Ostermontag

"Jesus neu auf die Spur kommen"

13.04.2020 12:06

Augsburg (pba). Das Evangelium von den Emmausjüngern sei geradezu „wie für uns geschrieben“, stellte Bischof Dr. Bertram Meier in seiner heutigen Predigt zum Ostermontag in Bezug auf die Corona-Krise und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen fest. Denn gleichsam wie bei den Jüngern lade es uns dazu ein, zu zweit oder als Familie bei einem Spaziergang mit gebotener Distanz miteinander intensiv ins Gespräch zu kommen, „einander noch tiefer und wohlwollender kennen und schätzen zu lernen“ und „Jesus neu auf die Spur zu kommen“.

Bildquelle: katholisch1.tv

Elf Kilometer und mindestens zwei Stunden Gehzeit hätten die Jünger auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus zurückgelegt. Diese Zeit jedoch sei ihnen wie im Flug vergangen. Denn anhand von Weissagungen des Alten Testamentes habe der unbekannte Weggefährte die beiden Männer über den Grund der Kreuzigung und Auferstehung ihres Freundes und Herrn aufgeklärt: Auf ihrem Weg, noch bevor sie den Kurort Emmaus erreicht hätten, „wird es ihnen warm ums Herz, fängt ihr Herz zu brennen an“, betonte Dr. Meier und verwies dabei gleichzeitig auf die Bedeutung des Ortsnamens „Emmaus“. Abgeleitet vom hebräischen Verb „hamam“, was so viel wie „warm werden“ bedeute, hätten die Jünger in Emmaus eine Kuroase gefunden, um herunterzufahren von ihrem Stress, den sie mit Jesus gehabt hätten: Einen Ort der „warmen Quellen“, das „Ziel für das Aufatmen von Leib und Seele“, einen Wellnessort im heutigen Sinne. Auch wir würden diese „warmen Quellen“ und Orte der Entspannung noch heute schätzen, wo alles Unliebsame und Belastende von uns abfalle: die Geysire auf Island, Schwimmbäder oder Thermalbecken, zählte Bischof Bertram auf.   

„Ehepartner, Geschwister, Freunde sind für mich heute die Emmausjünger, die miteinander durchs Leben gehen“, wandte sich Bischof Bertram an die Gläubigen und lud sie dazu ein, bei Gesprächen im Alltag auch Glaubensfragen und religiösen Dingen mehr Präsenz einzuräumen. Der Abstand, der beim Emmausspaziergang eingehalten werden müsse, sei überdies gut gefüllte, sicherte er zu: „Denn dazwischen – in der räumlichen Distanz – läuft ein unsichtbarer Weggefährte mit: Jesus, der Auferstandene, der uns begleitet auch in dieser delikaten Zeit.“

Die Botschaft des Evangeliums wurde den Gläubigen beim heutigen Gottesdienst auch bildlich vor Augen gestellt. Denn gleichsam „als lebendige Predigt zum Evangelium“ trug Bischof Bertram eine passende Stola, auf der die Emmausjünger zusammen mit dem Auferstandenen zu sehen waren.