Nachruf

Prof. Dr. Anton Rauscher SJ verstorben

21.12.2020 14:50

Der Jesuit und Sozialethiker Anton Rauscher ist heute, am 21. Dezember, im Alter von 92 Jahren verstorben. Er wurde am 8. August 1928 in München geboren. Bischof Dr. Bertram Meier und Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger als sein Schüler heben beide das große sozialethische Erbe hervor, das er hinterlässt.

+ Professor Anton Rauscher, Jesuit und Sozialethiker. (Foto: Roswitha Mitulla)

„Mit Professor Anton Rauscher verliert die Kirche weit über die Grenzen des Bistums Augsburg und den Jesuitenorden hinaus eine wichtige Säule der Brücke zwischen Staat und Kirche“, würdigt Bischof Bertram sein Wirken. Als Professor für christliche Gesellschaftslehre an der Universität Augsburg habe er mit seinen Beiträgen und Wortmeldungen in den nationalen und internationalen Bereich ausgestrahlt, um den Prinzipien der christlichen Soziallehre eine machtvolle Stimme zu geben.“ Zahlreichen Studierenden der Theologie wie Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger sei Professor Rauscher ein sachlich kompetenter und menschlicher Doktorvater gewesen.

„Sein Lebenswerk zeigt uns, dass Kirche und Politik gerade in Krisenzeiten zusammenstehen müssen und dass sowohl die soziale Verantwortung in Wirtschaftsfragen als auch die politische Verantwortung der Kirche ein wesentliches Merkmal für ein humanes Antlitz einer gerechten Gesellschaft sind“, so Weihbischof Losinger über seinen Lehrer.

Nach seinen philosophischen und theologischen Studien in Freising und dann an der Päpstlichen Universität Gregoriana wurde er am 10. Oktober 1953 in Rom zum Priester geweiht. Dem schloss sich 1956 an der Gregoriana die Dissertation an. Im selben Jahr trat Anton Rauscher zudem in den Jesuitenorden ein. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn als erstes an die Sophia-Universität in Tokio. 1960 kehrte Rauscher nach Deutschland zurück, um an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein Studium der Volkswirtschaftslehre aufzunehmen. Dort habilitierte er sich im Jahr 1968 im Fach Christliche Sozialwissenschaften. Seine beiden wichtigsten wissenschaftlichen Lehrer waren Pater Gustav Gundlach SJ in Rom und in Münster der damalige Professor und spätere Erzbischof von Köln Joseph Höffner.

Bereits vor seiner Habilitation war er seit 1963 in Mönchengladbach Direktor der im Jahr 1962/63 gegründeten „Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle“ (KSZ) der Deutschen Bischofskonferenz. Diese Aufgabe hatte er bis 2010 inne. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er außerdem Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der damals neu gegründeten Universität Augsburg. Er war in ihrer Gründungs- und Aufbauphase erster Vizepräsident und vertrat die Interessen der Universität in Gremien wie der Bayerischen Hochschulplanungskommission oder dem Katholisch-Theologischen Fakultätentag. Seine enge, auch verwandtschaftlich geprägte Verbundenheit mit dem Bistum Augsburg kam unter anderem durch seine Berufung zum Bischöflichen Beauftragten beim Diözesanrat der Katholiken zum Ausdruck. Dieses Amt hatte Rauscher von 1990 bis 1998 inne. Zudem war er zeitweilig auch Bischöflicher Beauftragter für die Katholische SonntagsZeitung. Seinen Lebensabend verbrachte er im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern.

Als Wissenschaftler ging es dem Sozialethiker Anton Rauscher immer darum, mit Kirche, Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft im Gespräch zu bleiben. In besonderer Erinnerung wird der von ihm entworfene Hirtenbrief bleiben, mit dem die Bischöfe vor der Bundestagswahl 1980 aus Gründen der Generationengerechtigkeit die hohe Staatsverschuldung kritisierten. Rauscher war bei seinem jahrzehntelangen Wirken stets an einem Austausch nicht nur über die verschiedenen Fachdisziplinen und Wissenschaften hinweg gelegen. Er dachte stets interdisziplinär und international. So gelang es ihm, den damaligen Erzbischof von Paris, Jean-Marie Kardinal Lustiger, 1989 für eine Ehrenpromotion an der Katholisch-Theologischen Fakultät Augsburg zu gewinnen.

Der Herr vergelte ihm seine treuen Dienste. Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen.

Nachruf auf den Seiten der Deutschen Provinz der Jesuiten