Aus den Pfarreien

Festgottesdienst zum Patrozinium in Edenhausen: Bischof Bertram segnet Reliquiar

30.12.2021 08:36

In der Pfarrei St. Thomas von Canterbury in Edenhausen bei Krumbach hat Bischof Dr. Bertram Meier an diesem Mittwoch einen Festgottesdienst zum Patrozinium gefeiert und zu diesem Anlass ein neues Reliquiar gesegnet. Thomas von Canterbury oder auch Thomas Becket, der vom "Höfling zum Heiligen" wurde, bezeichnete er dabei als „Kämpfer für die Freiheit der Kirche“ und stellte Bezüge zur Gegenwart her.  

Beim Festgottesdienst in der Kirche St. Thomas von Canterbury in Edenhausen sprach Bischof Bertram über das Verhältnis von Kirche und Staat. (Fotos: Reinhard Fetschele / Pfarrei Edenhausen)

In seiner Predigt gab Bischof Bertram einen Einblick in die Lebensgeschichte Beckets und erläuterte seinen Wandel vom Politiker zum Geistlichen. Seiner Ermordung am 27. Dezember 1170 sei eine langjährige und tiefe Freundschaft mit König Heinrich II. vorausgegangen, die letztlich in eine erbitterte Feindschaft und einen Auftragsmord im Dom von Canterbury gemündet sei. „Dieses Martyrium legt den Streit frei um Thron und Altar, um Krone und Kirche, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, um die Beziehung zwischen Staat und Religion“, stellte Bischof Bertram zum tiefer liegenden Problem im „Fall Becketts“ fest.

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Edenhausen und gleichzeitige Diözesanratsvorsitzende, Hildegard Schütz, hieß Bischof Bertram im Namen der Pfarrei herzlich willkommen. (Foto: Reinhard Fetschele)

Die Themen, die sich damals gestellt hätten, seien auch gegenwärtig aktuell, sagte der Bischof und nahm dabei Bezug auf die Gerichtsbarkeit von Klerikern und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in der heutigen Zeit. Er wies darauf hin, dass geweihte Personen nicht exemt wären, was im Umfeld der Missbrauchsskandale zu spüren sei. „Auch wenn ein staatliches Gericht diesbezügliche Verfahren einstellt, ist das noch kein Freispruch im kirchlichen Kontext. Ein Priester, der Zölibat versprochen hat und Menschen geistlich begleitet, darf diese besondere Stellung nicht ausnützen.“ Die Balance zwischen Nähe und Distanz sei unabdingbar, seien die Grenzen zwischen sexuellem und geistlichen Missbrauch doch fließend. „Deshalb kann ich es nur begrüßen, wenn kirchliches Recht mitunter strenger ist als staatliche Regeln“, bekräftigte der Bischof.

Die Kirche und der Staat seien Partner in einer Partnerschaft, in der sich die Kirche gegenüber einem neutralen Staat frei entfalten könne, sagte er und gab mit Blick auf die neue Regierung gleichzeitig zu bedenken, dass es seiner Voraussicht nach so nicht bleiben werde. „Die Tatsache, dass Mitglieder unserer neuen Ministerriege bei der Vereidigung auf den Gottesbezug verzichtet haben, werte ich als Statement.“ Auch im Regierungsprogramm würden die christlichen Kirchen allen anderen Religionsgemeinschaften gleichgestellt, „nicht weniger, aber auch nicht mehr“, betonte der Bischof.

An die Gläubigen in Edenhausen wandte er sich deshalb mit einem besonderen Wunsch: „Halten Sie zusammen – hier in Edenhausen, in der Stadt Krumbach und darüber hinaus. Suchen Sie die Kooperation zwischen Kommune und Kirche.“

Das neue Kreuzreliquiar wurde der Pfarrei von der Benediktinerabtei Maria Laach geschenkt und überbracht. (Foto: Reinhard Fetschele)

Die Pfarrei Edenhausen hatte an diesem Tag gleich doppelten Grund zur Freude: Im Rahmen des Festgottesdienstes zum Patrozinium setzte Bischof Bertram ein Kreuzreliquiar mit Überresten des hl. Thomas Becket ein. Dieses wurde der Pfarrei von den Brüdern der Benediktinerabtei Maria Laach geschenkt und überbracht, nachdem es in der dortigen „Laacher Mühle“ gefunden worden war. Neben der Reliquie des Erzbischofs sind in dem Kreuz auch kleine Reliquien des Apostels Thomas, Martin von Tours, Benedikt von Nursia, Bischof Virgil von Salzburg, der Äbtissin Erentrudis vom Nonnberg, Ildefins von Toledo und dem Familienvater Thomas Morus enthalten. Das kleine Kreuz wurde neu gefasst und mit einem Fuß versehen.

Thomas Becket wurde am 29. Dezember 1170 von Gefolgsleuten des englischen Königs während der Vesper in der Kathedrale von Canterbury mit einem Schwerthieb umgebracht. Im Jahr 1173 wurde er heiliggesprochen und bereits kurz darauf als Kirchenpatron für Edenhausen erwähnt. Die Kirche in Edenhausen ist als einzige im Bistum Augsburg Thomas v. Canterbury geweiht.