Porträtreihe: Unsere Dekane

Jürgen Eichler: „Die Kirche ist mein Leben“

17.07.2020 10:21

(Nördlingen) Schwaben, Franken und ein Dekan mit altbayerischen Wurzeln: Diese Mischung macht das flächenmäßig größte, von der Katholikenzahl her kleinste Dekanat im Bistum Augsburg schon allein zu einem ganz besonderen. Seit Herbst 2017 ist Jürgen Eichler nicht nur Pfarrer von Wallerstein, sondern gleichzeitig auch Dekan von Nördlingen. Mit den Menschen und der Gegend fühlt er sich mittlerweile vertraut und selbst mit der Straßenführung in seinem Dekanat scheint er sich inzwischen bestens auszukennen.   

Der Dekan von Nördlingen: Pfarrer Jürgen Eichler (Foto: Maria Steber / pba).

„Als Pfarrer und Dekan möchte ich bei den Menschen das Feuer für Jesus Christus neu entfachen. Das Thema Neuevangelisierung ist mir da ganz wichtig“, stellt Jürgen Eichler sein Programm für das Dekanat vor. Die Frage, wie man das Glaubensfeuer zum Lodern bringen kann, treibt den gebürtigen Schrobenhausener schon lange um. „Glaube soll nicht einfach aus Tradition passieren“, ist Eichler überzeugt. Auch bei den Konferenzen und Zusammenkünften, die innerhalb des Dekanats regelmäßig stattfinden, sei die Neuevangelisierung stets ein wichtiges Thema. „Viele Pfarreien bieten mittlerweile Alpha-Kurse oder Abende der Versöhnung an. Da ist es schön zu sehen, wenn viele Leute kommen, das Angebot der Beichte wahrnehmen oder einfach betend da sind“, freut sich Eichler. Und dennoch: Von Erfolg möchte er in diesem Rahmen mit Nachdruck nicht sprechen. „Mir geht es nicht darum, irgendwelche Lorbeeren zu ernten. Ich will einfach nur tun, für was ich beauftragt bin“, sagt er in einer Bescheidenheit, die man ihm abnimmt. „Ich bin kein Karrieremensch“, betont er.

Was seine Berufung im Leben ist, das hat der Dekan schon früh gespürt. „Schon bei meiner Erstkommunion hatte ich das Gefühl Pfarrer werden zu wollen“, erzählt Eichler, der später auch als Ministrant und Mesner aktiv war. Sein Weg jedoch verlief nicht geradlinig: Nach Besuch der Hauptschule und dem Nachholen der Mittleren Reife an der Wirtschaftsschule wollte er mit einer Banklehre beginnen, eine Stelle hatte er schon. Aber sein Ansinnen, Priester zu werden, ließ auch dann nicht nach: „Ich war getrieben davon, Seelsorger zu sein und habe dies auch all die Jahre über nie in Frage gestellt. Das war ein Prozess“, versucht er seinen Weg zu beschreiben, der ihn schließlich zum Spätberufenenseminar der Karmeliten in Bamberg und ins Priesterseminar nach Augsburg geführt hat. „Die Beziehung zu Jesus war in meinem Leben immer maßgeblich. Die Kirche war mein Leben, meine Freizeit, meine Heimat“, schildert er.

Auch bis heute hat sich dies nicht geändert: Als besonderen Ort in seinem Dekanat nennt Jürgen Eichler die Pfarrkirche in Wallerstein. „Vor schweren Gesprächen gehe ich immer in diese Kirche. Der Ort ist mir lieb geworden und gibt mir Kraft.“ Die Dinge Gott überlassen: so lautet eine Botschaft, die er aus seinem Leben bisher gelernt hat. „Wenn ich selber an die eigenen Grenzen komme, passiert das Große. In der Schwäche kommt die Kraft Christi. Das habe ich schon oft so erlebt.“

Wenn Pfarrer Eichler an besondere Herausforderungen in seinem Dekanat denkt, dann fallen ihm sofort die beiden sehr verschiedenen Mentalitäten der Rieser und Franken ein. „Den Norden und Süden zusammenzubringen ist manchmal gar nicht so einfach“, schildert er. „Aber ich schätze sehr, dass in den Pfarreien des ganzen Dekanats viele Gläubige ehrenamtlich mitarbeiten. Sie gehen dasselbe Ziel gemeinsam mit mir an. Das macht Spaß.“

Seine Vertrautheit im Dekanat stellt der Altbayer spätestens unter Beweis, wenn es um die Heimfahrt der Redakteurin nach Augsburg geht: „Die ausgeschriebene Umleitung fahren’s nicht, die führt über viel zu viele Ecken“, sagt er, zückt sein Handy, schlägt Googlemaps auf und zeigt eine andere, viel schnellere Route. „Die fahren die Einheimischen“, betont er mit einem Augenzwinkern. Und die Redakteurin? War nach einer Stunde am Ziel.      

 

 

Text und Foto: Maria Steber

Juli 2020