heilige Kirchenvater Augustinus gewählt und geprägt habe. „Eine Frau ist ganz intim mit ihrem Kind verbunden. Auf diese Weise kann sie ihm das Leben vermitteln. Mutter sein bedeutet: leben im Leben; im eigenen Leben neues Leben wachsen sehen. Gott will uns das neue Leben schenken. Er tut es durch Mutter Kirche“, erklärte Bischof Bertram. Sie sorge für die Menschen und beschenke sie mit Gottes Wort und Sakrament als Quellen des Heils.

Die Kirche als „Mutter“ zu bezeichnen, eröffne aber noch ganz andere Parallelen und Einsichten, betonte der Bischof. Genauso wie Geschwister ganz unterschiedlich sein können, so stehe die „Mutter Kirche“ für Vielfalt und gutes Miteinander: „Gewiss gibt es Grenzen, und wir haben Maß zu nehmen am Grundsatz des hl. Augustinus: „Im Notwendigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem die Liebe“. Doch in diesem Rahmen spannt sich der Freiraum auf für die Vielfalt im Beten und Singen, eine Vielfalt an Glaubens- und Lebenswegen, an Standpunkten und Meinungen, an Aufgaben und Diensten. Wer diese Vielfalt einebnen möchte, nimmt der Kirche das Leben.“

Pfarrer Sebastian Nößner überreicht den Neumitgliedern ihr Skapulier

Im Umkehrschluss bedeute das auch, dass man Spannungen und sogar Konflikte innerhalb der christlichen Gemeinschaft aushalten müsse. Wichtig sei, dass sich die Mitglieder einer Familie davon nicht auseinanderdividieren ließen, sondern „festhalten an der Einheit und einander in Liebe in den Mantel der Wahrheit helfen.“ Eine gute Mutter sei auch gelassen und lasse ihren Kindern bei aller Liebe und Fürsorge auch den Freiraum, sich von ihr zu distanzieren oder gar abzuwenden. Er habe der „Mutter Kirche“ als Mensch, Christ und Priester viel zu verdanken, betonte der Bischof abschließend in seiner Predigt und äußerte seine Wünsche für die Zukunft der Kirche: „dass sie auch den nicht abschreibt, der sich entfernt hat; dass sie für die betet, die sich verabschiedet haben; dass sie mit jenen leidet, die an ihr leiden; dass sie denen Mutter ist, die mutterseelenallein sind.“

Im Rahmen des Bruderschaftsfestes wurden auch die neuen Mitglieder der Gebetsvereinigung aufgenommen. Bischof Bertram segnete dabei die Skapuliere, die die Bruderschaftsmitglieder als Zeichen ihrer Verbundenheit miteinander im Gebet tragen. Am Ende der Messe beging er schließlich den „Hohen Umgang“ und führte das Allerheiligste in feierlicher Prozession durch die Klosterkirche, bevor er den Gottesdienstbesuchern schließlich den eucharistischen Segen erteilte.

Bischof Bertram beim Hohen Umgang in der Klosterkirche Oberelchingen

Das Kloster Oberelchingen ist eine ehemalige Benediktinerabtei und wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Seit 1644 besteht dort die Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens, die 1688 wiederum in den Dritten Orden der Serviten eingegliedert wurde und seitdem das Schwarze Skapulier tragen darf. Im jährlich stattfindenden Bruderschaftshochfest des „Hohen Umgangs“ wird zehn Tage nach Fronleichnam eine in Oberelchingen verehrte Statue der Mater dolorosa von den Konsultoren der Bruderschaft durch die Straßen getragen. Coronabedingt musste die Prozession heuer allerdings in verkleinerter Form stattfinden.

Das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes in Oberelchingen
Bischof Bertram spendet die Kommunion
Die Klosterkirche Oberelchingen von Norden aus gesehen