Bischof Bertram gibt Impulse aus römisch-katholischer Sicht
Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) als zentral für das Verhältnis zwischen römisch-katholischen und evangelischen Christinnen und Christen bezeichnet. Dies gelte für ihn „aus historischer Perspektive, aber vor allem angesichts der ökumenischen Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen“, sagte Bischof Bertram an diesem Dienstag bei einer Tagung des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbunds (DNK/LWB) in Augsburg. Die Vorbereitungen auf das Jubiläum der Übergabe der Bekenntnisschrift auf dem Augsburger Reichstag 1530, die sich 2030 zum 500. Mal jährt, standen im Vordergrund des dreitägigen Treffens.
Der Bischof begrüßte die evangelischen Glaubensgeschwister an diesem Tag nicht nur als katholischer Ortsbischof, sondern brachte als Mitglied der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz und des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der im großen Jubiläum mündende Weg „ökumenisch, geschwisterlich und ertragreich sein möge“. Um diese knapp fünf Jahre dauernde Zeit in ökumenischer Verbundenheit mitzugestalten, kommentierte er die Bekenntnisschrift aus römisch-katholischer Perspektive und schaute auf diesem Hintergrund auf die Planungen zum Jubiläum.
Dabei warb Bischof Bertram einerseits darum, Christus als Zentrum und Ziel der Ökumene nicht aus den Augen zu verlieren und somit unsere Christusbeziehung und Gemeinschaft zueinander zu vertiefen, andererseits für eine „ökumenische Kultur des Zuhörens“. Vor knapp 500 Jahren sei der Versuch einer nachhaltigen kirchlichen und theologischen Versöhnung in der abendländischen Christenheit auch daran gescheitert, weil es an Geduld, Diplomatie, Kompromissbereitschaft gefehlt habe. „Ernten wir gemeinsam die Früchte unserer Dialoge und lassen wir die Schätze dieses Miteinanders ihr hermeneutisches Potenzial entfalten“, blickte der Bischof dankbar auf die offiziellen Ökumene-Dokumente wie etwa die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 zurück.
Schließlich hoffe Bischof Bertram darauf, dass beim bevorstehenden Jubiläum die christliche Multilateralität sowie die konfessionelle Buntheit der Stadt Augsburg sichtbar und hörbar werde. „Die Stimmen, auf die wir besonders hören müssen, wären diejenigen der Jugend. In diese Richtung gehen auch Überlegungen innerhalb unseres Bistums“, warf der Bischof einen Blick voraus.
Vom 1. bis 3. Dezember 2025 tagt die Versammlung des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbunds (DNK/LWB) in Augsburg. Das Programm soll die Möglichkeit bieten, sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Confessio Augustana (CA) und dem bevorstehenden 500-jährigen Jubiläum auseinanderzusetzen sowie erste Ausblicke auf die für 2030 geplante Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds am Ort der Feierlichkeiten zu bekommen. Das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes ist das höchste Entscheidungsgremium der elf deutschen Mitgliedskirchen in der internationalen Kirchengemeinschaft des Weltbundes. Der Lutherische Weltbund mit Sitz in Genf umfasst 154 lutherische Kirchen mit rund 78 Millionen Mitgliedern in 99 Ländern.