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Ordensgemeinschaften

Klosterkirche von Maria Stern wiedereröffnet

Am Wochenende feierten die Franziskanerinnen von Maria Stern in Augsburg mit einer großen Festgemeinde die Wiedereröffnung ihrer Klosterkirche nach einer knapp einjährigen Sanierung sowie deren 450-jähriges Kirchweihjubiläum. Bischof Dr. Bertram Meier, der am Sonntag dem Festgottesdienst zum Patrozinium vorstand, zeigte sich dankbar für die Investition in den Kraftort Klosterkirche und positionierte sich in seiner Predigt gegen Vereinfachung und Verengung, Schwarz-Weiß-Denken und eine gewisse Lernunwilligkeit in der Gesellschaft.

Über 10 Monate lang konnten die Schwestern ihre Klosterkirche nicht fürs Gebetszeiten nutzen. (Fotos: Roswitha E. Mitulla / Katholische Sonntagszeitung)

Die Klosterkirche von Maria Stern war wegen umfangreicher Sanierungsmaßnahmen seit September 2025 geschlossen. In dieser Zeit wurden die Kirchenbänke, der Altar und die Orgel saniert. Ein wichtiger Schritt stellte die Reinigung der Deckenfresken an der Kirchendecke dar. Kerzenruß und Staub hatten Verfärbungen ausgelöst. Gleichzeitig bekam die Kirche eine neue Lichtanlage und Elektrik. Die Firma Dochtermann restaurierte außerdem den prunkvollen Tabernakelaufbau.

Die Begegnung am Jakobsbrunnen

Ausgehend vom Evangelium der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen betonte Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Predigt, dass im Johannesevangelium angesichts der „gepflegten Feindschaft“ zwischen Juden und Samaritanern in dem Gespräch zwischen Jesus und der Frau auch ein „Quäntchen Misstrauen“ mitschwinge. Jesus habe aber die Schlagfertigkeit der Frau sogar honoriert, indem er das Gespräch auf eine theologische Ebene gehoben habe. Während des Gesprächs habe die Frau „Feuer gefangen“: „Diese Mann und seine geheimnisvollen Aussagen zu Gottes Wirken in ihrem ganz persönlichen Leben interessieren sie wirklich. Zu ihrer eigenen Überraschung sieht sie sich von dem Fremden, der doch zu denen gehört, die sich selbst immer als die einzig Rechtgläubigen bezeichnen, ernst genommen.“

Auch der sanierte Altar erstrahlt in neuem Glanz.

Jesus sei ihr im Gegensatz zu vielen seiner jüdischen Zeitgenossen auf Augenhöhe begegnet und habe dadurch deutlich gemacht: „Jesus geht es, damals wie heute, um jeden einzelnen Menschen. Er wendet sich allen zu, ganz gleich, was ,die anderen' denken, selbst wenn es seine Jünger oder heute von sich überzeugte Christen sind. Für ihn zählt immer der Augenblick, in dem sich ein Mensch vorbehaltlos öffnet und seine Sehnsucht nach Heil und Heilung artikuliert!“ Wie selbstverständlich habe sie dann auch das Gespräch auf den Tempel des Samaritanischen Volkes gelenkt.

Eine Klosterkirche als Gnadenort

Auch wir Christen würden davon ausgehen, dass es Gnadenorte oder Kraftorte gebe, an denen es gut und sinnvoll sei „Herz und Sinn zu Gott zu erheben“, so der Bischof. Auch die Klosterkirche Maria Stern sei so ein Ort. Bischof Bertram: „Wenn die Mauern sprechen könnten, wüssten sie viel zu erzählen, von schüchternen oder stürmischen Gebeten, der Hingabebereitschaft junger Herzen, aber auch von manchem Schmerz, weil auch viel Ungewohntes, ja Befremdliches im Klosteralltag auf sie wartete…“ Menschen bräuchten solche Orte, daher sei es gut und richtig, hierfür auch Geld und Mühe zu investieren.

Bischof positioniert sich gegen Lernunwilligkeit

Bischof Bertram predigte am Sonntag im Patroziniumsgottesdienst.

Die besagte Frau vom Jakobsbrunnen werde in der katholischen Kirche als Heilige, in der orthodoxen Kirche sogar als „Apostelgleiche“ verehrt und trage den Namen Photina. „Dieser ökumenische Blick über den Tellerrand ist vielleicht gerade heute besonders notwendig und hilfreich, wo Vereinfachung und Verengung, Schwarz-Weiß-Denken und eine gewisse Lernunwilligkeit in weiten Kreisen der Gesellschaft vorherrschen“, so der Bischof. Die anwesenden Schwestern und Gläubigen rief er dazu auf, sich angesichts der bei uns schutzsuchenden Menschen nicht durch die „Angst vor Überfremdung“ leiten zu lassen:  „Gerade in unseren Reihen sollten wir solchen Versuchungen bewusst die Stirn bieten und nicht müde werden darauf hinzuweisen, dass aus der Sicht Jesu äußere Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, Biografie, Alter und Geschlecht einer Person eine geringe Rolle gegenüber dem spielen, was sie wirklich ausmacht: ihre Sehnsucht nach einer sinnvollen Tätigkeit, nach Glück und Geborgenheit, nach einem Familien- und Freundeskreis, der frei von Intrigen und Gewalt ist.“

Die Franziskanerinnen von Maria Stern

Das Kloster Maria Stern befindet sich in der Augsburger Altstadt unterhalb des Rathauses am Elias-Holl-Platz. Gegründet wurde es im Jahre 1258 durch zwei Augsburger Bürgertöchter. Die heutige Klosterkirche entstand zwischen 1574 und 1576 und trägt das Patronat der heiligen Anna. Bekannt ist sie vor allem für einen der ersten Zwiebelkirchtürme in Bayern. 1802 wurde das Kloster, wie so viele andere Klöster in Bayern, im Zuge der Säkularisierung aufgelöst. 1828 durften die Franziskanerinnen zurückkehren. Im 19. Jahrhundert entstand von Augsburg ausgehend dann auch eine Kongregation, die heute Niederlassungen in Deutschland, Mosambik und Brasilien umfasst. Die Schwestern widmen sich vor allem dem Mädchenunterricht, der Kranken- und Altenpflege sowie der Vorschulerziehung.

Gemeinsam mit dem Bischof freuten sich (v.l.) Msgr. Bernhard Ehler, Sr. M. Concordia Stöcker, Sr. M. Solange Vidal de Lima und Landescaritasdirektor Andreas Magg über die Wiedereröffnung.

1937 wurde die Ewige Anbetung in der Sternkirche eingeführt. 1938 erreichte die Schwesternzahl mit 1260 Frauen in 125 Niederlassungen ihren Höhepunkt. 1944 wurde das Augsburger Mutterhaus bei Luftangriffen schwer getroffen, nur die Klosterkirche blieb unversehrt. Im Nachkriegsdeutschland traten die Sternschwestern vor allem als Schulschwestern in Erscheinung. Noch heute tragen die mittlerweile zum Schulwerk des Bistums gehörenden Einrichtungen in Nördlingen, Augsburg und Immenstadt ihren Namen. 2023 wurde die aktuelle Generalleitung gewählt. Sie besteht aus der Generaloberin Sr. M. Solange Vidal de Lima, der Generalvikarin Sr. M. Fatima Döring und den drei Generalrätinnen Sr. M. de Fátima Paiva, Sr. M. Johanna Hilmer und Sr. M. Sofia Salanga. Die deutsche Provinz wird von Sr. M. Concordia Stöcker geleitet.

 

Das Team von katholisch1.tv hat die Sanierungsmaßnahmen in drei Videos dokumentiert: