Dompredigermesse

Petrus Canisius - „Kein glatter Heiliger“

19.07.2020 12:20

Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat sich heute im Hohen Dom zu Augsburg zum letzten Mal als Domprediger an seine Zuhörer gewandt. Dabei würdigte er das Wirken des heiligen Petrus Canisius, der von 1559 bis 1566 selbst in Augsburg als Domprediger wirkte. Wie Bischof Bertram dabei verdeutlichte, befand sich die Kirche vor 500 Jahren in einer tiefen Krise, die der von heute in vielem ähnelte.

Ehemaliger Domprediger in Augsburg: der hl. Petrus Canisius. (Miniatur 1699, Rijksmuseum Amsterdam).

Canisius sei „kein glatter Heiliger“ gewesen, er habe „nicht sofort den Hunger nach Emotion und den Durst nach dem peppigen Event“ gestillt, betonte Bischof Bertram. Er stellte ihn den Gläubigen als Heiligen vor, der die Situation der damaligen Kirche in Deutschland messerscharf analysierte. Die Deutschen hätten kein praktisches Interesse an der Religion, Gottesdienste würden selten besucht, die Menschen fasteten nicht, habe Petrus Canisius damals festgestellt, und auch zur Situation unseres Bistums habe Canisius kein Blatt vor den Mund genommen: „Um die Kirche von Augsburg steht es schlechter als man glauben kann, und inzwischen belastet ihr Bischof sein Gewissen mit so großen Bürden, dass ich mich wunderen muss, wie er ruhig schlafen kann“, zitierte er. 

Petrus Canisius, im Jahr 1549 von Papst Paul III. als Missionar nach Deutschland gesandt, habe die Kirche nach der Reformation in einem teilweise desolaten Zustand vorgefunden. Trotz dieses ernüchternden Befunds habe er sich aber nicht entmutigen lassen. Er habe vielmehr eine ansteckende Zuversicht verbreitet und sich mit Haut und Haar der Kirche verschrieben. Bischof Bertram: „Er verstand sich als Werkzeug des Herrn. Dabei war er weder mechanische Marionette noch nachplappernder Papagei“. Obwohl Canisius, nach Bonifatius als „zweiter Apostel Deutschlands“ bezeichnet, durchaus mit und an der Kirche habe leiden können, habe er nicht an ihr herumgemeckert. Denn für ihn habe die Kirche selbst in einem höheren Dienst gestanden: dem an der Wahrheit, die ihr in der Person Jesu Christi vorgegeben sei. 

Diese Wahrheit könne nur von Theologen verkündet werden, die bescheiden und demütig seien, unterstrich Bischof Bertram: „In Zeiten der Krise und der Stabilisierung sind nicht so sehr die Lippizaner gefragt, die sich selbst gefallen, sondern die gediegenen Haflinger: treue Zugpferde, die den Karren der Kirche sicher durch die Geschichte ziehen.“ Nur ein Theologe, der seinen Standpunkt nicht in kritischer Distanz zur Kirche einnehme, sondern als Glied in ihrer Mitte beheimatet sei, könne die Wahrheit des Evangeliums bewahren und so als authentischer Gesprächspartner für Andersdenkende und Andersgläubige taugen. 

Auch Petrus Canisius habe kein Patentrezept zur Verkündigung dieser Wahrheit oder zur Bewältigung der Glaubenskrise gehabt, das einfach kopiert werden könne. Aber sein Ansatz sei dennoch klar. „Er hat die altkirchliche Katechese wieder entdeckt. Da geht es“, so Bischof Bertram, „nicht um rein intellektuell-informative Belehrung, sondern um Aneignung: das Hineinwachsen in die aktive Teilnahme am Leben der Kirche.“ Petrus Canisius sei es um die Substanz gegangen, es sei ihm gelungen, die katholische Kirche aus der Defensive herauszuführen und sie für eine neue Blüte vorzubereiten.

Solche Knospen für ein neues Aufblühen gebe es auch heute. Als Beispiele nannte der Bischof Prozessionen und Wallfahrten, die wieder im Kommen seien. Sei es außerdem nicht „ein Wink des Heiligen Geistes, dass wir die geistliche Begleitung, Exerzitien und Besinnungstage neu schätzen gelernt haben?“, fragte er. Und er nannte als Beispiele Johannes Paul II. mit dem großen Angebot des Weltkatechismus sowie Benedikt XVI., der auf seiner pastoralen Prioritätenliste die Neu-Evangelisierung ganz oben angesetzt habe.

Bischof Bertram war seit 2007 Domprediger. In Kürze wird bekannt gegeben, wer dieses Amt ab September innehaben wird.