Bistum

Jahresempfang mit Bundesentwicklungsminister Müller: „Wir müssen mutiger, sichtbarer und hörbarer werden“

08.10.2019 10:15

Augsburg (pba). Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller hat gestern in Augsburg bekräftigt, dass Religion die Kraft und die Botschaft habe, auf die drängenden Fragen der Globalisierung die richtigen Antworten zu geben und diese gerecht zu gestalten. „Wir müssen mutiger, sichtbarer und hörbarer werden, um die Schöpfung zu bewahren und die Welt zu einem friedlicheren und sichereren Ort zu machen“, forderte der Bundesminister gestern beim Jahresempfang des Bistums in seinem Vortrag zum Thema „Eine Welt – Unsere Verantwortung“.

Mit Appellen für eine gerechtere und zukunftsfähige Welt im Gepäck kam Bundesentwicklungsminister Müller als Festredner zum Jahresempfang des Bistums. (Fotos: Annette Zoepf / pba)

Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier hieß im Haus Sankt Ulrich rund 400 Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur zwanzigsten Auflage des Jahresempfangs willkommen. Die große Anzahl an Gästen sei „ein starkes Zeichen“ dafür, dass den Anwesenden „das Zusammenwirken mit der Kirche von Augsburg wichtig“ sei. Diese kostbare Erfahrung habe letztlich auch den Ausschlag dafür gegeben, diese gute Tradition trotz Vakanz des Bischofsstuhls auch heuer fortzuführen, so der Diözesanadministrator. Die Weichen für den Festredner seien allerdings noch durch den emeritierten Bischof Dr. Konrad Zdarsa gestellt worden.

„Es freut uns außerordentlich, dass sie auf die Anfrage so schnell Ja gesagt haben“, begrüßte Prälat Dr. Meier den Festredner als gebürtigen Krumbacher nicht ganz ohne Stolz als „einen von uns“. Dem Minister aus Schwaben sei es in den vergangenen Jahren gelungen, „dem Auftrag des Ministeriums, das in den zurückliegenden Jahrzehnten oft eher ein Schattendasein geführt hat, Beachtung und Gewicht zu verschaffen, im politischen Kräftespiel ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung“. Ein weiterer Weckruf für die Öffentlichkeit durch Bundesminister Müller folgte an diesem Abend mit seinem „anregenden und ins Gewissen redenden Vortrag“, wie Prälat Meier die Festrede abschließend würdigte.

Dabei appellierte Müller für eine neue Verantwortungsethik, die nicht an den Anderen abgeschoben werden dürfe, sondern bei einem selbst beginnen und eine Veränderung im Lebensstil und im Konsum zur Folge haben müsse. „Wir leben über die Verhältnisse anderer“, mahnte er. Wir als Christen stünden deshalb in der Verantwortung vor Gott, dem Nächsten und aktuell vor einer Weggabelung. „Führen wir den Planeten an den Rand der Apokalypse oder besinnen wir uns“, fragte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

"Einer von uns": Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier freute sich über den prominenten Festredner aus dem Bistum Augsburg.

Minister Müller nahm auch die Kirchen in die Pflicht, indem er sie zu noch mehr Engagement im fairen Handel und im Bereich Klimaschutz aufrief. Kirchliche Einrichtungen sollten nur noch fairen Kaffee ausschenken. Zudem müssten alle Pfarr- und Bischofshäuser klimaneutral betrieben werden, so Müller. Mehrfach zitierte der Minister in diesem Zusammenhang Papst Franziskus, der dazu aufgefordert hatte, die Globalisierung der Gleichgültigkeit zu überwinden. „Partnerschaft statt Ausbeutung“ müsse es heißen. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem“, stellte Müller mit Blick auf die großen Zukunftsfragen der Menschheit fest.

Den Religionen, speziell der katholischen Kirche, komme im Kampf für mehr Frieden, Gerechtigkeit und Klimaschutz eine wichtige Rolle zu. Als „größte Entwicklungs- und Friedensorganisation der Welt“ sei sie auf allen Kontinenten präsent und würde sich für das Recht jedes Menschen auf ein Leben in Würde einsetzen. „Wir Christen stehen für Toleranz und Menschenrechte, wir kämpfen für Gerechtigkeit.“ Ein Kampf, den Bundesminister Müller an vielen Fronten selbst mit großem Einsatz zu führen bereit ist, wie an mehreren Stellen der Rede deutlich wurde. Sei es mit der Einführung des „grünen Knopfs“ als Zeichen für Nachhaltigkeit oder im Anstoßen neuer Bündnisse im deutschen Großhandel im Engagement für ökologisch und sozial fair produzierte Waren.

Musikalisch erlebten die Gäste einen Hörgenuss, der ihnen die Vision von der Einen Welt eindrucksvoll vor Augen führte. Mit dem Kameruner Njamy Sitson (Gesang, Percussion) und dem gebürtigen Unterallgäuer Peter Bader (Klavier) teilten sich nicht nur zwei Vollblutmusiker die Bühne, sondern begeisterten mit Spontaneität und „einer Sprache, die seit jeher Grenzen zu überwinden vermag“, wie der Diözesanadministrator bereits zu Beginn in seiner Begrüßung ankündigte.

Gerd Müller ist 1955 in Krumbach (Schwaben) geboren. Er erlernte zunächst einen kaufmännischen Beruf, bevor ihn sein beruflicher Werdegang nach dem Studium an der KU Eichstätt-Ingolstadt schon früh in die Politik führte. Seit nunmehr zweieinhalb Jahrzehnten ist Müller Mitglied des Deutschen Bundestags. Davor gehörte er von 1989 bis 1994 bereits dem Europäischen Parlament an und war in dieser Zeit Geschäftsführer der EVP-Fraktion. Ab 2005 war Gerd Müller als Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tätig, ehe er 2013 als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in die Regierungsverantwortung gerufen wurde. Er ist Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken und wohnt in Kempten-Durach.

Die beiden Musiker Peter Bader und Njamy Sitson begeistern mit internationalen Rhythmen und Melodien...
... und ernten dafür den verdienten Applaus.
Diözesanadministrator Bertram Meier überreicht Minister Müller das Ulrichskreuz.