Darstellung des Herrn

„Im Licht der Welt entdecken wir uns selbst“

02.02.2021 18:52

Bischof Bertram hat das Fest der Darstellung des Herrn im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamts im Hohen Dom begangen. In seiner Predigt richtete er sich an zahlreiche anwesenden Ordenschristen, die heute auch den Tag des gottgeweihten Lebens begehen. Der Gottesdienst wurde live im Internet übertragen.

„Der Herr des Tempels kommt unbemerkt. Nichts Außergewöhnliches ereignet sich. Der Tempel schweigt und betet“, nahm der Bischof Bezug auf das dem Fest zugrundeliegende Ereignis. Nach altem jüdischen Brauch wurde Jesus von seinen Eltern vierzig Tage nach seiner Geburt in den Tempel gebracht, um ihn als Erstgeborenen dem Herrn zu weihen. Dort erkannten mit Hanna und Simeon zwei ältere Juden, wer dort in den Tempel gebracht wurde und priesen ihn als „König der Herrlichkeit.“

In Analogie zum Tempel von Jerusalem vor zweitausend Jahren sei auch der Augsburger Dom heute erfüllt von der Herrlichkeit des Herrn, betonte der Bischof. Die im Gottesdienst versammelte Gemeinde schauten auf Christus als das „Licht der Völker“, in dem sie sich selbst neu erkennen würden. Von besonderer Bedeutung seien dabei Menschen, die Anschauungsunterricht erteilten und in ihrem gottgeweihten Leben selbst den Weg zum Licht wiesen: „Auch sie sind ein Zeichen, dem widersprochen wird. Aber es leuchtet ein: Wer gegen den Strom schwimmt, eckt an. Doch wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.“

Dieses „gegen den Strom schwimmen“ äußere sich besonders in den drei evangelischen Räten, denen Ordenschristen sich verpflichtet fühlen. Durch das Zeichen der Armut zeigten sie, dass die Dinge dieser Welt nicht alles sein könnten. „Ihre Lebensform lehrt uns, dass alles unter einem heiligen Vorbehalt steht“, so Bischof Bertram. Auch die Keuschheit sei als eine radikale Hinwendung zu Gott hin zu verstehen: „Unsere tiefste Sehnsucht ist ein Du. Doch ohne Gott wäre alles und jeder eine Nummer zu klein. So lernen wir gerade heute die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen besser verstehen.“

Der evangelische Rat des Gehorsams bedeute schließlich die Abkehr von Eitelkeit, Stolz und Rücksichtslosigkeit hin zu einem Dasein für die Mitmenschen. „Wo die Ellbogen regieren, da versuchen Sie zu umarmen. Während die Fäuste sich ballen zur Demonstration, zeigen Sie, dass es auch anders geht. Ihre Alternative sind die gefalteten Hände, die auf den hindeuten, an den Sie sich gebunden haben im Wissen darum, dass Seine Hände gute Hände sind“, sagte der Bischof.

Er selber habe persönlich erleben dürfen, wie viel Licht ein Ordenschrist verbreiten könne: Als schwerkrankes Kind im Josefinum, als Seminarist durch Jesuiten in Rom oder als Priester und Bischof in von Ordensschwestern geleiteten Exerzitien. Der an Lichtmess 1945 ermordete Jesuit Alfred Delp habe dafür besonders eindrückliche Worte gefunden, schloss der Bischof: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.“

Weihbischof Florian Wörner spendet den Blasiussegen (Foto: Annette Zoepf / pba)

Im Anschluss an den Festgottesdienst wurde den anwesenden Gläubigen der traditionelle Blasiussegen gespendet. Dieser Segen geht auf den heiligen Bischof und Märtyrer Blasius von Sebaste zurück und wird als Gebet gegen Halskrankheiten verstanden.

Das Fest der Darstellung des Herrn wird bereits seit der Spätantike gefeiert und galt unter dem Namen „Mariä Lichtmess“ lange Zeit als Marienfest. Seit den Liturgiereformen der 1960er Jahre hat es seinen Charakter als Herrenfest wiedererlangt. 1997 wurde der Tag von Papst Johannes Paul II. zudem zum Tag des gottgeweihten Lebens deklariert. Traditionell werden während des Festgottesdienstes Kerzen zum Altar gebracht und dort gesegnet.