Aschermittwoch der Künstler

Moderner Kirchenbau des 20. Jahrhunderts im Licht des II. Vatikanischen Konzils

Bischof Konrad bei der Auflegung des Aschenkreuzes. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
18.02.2015 17:00

Augsburg (pba). Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat am heutigen Aschermittwoch die vierzigtägige Fastenzeit als Aufforderung und Ermutigung zu größerer Innerlichkeit bezeichnet. „Innerlichkeit bedeutet, sich Zeit zu nehmen, sich der Gegenwart Gottes bewusst zu werden und auf das zu hören, was Gott spricht“, betonte er in der Augsburger Basilika St. Ulrich und Afra. Christen fasteten nicht, „um von Gott belohnt zu werden, sondern in dankbarer Nachfolge Christi“. Wahre Innerlichkeit verhelfe uns zu authentischem christlichem Leben, so der Bischof. Seinen besonderen Ausdruck fände diese Innerlichkeit laut Bischof Konrad im regelmäßigen Gebet.

„Wann beten wir eigentlich?“, fragte er die anwesenden Gläubigen. Hat das Gebet in unserem Leben noch einen festen Ort, seine konkrete Zeit im Lauf des Tages: am Morgen, am Abend oder beim Mittagessen, beispielsweise auch auf der Autobahnraststätte? Während des Pontifikalgottesdienstes wurde den Gläubigen das Aschenkreuz als Zeichen der Buße und der Umkehr aufgelegt.

Der Aschermittwoch der Künstler stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des architektonischen Aufbruchs rund um das Zweite Vatikanische Konzil. Im Anschluss an das Pontifikalamt hielt Dr. Walter Zahner im Haus St. Ulrich vor rund 200 Künstlerinnen und Künstlern, in diesem Jahr insbesondere Architekten, einen Vortrag über „Zeichen des Aufbruchs – Der Kirchenbau im Licht des II. Vatikanums“. Der Referent ist als Gesamtkurator für das „Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015“ verantwortlich, das die Deutsche Bischofskonferenz zum 50. Jahrestag des Konzilsendes initiiert hat.

Dr. Walter Zahner, Gesamtkurator für das „Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015“.

Ausgehend von den Kirchen in urchristlicher Zeit spannte Zahner dabei den Bogen von der Liturgischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über den modernen Kirchenneubau in den 60er und 70er Jahren bis in die heutige Zeit. Dabei warf er einen Blick speziell auf das Bistum Augsburg, schaute aber auch über dessen Grenzen hinaus. An einigen Kirchen zeigte Zahner exemplarisch auf, wie sich die Einflüsse des Konzils in der Architektur und künstlerischen Ausgestaltung von Sakralbauten niederschlugen. „Die Beispiele des Augsburger Kirchenbaus stellen für mich eine außerordentliche Qualität dar.“ Zudem würdigte er die „glückliche Hand“, die die Bischöfe Joseph Freundorfer und Josef Stimpfle sowie deren verantwortliche Mitarbeiter seinerzeit bei der Auswahl der Architekten, Maler, Bildhauer und Metallbildner hatten. Sämtliche Kirchenbautypen in der Nachkriegszeit seien beispielhaft im Bistum vertreten – neben längsgerichteten Wegkirchen und Zentralbauten sind eine ganze Reihe an Zeltvariationen und Betonbauten zu finden.

Dabei hat das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) die Auffassung von Sakralarchitektur entscheidend verändert, worauf Zahner in seinem Vortrag an vielen Stellen hinwies. Das Konzil sei jedoch nicht alleiniger Auslöser für die Reform gewesen, sondern eher Katalysator einer Entwicklung. Diese begann mit der Liturgischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, die theologische Grundidee des Kirchenbaus zu erneuern, wie Zahner in seinem Vortrag betonte.

In einer großformatigen Fotoausstellung im Haus St. Ulrich sind einige wichtige Zeugnisse des modernen Kirchenbaus in der Diözese Augsburg dokumentarisch aufbereitet. Die Ausstellung wird noch etwa sechs Wochen zu sehen sein. In den Jahren nach 1960 bis Anfang der 70er Jahre wurden im Bistum aufgrund des Bevölkerungswachstums und wirtschaftlichen Aufschwungs mehr Kirchen gebaut als in jedem anderen Vergleichszeitraum des 20. Jahrhunderts.

Der Aschermittwoch der Künstler wurde in Zusammenarbeit von Akademischem Forum, der Stabstelle Kirchliches Bauwesen und Kunst sowie der Abteilung Kirche und Kultur vorbereitet und organisiert.