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Nachruf

Im Gedenken an den Künstler Georg Bernhard

27.10.2026 10:25

Anfang Oktober ist mit Georg Bernhard (1929-2026) eine herausragende Künstlerpersönlichkeit im Alter von 97 Jahren verstorben. Mit seinem künstlerischen Wirken hinterlässt er bistumsweit eindrucksvolle Spuren durch die Gestaltung von Glasfenstern, Kircheninnenräumen und Altargegenständen. Ein Nachruf des diözesanen Kunstbeauftragten.

Fresko des jüngst verstorbenen Künstlers Georg Bernhard (1929-2026) im Altarbereich der Bischöflichen Hauskapelle. (Foto: Daniel Jäckel / pba)

1929 in der Zwischenkriegszeit zu Augsburg(-Kriegshaber) als Zwilling geboren, mit enger Bindung an seinen Bruder, einen Architekten, und einen weiteren Bruder, der Arzt wurde, wuchs Bernhard in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater wurde als aktiver Sozialdemokrat von den Nationalsozialisten verfolgt und inhaftiert. Begabung und Talent führten den Knaben bereits früh an die Augsburger Kunstschule, die aus der Reichsstädtischen Kunst-Akademie Augsburgs, die im 19. Jahrhundert zur königlichen Kunstschule wurde, hervorging. Bereits 1948 wurde er in die Klasse von Prof. Hermann Caspar an der Münchner Kunstakademie aufgenommen, dessen Meisterschüler er wurde.

Diverse Kunstpreise anerkannten seine Leistung, sodass ihn 1953 ein Rom-Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes in die Ewige Stadt führte, was ihn nachhaltig förderte. So lag es nahe, dass auch der Bischöfliche Kunstreferent Monsignore Josef Kunstmann auf die Begabung aufmerksam wurde und ihn an künstlerische Aufgabenstellungen im Kirchenbau unseres Bistums heranführte. 1957 beauftragte ihn der Augsburger Diözesanbischof Joseph Freundorfer (1894-1963) mit der Ausmalung seiner Hauskapelle. 1986 überarbeitete er sein Apsis Fresko im Vorfeld des Papstbesuchs Johannes Pauls II. Die qualitätvolle Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Form eines „Gnadenstuhls“, dem Kreuz Jesu Christi, das getragen ist vom liebenden Gott-Vater samt Heiligem Geist in Gestalt einer Taube, lässt das Studium der europäischen Kunst erkennen und zeugt beispielhaft von Bernhards eigenständiger Bildsprache.

Eine Vielzahl künstlerischer Ausgestaltungen in Kirchen und Kapellen im Bistum Augsburg und überregional hinterlassen ein qualitätvolles Œuvre, das bis heute Maßstäbe setzt. Das pädagogische Wirken Bernhards führte ihn daneben seit 1967 als Dozent an die Augsburger Kunstschule zurück. 1971 erhielt Georg Bernhard mit der Umwandlung dieser angesehenen Institution zur Fachhochschule für Gestaltung einen Ruf als Professor für Zeichnen und Entwurf. Der Verfasser erlebte ihn hier als glasklar-kritischen Begleiter seiner Studierenden, denen er strenge jedoch immer wohlwollende Begleitung bot. Bei den Kultur- und Kunstschaffenden in Augsburg war seine oft berechtigt kritische Stimme gehört und geschätzt. Ihm ging es immer um Qualität. Nicht nur für Künstler war er eine inspirierende Persönlichkeit.

Bernhards lebenslange Beschäftigung mit dem Medium Zeichnung - „Ich zeichne, um zu sehen“ - ist wohl seine herausragendste Lebensleistung. Er nahm sich die großen Themen der Kulturgeschichte vor - bis hin zum eindrucksvollen Zyklus Totentanz, den er im Diözesanmuseum und der Augsburger Moritzkirche ausstellte. Sein verdienstvolles Werk, das seinen Höhepunkt bereits in den 1980er Jahren erlebte, ist in die erste Reihe der Deutschen Zeichnung des XX. Jahrhunderts einzuordnen.   

Felix Landgraf-Weitlauff