Dekanate

Orgelweihe mit Bischof Bertram in Kempten: „Die Orgel lässt uns hineinwachsen in das Geheimnis der Kirche“

16.11.2020 09:18

Kempten (pdke). Die Hauptorgel der Basilika St. Lorenz ist gestern während eines Festgottesdienstes von Bischof Dr. Bertram Meier geweiht worden. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit hat der Orgelbaubetrieb Lenter die Walcker-Orgel, die 1866 entstanden und 1939/40 erweitert worden ist, restauriert, rückgebaut und eine Zusammenführung aller Teile mit dem Klang des ursprünglichen Instruments vollzogen. Gemeinsam mit den beiden anderen Basilikaorgeln verfüge St. Lorenz im nächsten Jahr über eine einmalige Orgellandschaft, kündigte Bischof Bertram an. „Vom Frühbarock bis in die heutige Zeit können dann Werke erklingen“, so der Bischof in seiner Ansprache.

Orgelweihe mit Bischof Bertram in der Basilika St. Lorenz in Kempten. (Foto: Verspohl-Nitsche / pdke)

Es sei für ihn „ein Tag der Freude und der hohen Ehre“, die Hauptorgel weihen zu dürfen, sagte der Bischof. In seiner Predigt betonte er die Bedeutung des Instruments auch für das kirchliche Leben in der Gemeinde: „Die Orgel lässt uns hineinwachsen in das Geheimnis der Kirche“. Ähnlich, wie eine Orgelpfeife nur dann erklingen könne, wenn sie von Luft durchströmt wird, sei ein Sprechen des Menschen ohne Luftholen unmöglich, sagte er und verwies auf die häufig in der Bibel vorkommende Beschreibung des Heiligen Geistes als „Luft“, „Wind“ oder „Atem“.

Mit Blick auf die Diskussionen des Synodalen Wegs über die Zukunft der Kirche führte Bischof Bertram das Bild noch weiter: „Gott ist Luft“. So wie Orgelmusik als Konzert vieler hundert Pfeifen zu verstehen sei, müsse sich auch eine Gemeinde als Zusammenspiel der unterschiedlichsten Stimmen begreifen: „Wir müssen als Gemeinde zusammenklingen, wir dürfen einander nicht übertönen, geschweige denn die Luft abschneiden“, sagte er und regte zur Idee an, die drei Orgeln der Basilika in Zukunft auch für ökumenische Gebete und Zusammenkünfte zu nutzen.

„Die Pfarrgemeinde St. Lorenz ist ein großer Talentschuppen. Helfen wir einander, unsere Talente zu entdecken, zu heben und zu vervielfältigen, damit die Gemeinde wächst und über den Reichtum der Gaben, die in ihr stecken, nur so staunen kann“, betonte der Bischof abschließend und zitierte den Psalm 150 der Heiligen Schrift: „Alles, was atmet, lobe den Herrn!“

Wegen der Hygienevorschriften der Corona-Pandemie war die Besucherzahl des Pontifikalamtes begrenzt. Dennoch fanden sich zahlreiche Gläubige ein, um den Weiheakt des zwölf Meter breiten Instrumentes mit 63 Registern und 4504 Pfeifen mitzuerleben. Gäste aus Politik und dem kirchlichen Leben waren der Einladung gefolgt, unter ihnen Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, dessen Vorgänger Dr. Ulrich Netzer, der Staatsminister a.D. und ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Landesstiftung Josef Miller, sowie der evangelische Dekan Jörg Dittmar. Der Orgelsachverständige des Bistums, Pater Stefan Kling, Dekan Bernhard Hesse und Stadtpfarrer Monsignore Dr. Bernhard Ehler konzelebrierten den Festgottesdienst mit Bischof Bertram. Die musikalische Gestaltung  übernahm Kirchenmusiker Benedikt Bonelli, der auf der neuen Orgel Werke von Johann Sebastian Bach, Paul Richter, Charles-Marie Widor und Sigfrid Karg-Elert intonierte. Unterstützt wurde er durch die Biberacher Bachtrompeten Hans Mohr, Timo Bossler, Michael Bischoff sowie die Kantorin Annette Naumann.

In seiner Begrüßung dankte Dr. Bernhard Ehler der Kirchenverwaltung für den Mut zu dieser großen Sanierung in Höhe von 1,3 Millionen Euro, zu der Kirchenmusiker Bonelli den Anstoß gegeben habe. „Fast 90 Prozent der Kosten seien mittlerweile finanziert, die Diözese sowie der Bayerische Landesstiftung sowie zwei anonyme Spender hätten die größten Beträge beigesteuert, so der Stadtpfarrer. Zahlreiche kleinere Spenden seien außerdem eingegangen, dennoch fehle dem Orgelbauverein noch ein Betrag von 146.000 Euro für die Finanzierung, betonte Dr. Ehler.“

Der evangelische Dekan Jörg Dittmar betonte in seinem Grußwort, dass durch die neue Orgel der Basilika und das vor einem Jahr in der St.-Mang-Kirche geweihte Instrument ein weiteres ökumenisches Miteinander möglich werde. Eine neue kulturelle Weite eröffne sich durch gemeinsame Orgelkonzertwochen, so Dittmar. „1,3 Millionen Euro für Kunst und Kultur mögen manchem viel erscheinen“, bemerkte er, doch das Geld sei für die Herzensbildung, Seelenstimmung und die Erweiterung des geistigen Horizonts gut eingesetzt. Musik könne Mauern niederreißen, so der Dekan, aber manchmal brauche die Seele auch Schutz und dann baue Musik diese wieder auf.

  

Predigt zur Orgelweihe im Volltext