Kaufbeurer Ordensfrau vor 25 Jahren heiliggesprochen
Im Jahr 2001 wurde die Kaufbeurer Franziskanerschwester Crescentia Höss (1682 - 1744) von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Das diesjährige Crescentiafest zum Anlass, wurde an diesem Sonntag bei einem Festgottesdienst mit Bischof Dr. Bertram Meier in der Kaufbeurer Pfarrkirche St. Martin auf das 25-jährige Jubiläum der Heiligsprechung und das wirkmächtige Leben der über die Bistumsgrenzen hinweg vielfach verehrten Ordensschwester zurückgeblickt.
In den vergangenen 25 Jahren, die seit der Heiligsprechung vergangenen sind, habe sich vieles verändert, „die Welt sei ins Wanken geraten“, blickte Bischof Bertram in seiner Predigt auf aktuelle Herausforderungen und geopolitische Entwicklungen. Gerade hierbei gelte es, sich auf jenes zu besinnen, was trägt und gelingendes Leben ausmacht, nannte er das Evangelium und die Fürsprache der Heiligen als wertvolle Orientierungshilfen.
Wie im Evangelium dem Türhüter als „Security-Mann“ und „Vertrauensperson“ eine zentrale Rolle zugekommen sei, sei auch für die hl. Crescentia die Klosterpforte sieben Jahre lang vorrangiger Wirkungsort gewesen. „Nicht zuletzt hier legte sie den Grundstein dafür, dass sie zahllosen Menschen mündlich und schriftlich als Ratgeberin dienen konnte. Selbstlosigkeit und Diskretion sind dabei unverzichtbare Haltungen, die wir von ihr lernen können.“ Sich auf den elementaren Verhaltenscodex der Höflichkeit und des sozialen Miteinanders zu besinnen, wertete er gerade heute als dringend notwendig und riet, sich mit Menschen zu verbinden, die sich einer radikalen Freundlichkeit und Höflichkeit verschrieben hätten. „Für Institutionen, ganz gleich ob kirchlicher oder säkularer Natur, kann es entscheidend sein, welche Person einem Fremden, einem angemeldeten oder unangemeldeten Gast, einem interessierten Touristen oder einen gottsuchenden Menschen als erstes entgegentritt.“ Denn für den ersten Eindruck gebe es keine zweite Chance, erinnerte der Bischof.
Angesichts von Ungewissheiten im Blick auf die Zukunft und quälender Ängste riet er, die hl. Crescentia als Lehrmeisterin vor Augen zu haben: „In ihrer praktischen, zupackenden Art und zugleich als tief in der Gottesliebe verankerte Mystikerin verkörpert die heilige Crescentia geradezu die ideale Hüterin des Zugangs zu Christus.“ Sie sei dabei ganz Tochter des heiligen Franz von Assisi gewesen, erinnerte er an ihre Menschenkenntnis, Schlagfertigkeit und Liebe zu allen Geschöpfen. „Wie er vermochte sie mit allen Menschen zu sprechen, fand das rechte Wort für Hoch und Niedrig, Arm und Reich, Stolz und Demütig.“ In einer Zeit wie heute, in der mehr Schein als Sein zähle, warnte Bischof Bertram deshalb, sich nicht von Macht und Reichtum, Publicity und Effekthascherei blenden zu lassen, sondern vielmehr Crescentia zu unserer Lehrmeisterin zu machen.
Nach dem Gottesdienst, der musikalisch vom Martinschor feierlich gestaltet wurde, blieb auf dem Kirchplatz Zeit für Begegnungen und Gespräche.
Der Festgottesdienst bildete den Abschluss einer dreitägigen Tagung, die von Seiten des Klosters der Schwabenakademie Irsee und der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren organisiert wurde. Dabei wurde auf das Leben der Heiligen zurückgeblickt, Hintergründe ihrer Kanonisierung beleuchtet und grundsätzliche Fragen in Bezug auf Heiligsprechungen diskutiert.
Lebensgeschichte der hl. Crescentia
Anna Höß war das sechste von acht Kindern eines Webers und einer heilkundigen Mutter. Da ihre Familie arm war und die notwendige Mitgift nicht aufbringen konnte, gelang es Anna nur durch Vermittlung des evangelischen Bürgermeisters, in das Kloster in Kaufbeuren aufgenommen zu werden. Die Oberin betrachtete ihre Aufnahme als persönliche Niederlage und ließ die schwächliche Crescentia schwere und unsinnige Arbeiten verrichten.
Nach strengen Gehorsamsübungen übernahm Crescentia, wie sie nach der Aufnahme in den Orden hieß, wichtige Aufgaben im Kloster und wurde schließlich 1741 selbst zur Oberin gewählt. Letzthin führte sie das Kloster so erfolgreich, dass neben seiner langfristigen Existenzsicherung noch viel für die karitativen Aufgaben übrig war. Sie starb am Ostersonntag 1744.
Verehrung
Seit ihrem Tod machten unzählige Pilger Kaufbeuren zu einem geistlichen Zentrum Bayerisch-Schwabens. 1900 seliggesprochen, erfolgte ihre Heiligsprechung 2001 durch Papst Johannes Paul II. Das Grab der heiligen Crescentia wird von bis zu 70.000 Menschen im Jahr besucht.
Heute leben im Cresecentiakloster in Kaufbeuren 22 Schwestern im Alter zwischen 29 und 91 Jahren.