Porträtreihe: „Unsere Dekane“

Martin Straub: Wanderer auf den Spuren Jesu

Dekan Martin Straub ist in seiner Freizeit am liebsten in den Bergen unterwegs. (Foto: privat)
15.02.2019 11:30

(Vöhringen) Im vergangenen Dezember hat die sechsjährige Amtszeit der Dekane im Bistum Augsburg begonnen. Mit einer Porträtserie möchten wir Ihnen nun die einzelnen Dekane näher vorstellen. Den Anfang der Reihe macht Dekan Martin Straub (Dekanat Neu-Ulm), den es bereits vor vielen Jahren aus dem Allgäu an die Iller verschlagen hat.

Einen Lieblingsort hat Martin Straub im Dekanat Neu-Ulm bereits gefunden. „Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich sehr gerne an der Iller spazieren“, erzählt der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen, der im Januar 2019 in sein neues Amt als Dekan von Neu-Ulm eingeführt wurde. „Seit der Renaturierung des Flusses kann man dort das Wasserrauschen wieder viel intensiver hören“, fügt er nachdenklich und mit einen Lächeln hinzu. 

Von der Iller aus ist es nur ein Katzensprung zum Vöhringer Pfarrheim und Dekan Straubs Büro. Mit Aussicht auf die Pfarrkirche St. Michael geht er dort seiner neuen Aufgabe als Dekan nach. Das bedeutet für Martin Straub in erster Linie, die Priester und pastoralen Mitarbeiter im Dekanat Neu-Ulm als Ganzes in den Blick zu nehmen. Viel Gemeinsames könne er dabei feststellen, betont er zufrieden und auch ein wenig erleichtert. „Trotz pfarreispezifischer Unterschiede arbeiten wir doch alle an den gleichen Herausforderungen. Mein Ziel ist es, auf dieser Basis einen Austausch zu fördern und eine Einheit zu schaffen.“

Das Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gemeinschaft ist für den Dekan ein wichtiges Stichwort. Dies in einer solchen Größenordnung umzusetzen ist eine Herausforderung, für die Martin Straub aber beste Voraussetzungen mitbringt. „Als ich im September 2014 meine Pfarrstelle in Vöhringen angetreten habe, wurde die Stadtpfarrei gerade mit den Pfarreien Illerzell, Illerberg und Bellenberg zusammengelegt“, erinnert er sich. Auch damals stand er vor der Aufgabe, groß zu denken, um die Interessen von mehr  als 10.000 Katholiken aus vier Pfarreien unter einen Hut zu bringen. Inzwischen gibt es in der PG Vöhringen einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat mit Mitgliedern aus allen vier Pfarreien sowie Gemeinschaftsgottesdienste, Familientage und Veranstaltungen, die von allen mitgetragen werden.

Ein bemerkenswerter Fortschritt, bei dem ihm auch eine Art „Heimvorteil“ zu Gute gekommen sei. „Nach meiner Priesterweihe im Jahr 2001 war ich hier drei Jahre lang als Kaplan im Einsatz. In dieser Zeit habe ich wohl einige Vertrauenspunkte bei den Gläubigen sammeln können“, sagt der gebürtige Westallgäuer und schmunzelt ein wenig dabei. Aufgewachsen ist Straub in Opfenbach im Landkreis Lindau. Nach dem Abitur studierte er Physik und entschloss sich daraufhin für ein Theologiestudium. Auf die Kaplanszeit folgten für Straub zehn Jahre „Spezialaufgaben“, wie er es nennt. Zunächst war er fünf Jahre lang als Bischöflicher Sekretär sowie als persönlicher Referent des Bischofs tätig, danach leitete er als Regens das Augsburger Priesterseminar St. Hieronymus. Bei diesen Tätigkeitsfeldern, die Martin Straub als sehr abwechslungsreich aber zugleich auch fordernd beschreibt, habe er vor allen Dingen Organisationsfähigkeit und Leitungskompetenz erworben. Beides Stärken, von denen er auch bei seiner neuen Aufgabe profitieren kann.

Obwohl Pfarrer Straub bisher all seine Dienste sehr gerne ausgeübt hat, sehe er das eigentliche Ziel seiner Berufung in der „normalen“ Pfarrseelsorge. „Ich bin gerne wieder Pfarrer geworden“, sagt er voller Überzeugung. Auch wenn dadurch nicht mehr ganz so viel Zeit für sein Hobby, das Bergsteigen, bleibt. „Als echter Allgäuer bin ich natürlich am liebsten in den Bergen unterwegs. Skifahren, Wandern – Hauptsache Bewegung und Natur.“ Eine Acht-Stunden-Tour sei da schon drin, merkt er an.

Nicht nur die Alpen, sondern auch das Heilige Land hat Dekan Straub bereits erwandert. Sich gemeinsam mit Pilgergruppen zu Fuß auf die Spuren des Evangeliums zu begeben, sei für ihn immer wieder eine große Freude. „Wir wachsen dort nicht nur spirituell in die Jüngerschaft hinein, sondern folgen wirklich ganz konkret der Lebensspur Jesu“, erklärt er die Besonderheit dieser Wallfahrten. Der Besuch der Heimat Jesu Christi sei für ihn persönlich zudem jedes Mal eine „intensive Glaubens- und Gebetsschule, die den Blick auf das Evangelium und das Verständnis von Nachfolge erneut schärft.“

Die Worte „Nachfolge“ und  „Neuevangelisierung“ fallen im Gespräch mit Dekan Straub immer wieder. Sie sind auch Leitlinien, die sein pastorales Wirken durchziehen. „Ich selbst habe meine geistliche Heimat in der Jugend 2000 und versuche, die Erfahrungen dieser Bewegung in die Pfarreien zu bringen“, betont er. Darum sind ihm auch Projekte, die eine geistliche Erfahrung hin zu einer Erneuerung der Kirche ermöglichen, ein besonderes Herzensanliegen. Als Beispiele aus der Pfarreiengemeinschaft nennt er Alpha-Kurse und die Errichtung einer Anbetungskapelle mit dem Ziel einer 24-Stunden-Gebetszeit. Und obwohl ihm dieser Erneuerungsprozess „manchmal auch mühsam erscheint und zu langsam vorangeht", wie er gesteht, mache er doch viele ermutigende Erfahrungen, und kann erfreut feststellen: „Es geht etwas voran“. 

Text: Simone Zwikirsch
Februar 2019