Kunst und Kultur

Musik, die anrührte und Gänsehaut machte - Aschermittwoch der Künstler mit Uraufführung

Foto: Daniel Jäckel / pba
13.02.2013 17:05

Augsburg, (pba). Beim Aschermittwoch der Künstler hat es heute im Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg vor rund 170 Gästen eine Uraufführung gegeben. Zugleich wurde die Sonderausstellung "DAMIT LEBEN GELINGT - Ist Gott Mensch geworden bis in den Tod" mit Werken von e.lin (Erwin Wiegerling) eröffnet. Begonnen hatte das Treffen mit einer Heiligen Messe im Dom mit Bischof Konrad Zdarsa.

Während des Gottesdienstes wurde den Gläubigen auch das Aschenkreuz als Zeichen der Buße und der Umkehr gespendet. "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst." Der Aschermittwoch sei der einzige Tag, so Bischof Konrad in seiner Predigt, der uns nicht als Gläubige, sondern als "Mensch" anspreche. "Es ist die Kirche, die uns den Raum gewährt, uns in Würde auf die Hinfälligkeit unserer menschlichen Natur zu besinnen." Die Kirche komme unserer Natur mit diesem Tag und dieser jetzt beginnenden Zeit des Fastens sinnenfällig entgegen. Ihre Botschaft laute: "Lasst euch mit Gott versöhnen." Dazu rufe eine Kirche auf, die selber von Innen und Außen zutiefst gedemütigt sei. Es gehe, so der Bischof, um eine Neuorientierung auf das, was letztlich zähle. Es gehe um eine Besinnung auf unser letztes Ziel als Menschen.

Musikalisch gestaltet wurde die Heilige Messe von der Schola der Basilika St. Peter in Dillingen unter der Leitung von Paul Weishaupt, von Basilikaorganist Axel Flierl sowie der Cello-Meisterklasse von Professor Julius Berger. Er unterrichtet am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Diese jungen Musiker brachten im Diözesanmuseum während der anschließenden Begegnung unter der Leitung ihres Lehrers Professor Berger zum ersten Mal das Werk "Epiphanie" des Italieners Giovanni Bonato zur Aufführung. Er lehrt am "Cesare Pollini"-Konservatorium in Padua und hatte diese Meditation für acht Celli und Sopran während der Wintermonate eigens für diesen Aschermittwoch der Künstler komponiert.

Im Zentrum seines musikalischen Werkes stand dabei die Rauminstallation "Der gemarterte Christus - Geborgen" des aus Augsburg stammenden Künstlers e.lin (Erwin Wiegerling). Sie ist seit heute im Diözesanmuseum zu besichtigen. Wiegerling nimmt darin die Tradition der Heiligen Gräber auf, wie wir sie aus der Zeit des Barock kennen. Im Weiß gehaltenen Heiligen Grab von e.lin steht - oder besser - liegt die Skulptur eines Gekreuzigten. Dieser schlafende Christus ist in ein weiches Daunenbett gehüllt, ihm sind Palmzweige als Zeichen des Friedens beigegeben. Über ihm schweben bedrohlich zwei riesige Holzstämme, Symbole für Kreuz und Leiden Jesu.

Um diese Installation hatten sich die acht Cellisten und die Sopranistin Elain Ortiz Arandes, Mitglied des Ensembles des Staatstheaters am Münchner Gärtnerplatz, während der Uraufführung lose gruppiert. Was die rund 170 Gäste zunächst zu hören bekamen, waren die Leere, der Schmerz und die Trauer des Karfreitags. "Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde" - der Gesang der Sopranistin wurde von den - teilweise - schrillen Tönen der Celli begleitet. Acht Instrumente, durcheinander spielend. Klänge wie aus einer anderen Welt ".… und Einsamkeit, weil der König ruht", sang Ortiz Arandes weiter.

Giovanni Bonato war von Domkapitular Prälat Karlheinz Knebel, Bischofsvikar für Kirche, Kultur und Kirchliche Bildung, gebeten worden, diese Stimmung von der Grablegung Jesu bis zur Auferstehung einzufangen. Es war Musik, die anrührte und förmlich Gänsehaut machte. Dann setzte im zweiten Teil der bekannte Hymnus "Victimae paschali laudes" ein. Zunächst nur von einem Cello angespielt, wurde die Melodie der Reihe nach von den einzelnen Instrumenten aufgegriffen. Ein hin und her, als ob sich die einzelnen Instrumente miteinander über diesen Hymnus unterhielten. Langsam änderte sich in diesem Mittelstück auch die Tonlage, von Moll in Dur gehend, von der scheinbaren Disharmonie des Karfreitags ins Harmonische des Ostermorgens überleitend. "Wach auf, steh auf von den Toten", hieß es nun von der Sopranistin. Die Musik wurde dabei im dritten Teil immer voller, vermittelte den Eindruck eines ganzen Symphonieorchesters. "Der Fürst des Lebens, dem Tod entronnen, herrscht als König und lebt."

Das Publikum war überwältigt von dieser Musik. Es dauerte unendliche dreißig Sekunden, bis nach der gut 20 Minuten langen Aufführung Beifall einsetzte. "Dieses betrachtende Schweigen war wohl die einzige Möglichkeit, um einfühlsam auf dieses Ereignis zu reagieren", dankte Bischof Konrad im Anschluss an die Uraufführung spontan den Künstlern und dem Komponisten. "Sie haben uns das vermittelt, was am Ende dieser Bußzeit auf uns wartet." Der Bischof griff damit einen Gedanken von Domkapitular Knebel auf. "Mit dem Aschermittwoch beginnt unser Weg nach Ostern", so Knebel. "Wir wollten mit diesem Aschermittwoch der Künstler die Stunde nach dem Leiden Jesu beleuchten. Der Karfreitag ist zu Ende. Wir gehen hinein in den Karsamstag." Leiden und Qual, das Schweigen des Todes. Aber auch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. "Ich wünsche, dass die heutige Begegnung Fragen in uns aufwirft. Dass wir uns dem Geheimnis des Karsamstags nähern", richtete sich Bischofsvikar Knebel an die Gäste. Er wünsche sich, dass das Werk Bonatos auch noch in anderen Räumen aufgeführt werden könne.

 

Die Installation von e.lin "GRAB - Der geborgene Christus" sowie weitere wichtige Werke des Künstlers sind ab sofort im Diözesanmuseum Sankt Afra zu sehen. Die Sonderausstellung "DAMIT LEBEN GELINGT - Ist Gott Mensch geworden bis in den Tod" läuft bis zum Pfingstsamstag, 18. Mai, und ist während der regulären Öffnungszeiten zu besichtigen.

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf den Seiten des Diözesanmuseums.

Hier gibt es die Predigt des Bischofs: