Dreihostienfest in Andechs

"Jesus führt uns in die Weite!"

26.09.2021 21:00

Andechs (pba). Beim traditionellen Dreihostienfest in Andechs hat Bischof Dr. Bertram Meier eine „weite Kirche“ gefordert. „Jesus“, so der Bischof“, traut uns zu, dass wir leben können, ohne dass wir alles kleinlich vorschreiben oder kleinkariert festlegen müssten. Jesus, der gute Hirte, führt uns in die Weite.“ Das nehme er sehr ernst auch für sein Hirtenamt: „Ich möchte nicht diejenigen über mich und die mir anvertrauten Gläubigen Macht gewinnen lassen, die Angst haben vor zu großer Weite und deshalb die Schafe lieber in einem engen Stall einpferchen wollen. Freilich: Im Stall kann man nicht viel falsch machen, dazu gibt es auch zu wenig Bewegungsfreiheit. Aber dort kann man nicht einmal richtig leben – höchstens darauf warten, dass man gemolken, geschoren und schließlich geschlachtet wird.“

Die Monstranz mit den Hostien stand im Mittelpunkt des Dreihostienfestes auf dem Heiligen Berg in Andechs (Foto: Ulrich Bobinger /pba).

Das Dreihostienfest erinnert an die Frühzeit der Andechser Wallfahrt und wird immer am letzten Sonntag im September gefeiert. Die Hostien waren im 12. Jahrhundert von Rom über Bamberg auf die Andechser Burg gelangt. Nach Zerstörung der Burg galten sie lange als verschollen. Ihre Wiederauffindung 1388 erregte großes Aufsehen und belebte die Andechser Wallfahrt neu, deren Anfänge ins 11. Jahrhundert zurückreichen.

Normalerweise wird beim Dreihostienfest die Monstranz nach dem Festgottesdienst in feierlicher Prozession um den Berg getragen – dies ging in diesem Jahr coronabedingt noch nicht, die Monstranz wurde auf dem Altar verehrt - der Gottesdienst konnte bei herrlichem Spätsommerwetter im Freien stattfinden.

Das Dreihostienfest wurde im Freien neben der Klosterkirche gefeiert. Links im Bild Abt Johannes (Foto: Ulrich Bobinger / pba).

Für Bischof Bertram ist „Prozession“ aber auch eine Frage der inneren Einstellung: „Das Wort kommt ja vom lateinischen „procedere“, was so viel heißt wie: vorwärtsgehen, fortschreiten, nach vorne gehen. Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten; er muss voranschreiten. Das gilt auch für unser kirchliches Leben. Für die Kirche gibt es keinen Fortschritt im Rückwärtsgang. Sie soll Schritt halten mit den Menschen; sie muss beweglich bleiben, um neue Wege zu finden, damit das Evangelium Jesu Christi richtig ankommt; Jesus will Kommunikation – in einer Sprache, für die man kein Fremdwörterlexikon braucht, sondern die das Volk hören und verstehen kann. Wer auf der Stelle tritt, der kann vielleicht Sauerkraut stampfen, das man dann einmacht und 'konserviert'; aber Jesus will keine 'Konservenkirche', keinen sauertöpfischen Verein, sondern eine lebendige und liebenswerte Gemeinschaft mit Esprit, um nach vorn zu schreiten.“

Die Monstranz mit den drei Hostien (Foto: Ulrich Bobinger / pba).

In Bezug auf den Anlass des Festtages sagte der Bischof: "Die Hostie ist nicht nur unser Allerheiligstes; kein Ding, sondern Person: der Allerheiligste. Ohne ihn können und wollen wir nicht leben. Wie an Fronleichnam, so halten wir heute Christus hoch; wir lassen ihn hoch-leben, damit wir auch schwierige Zeiten unversehrt überleben. Nicht um Personen geht es uns, nicht um uns selbst oder irgendwelche Lobbyisten, die es auch in der Kirche gibt, sondern um IHN, den Herrn, der in seiner großen Barmherzigkeit alle an sich zieht."